Opfer bringen und aufeinander achten

Wort zum Wochenende von Superintendent Kristóf Bálint vom Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen.

Superintendent Kristóf Bálint

Superintendent Kristóf Bálint

Foto: Ingolf Gläser / TA

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Unlängst las ich den Artikel einer beherzten jungen Frau, die in einer überregionalen Zeitung sehr pointiert für das Maskentragen Stellung bezog. Heute Morgen sah ich auf einem Foto ein handgeschriebenes Plakat in einem Schaufenster mit dem Text: „Ja, es ist alles FAKE. Die ganze Welt hat ihre Wirtschaft geschlossen und ruiniert, nur um DICH dazu zu bringen, eine MASKE zu tragen. Weil Du so hässlich bist.“

Ich halte nicht viel vom Verunglimpfen anderer, weil es mehr über den Verunglimpfenden als über den Verunglimpften aussagt. Es ist immer ein Zeichen von Schwäche oder Hilflosigkeit, wenn man nach der Devise verfährt: „Ich kann es nicht besser erklären, nur lauter.“ Ausdruck dafür sind so viele Kommentare in den (a)sozialen Medien, in denen sich im Schutz der Anonymität manche „tapfer“ Dinge zu sagen trauen, die sie bei rechtem Nachdenken oder von Angesicht zu Angesicht nie den Mut oder die Chuzpe hätten.

Wenn wir uns aber mal die Frage stellen, ob das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) ein unzumutbarer Akt ist, dann können wir nicht allen Ernstes behaupten, dass das so sei. Eine mögliche Alternative dazu ist auf den Intensivstationen (ITS) zu besehen, die mancher der „Verfechter der Freiheit“ von der MNB mal als Handlanger eine Woche als helfende Urlaubsalternative aufsuchen sollte. Ist diese Wahlmöglichkeit wirklich so erstrebenswert?Ich will keinesfalls sagen, dass mir das Tragen der MNB viel Freude bereitet, und ich erinnere mich, dass am Anfang der Pandemie (wohl auch aus Mangel an vorhandenem Material) deren Wirksamkeit infrage gestellt worden war. Aber auch für Ärzte ist diese Pandemie Neuland, und wir lernen alle hinzu.

Brillenträger sind besonders betroffen, weil die Gläser beschlagen, aber das bäuchlings um den Atem und das Leben ringen auf einer ITS ist deutlich belastender.

Bleiben wir also dabei, tun wir alles, was in unserer (bescheidenen) Macht steht, und legen wir den MNB an, halten wir überall Abstand und waschen wir uns die Hände. Wir helfen einander und uns selbst, wenn wir darauf achten.

Das ist eine Form der Nächstenliebe die ganz einfach zu praktizieren ist. Am besten, wenn es Plakate wie oben und unflätige Bemerkungen nicht gibt. Die helfen keinem weiter. Das tun nur Verständnis und Achtsamkeit.

Ein gesegnetes Wochenende!

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