Orgel der Marienkirche in Artern soll gerettet werden: Spenden werden gesammelt

Artern  Gut zweihundert Gäste besuchten die 1. Arterner Orgelnacht. Erlös und Spenden des Abends sollen auf das Orgelkonto fließen.

Angelika Braune mit dem Orgelwein. Der exklusive Tropfen wurde zur Orgelnacht ausgeschenkt, aber auch flaschenweise mitgenommen.

Angelika Braune mit dem Orgelwein. Der exklusive Tropfen wurde zur Orgelnacht ausgeschenkt, aber auch flaschenweise mitgenommen.

Foto: Wilhelm Slodczyk

Sie wird als Königin der Instrumente bezeichnet. Doch in der Marienkirche in Artern ist die Orgel hinfällig. 20.000 Euro. So viel Geld hat die Kirchengemeinde in den letzten zwei Jahren für die dringend notwendige Statikkorrektur gesammelt.

Das klingt viel. Reicht aber noch lange nicht aus, um die benötigten Eigenmittel der Kirchengemeinde für das Bauvorhaben zu stemmen. Dessen Kosten schätzen Fachleute auf rund 300.000 bis 400.000 Euro – ein Drittel davon muss die Kirchengemeinde aufbringen.

„Wir haben drei Angebote eingeholt. Die Orgel muss auseinandergebaut werden“, sagt Arterns scheidender Kantor Pascal Salzmann. Das werde eine Orgel für die Reinigung zwar öfter. „Aber dass auch das Gehäuse komplett zerlegt werden muss, ist äußerst selten“, fügt er hinzu.

Bei der Orgel in der Arterner Marienkirche ist dies aber unumgänglich. Zur Erinnerung: Seit gut zwei Jahren sind die erheblichen Statikprobleme der Orgel bekannt. Die beiden Pedaltürme, das sind die äußeren Teile der Orgel mit den großen Pfeifen, neigen sich nach innen. Dazu droht das komplette Instrument nach vorn zu driften. Breite Spalten im Gehäuse zeigen, dass Teile sich bereits verschoben haben.

Möglich, dass das Statikproblem schon seit vielen Jahren unbemerkt besteht. Seine Entdeckung kam nicht zufällig. Pascal Salzmann, damals neuer Kantor in Artern, hatte nach dem ersten Bespielen ein Rauschen hinter dem Prospekt bemerkt und einen Orgelbaumeister mit der Ursachenforschung beauftragt.

Was dieser entdeckte, löste keine Freude aus. Das nächste Orgelkonzert hatte der Kantor darum gleich zu einem Konzert für die Orgel gemacht. 300 Euro kamen damals zusammen – ein erster Anfang.

Dabei ist die Orgel der Marienkirche mit ihren 35 Jahren noch jung. 1979 hatte die Kirchengemeinde die Orgel der St.-Nicolai-Kirche in Eisleben erworben. Nach dem Neuaufbau wurde sie im Jahr 1984 eingeweiht. Später wurde das Instrument noch mehrfach umgesetzt. Möglich, dass sich dies auf die Statik auswirkte.

Den 35. Jahrestag der Orgel sowie deren Zustand nahm Arterns Kantor zum Anlass für die 1. Arterner Orgelnacht am vergangenen Samstag, an der sich mehrere Kantoren aus der Region beteiligten. Ein Freundeskreis für die Orgel der Marienkirche hat sich inzwischen gegründet, der sein Wirken dem Erhalt des Instruments widmet, vor allem aber auch ein Zeichen setzen will. „Als Kirchengemeinde wollen wir damit zeigen, dass wir hinter der Orgel stehen. Das ist wichtig, wenn man Fördermittel beantragen will“, sagt Angelika Braune vom Gemeindekirchenrat und Mitstreiterin im Förderkreis.

Die Mitglieder sammeln Spenden und organisieren Veranstaltungen, deren Erlös der Orgel zugute kommt. Eine CD wurde auf mehreren Orgeln der Region eingespielt, die die ­Orgelnacht-Besucher erwerben konnten. Wie auch einen exklusiven Orgelwein. „Die Orgel ist uns wichtig – nicht nur für die Kirche. Sie ist ein Kulturgut für die Stadt“, sagt Angelika Braune und freut sich wie die anderen Förderkreis-Mitglieder, dass so viele Leute zur Orgelnacht gekommen sind. Auf gut zweihundert schätzt Kantor Salzmann die Zahl der Gäste. „Das ist für den Anfang gut in Anbetracht weiterer Veranstaltungen ringsum“, sagt er. Damit es ein gemütlicher Abend wird, hatten Mitarbeiter der Stiftung Finneck vor der Kirche den Rost angeheizt. Und die ankommenden Gäste ließen sich unterm Blätterdach Würste und Brätel schmecken, dazu Bier und Brause. Und natürlich wurde auch der Orgelwein ausgeschenkt. Einige Male hatte Salzmann allerdings technische Probleme an der Orgel zu beheben, die er der hohen Luftfeuchtigkeit an diesem Abend zuschiebt.

Auch der Erlös dieses Abends soll auf das Konto für die Orgel fließen. Ein Plan, wann es mit Bauarbeiten losgehen könnte, ist dem Kantor nicht bekannt. Das hängt auch von der Finanzierung ab. Fakt ist, es „muss unbedingt was gemacht werden“, sagt Salzmann. Er selbst verlässt Artern und die Region zum 30. September und tritt in Waldbröl (NRW) eine neue Kantorenstelle an. In Artern hat der junge Kirchenmusiker die Notwendigkeit von Reparaturarbeiten ins Bewusstsein gerückt und damit die Sanierung angeschoben. Viel Zeit bis zum Beginn der Arbeiten sollte nicht ins Land gehen.

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