Per Zug zum Kyffhäuser

Sondershausen.  Paul Lauerwald veröffentlicht reich illustriertes Buch über die Geschichte der ehemaligen Bahn von Bretleben nach Sondershausen in Nordthüringen.

Mit seinem Buch über die Kyffhäuserbahn zwischen Bretleben und Sondershausen will Paul Lauerwald an die stillgelegte Strecke erinnern.

Mit seinem Buch über die Kyffhäuserbahn zwischen Bretleben und Sondershausen will Paul Lauerwald an die stillgelegte Strecke erinnern.

Foto: Sibylle Klepzig

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„Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war jeder Ort stolz, der einen Bahnhof besaß. Es war etwas Besonderes, was man gern auf Ansichtskarten zeigte“, erzählt Paul Lauerwald. Mit Leidenschaft sammelt der Eisenbahnhistoriker solche alten Aufnahmen. Bilder, die auch sein jüngstes Buch „Entlang des Kyffhäusers. Die Nebenbahn Bretleben – Sondershausen“ illustrieren.

Heute ist die Strecke stillgelegt. Doch es lohnt ein Blick auf ihre Geschichte, die vor rund 130 Jahren begann. „Die Eisenbahn hatte sich als neues Verkehrsmittel etabliert, immer mehr Orte wünschten sich Anschluss ans Schienennetz“, blickt Lauerwald zurück. Seit 1869 war die Strecke Nordhausen – Erfurt und seit 1881 die Strecke Sangerhausen – Erfurt in Betrieb. „Nun regten sich Wünsche, beide Strecken durch eine Querverbindung von Sondershausen über Frankenhausen zu verbinden.“

Vor allem Frankenhausen drängte auf einen Bahnanschluss, mauserte es sich doch gerade zum Kurort. 1818 hatte Manniske das erste Kurhaus eröffnet, 1876 folgte ein Kinderkurheim. Die touristische Erschließung des Kyffhäusergebirges begann. Per Zug könnten weitaus mehr Menschen anreisen als bisher.

Dass das Königreich Preußen als Eigentümer der Bahn überhaupt Interesse an dieser Trasse zeigte, findet Lauerwald sehr bemerkenswert. Man müsse wissen: „Die Strecke verlief vor allem auf nichtpreußischem Gebiet, nämlich über das Terrain der Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen.“ Doch tatsächlich bewilligte der preußische Staat 1889 die Mittel zum Bau der Querverbindung, stellte mit gut 1,5 Millionen Mark den Löwenanteil der Bausumme. Das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, in dessen Unterherrschaft die Orte Esperstedt und Frankenhausen lagen, steuerte 90.000 Mark sowie den Grund und Boden bei.

„Beim Bau der eingleisigen Nebenbahn am Südrand des Kyffhäusergebirges waren einige Schwierigkeiten zu überwinden“, berichtet Paul Lauerwald. „Die Trasse führte durch das sumpfige ‘Ried’, das mehrmals im Jahr durch die Unstrut überflutet wurde. Größere Dammschüttungen und der Bau mehrerer Vorfluter waren nötig.“ Schwierig gestaltete sich auch der Landerwerb. „So verlegte man die Schienen zum Teil weit an den Orten vorbei, baute Bahnhöfe – wie in Esperstedt – ein ganze Ecke weg von der eigentlichen Ortslage. Da mal zwei Kilometer hinzulaufen, galt als zumutbar.“

Freudig eröffnete ein Festkomitee am 4. Juli 1894 den ersten Streckenabschnitt am festlich geschmückten Frankenhäuser Bahnhof, dem vorläufigen Endpunkt. Die touristische Bedeutung der Bahn war schnell spürbar. Sie brachte Ausflügler zu Kyffhäuser-Denkmal, -gebirge, Barbarossahöhle und Possen. Der erste Sonderzug mit Kyffhäuser-Besuchern ließ nicht lange auf sich warten. 1896 ging der Bahnbau dann Richtung Sondershausen weiter, am 1. Oktober 1898 weihte ein festlich geschmückter Zug die 30,9 Kilometer lange Gesamtstrecke Bretleben – Sondershausen ein. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 50 Kilometern pro Stunde.

Paul Lauerwald erzählt vom wachsenden Güterverkehr, vom Transport von Braunkohle, Zuckerrüben und Kalisalz (in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts). Er hat die komplette Geschichte der Nebenbahn bis zu ihrem Ende 2006 zusammengetragen. Das Thema Eisenbahn lässt den 75-jährigen Eisenbahningenieur eben auch lange nach seinen 50 Dienstjahren nicht los.

In Verleger Wolfgang Herdam fand der Nordhäuser einen Gleichgesinnten. Zehn Titel hat der Quedlinburger Verlag bereits von Lauerwald herausgebracht. Alle mit dem Ziel: Weniger bekannte Eisenbahnstrecken dem Vergessen zu entreißen.

Das Buch „Entlang des Kyffhäusers. Die Nebenbahn Bretleben-Sondershauen“, Herdam-Verlag, 29,80 Euro, ist im Buchhandel oder beim Verlag zu bestellen.

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