Projekt in Friedrichsrode: Eine Insel im Meer der Fantasie

Friedrichrode.  Schüler drucken eigenes Buch in Friedrichsrode. Kunsthof verzeichnet wieder mehr Buchungen

Buchkünstlerin Rita Lass postiert die Knetfiguren auf der Papierinsel, die als Inspiration dient.

Buchkünstlerin Rita Lass postiert die Knetfiguren auf der Papierinsel, die als Inspiration dient.

Foto: Sibylle Klepzig

Ach wie schön ist Hahnhahnien. Wo das liegt? Mitten im Ozean. Es ist eine Insel im Fantasie-Meer. Erdacht von den Schülern einer 5. Klasse des Geraer Zabel-Gymnasiums. Für ihr viertägiges Buchkunstprojekt im Kunsthof Friedrichsrode sind sie – natürlich nur fiktiv – auf dem Eiland gestrandet. Und weil die Insel aus Papier irgendwie aussieht wie ein Hahn, verpassten sie ihr den witzigen Namen. Nicht weniger originell sind die Lebewesen, die sich die Kinder dort vorstellen. Mit Knete gaben sie ihnen Gestalt.

„Die Insel und die Knetfiguren liefern die Inspiration für alles Weitere“, erzählt Buchkünstlerin Rita Lass. Die Hallenserin hat schon oft mit Schülern gearbeitet, doch es ist ihr erstes Projekt in Friedrichsrode. Von den Bedingungen ist sie begeistert. Der Kunststall bietet viel Platz für die 24 Schüler. In fünf Gruppen lassen sie ihren Ideen freien Lauf. Jede Gruppe denkt sich ihre eigene Geschichte aus. Am Ende werden alle Episoden zu einem großen Buch zusammengefügt.

Für das Gemeinschaftswerk werden verschiedene Techniken genutzt

Für ihr Gemeinschaftswerk nutzen die Kinder verschiedene Techniken. Mal stehen sie an der Druckpresse, mal drucken sie per Hand, nutzen dafür Blätter, plattgedrückte Dosen, Schlüssel und Federn. Sie üben sich in Frottage, einer Durchreibetechnik, zeichnen, schreiben mit Feder und Tusche. Lehrerin Christin Schicker freut sich über den Eifer: „Die Klasse hat sich ja erst zusammengefunden, so lernen sie sich alle gut kennen.“ Dank des Thüringer Programms „Kulturagenten für kreative Schulen“, das künstlerische Projekte fördert, konnte sie die Klassenfahrt mit dem Buchprojekt verbinden. Ein Angebot, dass auch für Schulen aus der Region interessant sein dürfte, findet Kunsthof-Leiter Thomas Kümmel. Ihn freut es, dass die Buchungsanfragen nach der langen coronabedingten Durststrecke generell wieder zunehmen.

„Im September konnten unsere beiden Mitarbeiterinnen in der Küche und die Reinigungskraft die Kurzarbeit beenden. Jetzt ist das Team wieder komplett.“

Die letzte Oktoberwoche gehört dem Jugendclub Ebeleben

Sind die Schüler aus Gera abgereist, quartiert sich die Hensen-Big-Band aus Leipzig für ein Probenwochenende ein. Ebenfalls im Oktober reisen Musikschüler des Sondershäuser Carl-Schroeder-Konservatoriums zu Proben an. Die letzte Oktoberwoche gehört dem Jugendclub Ebeleben, der im Kunsthof eine mehrtägige Ferienfreizeit für Kinder und Jugendliche veranstaltet.

Das Motto „Gegen die Langeweile“ spornt den Kunsthof-Chef an: „Wir müssen vielfältige, kurze Angebote parat haben.“ Eine Grafikerin aus Halle hat er bereits engagiert, eine Erlebnispädagogin will er noch gewinnen. Die eigenen Werkstätten öffnen sowieso. Auch im November ist der Kunsthof an den Wochenenden ausgebucht. Wochentags gibt es noch freie Kapazitäten. Kümmel spürt die Zurückhaltung und zeigt Verständnis. Er achtet darauf, dass nie zwei Gruppen zur gleichen Zeit eingebucht werden. „Zwar kann man bei uns in zwei Häusern übernachten. Die komplette räumliche Trennung aber ist schwierig, vor allem im Speiseraum.“

Im November wartet der Kunsthof mit zwei Konzerten im Kunststall auf: Am 14. November ist das Duo Stellmäcke & Müller zu Gast, am 28. November der Sänger Lüül.