Reptilien-Experte erklärt Flussabschnitt in Roßleben-Wiehe für krokodilfrei

Roßleben-Wiehe.  Die Suche nach einem Reptil wird rund um Roßleben eingestellt. Die Verbote an der Unstrut sind ab Donnerstag aufgehoben.

Heino Krannich vom Tierparkservice Wittingen hat erfolglos in der Unstrut nach einem vermeintlichen Krokodil gesucht.

Heino Krannich vom Tierparkservice Wittingen hat erfolglos in der Unstrut nach einem vermeintlichen Krokodil gesucht.

Foto: Jan Woitas / dpa

Braungebrannt, Latzhose, Wildnisschuhe – so sitzt Heino Krannich im Rathaus von Roßleben, erklärt gut 30 Vertretern von zum Teil überregionalen Medien seine Ergebnisse der Krokodilsuche in der Unstrut. „Wir können davon ausgehen, dass dieser Flussabschnitt krokodilfrei ist“, sagt der 61-Jährige „ein wenig erschöpft".

Der Experte vom Tierparkservice Wittingen in Niedersachsen – afrika- und reptilienerfahren – war nach drei angeblichen Sichtungen seit 6. September in Schönewerda und Roßleben sowie ergebnisloser Suche mit Hühnchen-Köder und Fotofalle zur Hilfe gerufen worden. Und hatte nun seit Dienstagmittag einen Tag und eine Nacht lang gesucht. Hatte die Unstrut auf dem zehn Kilometer langen Abschnitt mit dem Schlauchboot befahren, Lockspuren aus Rinderblut ins Wasser gelassen, auch einen Schleppköder aus blutiger Rinderlunge gezogen. „Nichts, es tat sich nichts“, so Krannich, dem Kameraden von der Feuerwehr und sein wachsamer Bayrischer Gebirgsschweißhund Bruno assistiert hatten. Die Stockschlinge zum Fang lag immer parat, wie weiland bei „Crocodile Dundee“ im australischen Actionfilm.

Entweder gibt es gar kein Krokodil,oder es ist weitergezogen

Ein Krokodil könne Blutköder über viele Kilometer riechen. „Die haben am Kopf sensible Außenrezeptoren – da wären alle Tiere neidisch. Wenn so ein Reptil hier wäre, würde es darauf anspringen“, betont Krannich. Und er habe sehr genau gesucht: „Wir haben nachts sogar einen Biber von einem Nutria unterscheiden können.“ Bleiben zwei Möglichkeiten. Erstens: Das Krokodil hat es nie gegeben, war also ein Phantom. Zweitens: Das Reptil ist längst weitergezogen. „Das kann und möchte ich nicht ausschließen“, so Krannich.

Der Experte sprach mit den Augenzeugen der angeblichen Sichtungen, schaute sich Schleif- und Fußspuren im Schlamm an. Viele Bürger zeigten ihm Fotos mit Schatten und dunklen Flecken im Wasser. Doch es sei „nichts ansatzweise Eindeutiges“ dabeigewesen. „Und ehrlich: Die Gegebenheit an diesem Fluss laden zum Hallizunieren ein.“ In der Strömung sich bewegendes Seegras, ein Ast, ein alter Kanister, an dem sich Wellen brechen – vieles könne, auch bei besten Absichten, „zu falschen Schlüssen verleiten“, sagt Krannich, der bereits angebliche Leoparden im Harz als „Ente“ enttarnte, Wisente einfing und derzeit auch eine Kroko-Fotofalle nahe Köln aufgestellt hat.

Zudem würden die Größenbeschreibungen von 1,5 bis 3 Meter differieren. „Selbst in der Hinsicht fischen wir in trübem Wasser“, so Krannich. Auch Rückschlüsse auf die Art gebe es nicht. Amstierarzt Gunther Wolf hat indes recherchiert: „Es gibt im Kyffhäuserkreis keinen registrierten Halter von Krokodilen.“ Auch gebe es keine Hinweise über die Region hinaus. Ob so ein Tier woanders illegal gehalten und „entsorgt“ wurde, wollen weder Wolf noch Krannich ausschließen. Denn ein Krokodil war in Laucha/Burgenlandkreis zum ersten Mal angeblich gesehen worden. Ob die Wehre das Weiterziehen flussaufwärts verhindern könnten, dazu sind die Experten uneins.

Kreisverwaltung hatte Hinweise sehr ernst genommen

Landrätin Antje Hochwind-Schneider (SPD) war nach der Einschätzung Krannichs sichtbar erleichtert, sagte aber, die Kreisverwaltung habe die Fülle der Hinweise dennoch ernst genommen. „Wir müssen alles tun, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Nun können wir aber nicht mehr davon ausgehen, dass eine konkrete Gefahr besteht.“

Heißt: Die Suche wird eingestellt, die Allgemeinverfügung aufgehoben. Damit kann ab Donnerstag wieder in der Unstrut geangelt, gebadet und Boot gefahren und der Uferbereich betreten werden. Der Radwanderweg ist nun wieder befahrbar.

Und was geschieht, wenn die Welle an angeblichen Sichtungen anhält? „Sollte es neue Hinweise geben, werden wir die Lage neu bewerten“, sagte die Politikerin. Alles andere wäre jetzt spekulativ. Auch Reptiliensucher Krannich, der seine Utensilien zusammenpackte, wäre bereit wiederzukommen. „Es ist ein interessanter Fluss, ein schönes Fleckchen Erde, viel Natur. Aber es muss schon konkretere Ansatzpunkte geben."

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