Schlägereien überschatten Derby zwischen Blau-Weiß Bad Frankenhausen und Eintracht Sondershausen

Bad Frankenhausen  Nach dem Sondershäuser 1:0-Sieg in Bad Frankenhausen muss die Polizei eingreifen. Der Trainer tritt zurück.

Der Frankenhäuser Erik Siebenhüner (links) ist wieder fit nach seinem Schienbeinbruch.

Der Frankenhäuser Erik Siebenhüner (links) ist wieder fit nach seinem Schienbeinbruch.

Foto: Sebastian Fernschild

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Im Verbandsliga-Derby zwischen dem SV Blau-Weiß Bad Frankenhausen und Eintracht Sondershausen kam es nach der Partie zu Ausschreitungen zwischen beiden Fanlagern. Eine 80-jährige Frau musste mit einer Platzwunde am Kopf ins Krankenhaus gebracht werden. Auch ein Spieler von Bad Frankenhausen wurde in Zuge der Auseinandersetzungen verletzt.

Die Partie selbst war vor über 450 Zuschauern eher wenig spektakulär. Derbystimmung kam kaum auf, zumindest auf dem Platz nicht. Denn das Spiel selbst war wenig ansehnlich. Sondershausen schaffte durch einen glücklichen Treffer in Form von Milos Gibala einen schmeichelhaften 1:0-Sieg und bleibt damit in Pflichtspielen gegen Bad Frankenhausen weiterhin immer die siegreiche Mannschaft. Bad Frankenhausen hätte im ersten Durchgang führen können, wenn nicht sogar müssen. Sebastian Lobodasch hatte zweimal die gute bis sehr gute Möglichkeit ein Tor zu schießen.

Beide Male war Sondershausens Schlussmann Piotr Rusek jedoch der Sieger. Das 1:0 war gefühlt wie aus dem Nichts. Adam Grisgraber spielte einen Pass in die Mitte. Schiedsrichter Roland Hillig aus Großenehrich, was bei vielen Beteiligten für Kopfschütteln aufgrund dieser Ansetzung sorgte, fälschte den Ball ab. Milos Gibala bekam das Spielgerät und zog einfach ab – Tor. Torwart Tobias Tiffert sah bei dem Schuss aber auch nicht glücklich aus. Aufregung auf der Frankenhäuser Bank, denn nach neuer Regel sollte ein Ball, der vom Unparteiischen abgelenkt wird, abgepfiffen werden. Doch die Regel besagt, dass nur abgepfiffen wird, wenn der Ball zur gegnerischen Mannschaft gelangt. Das war hier nicht der Fall und so ging es weiter. „Wenn aus der Situation das Tor nicht gefallen wäre, hätte niemand weiter darüber diskutiert. Ich kann es nicht ändern und befolge nur die Regeln. An sich war es ein sehr faires Derby, auch wenn es in der Schlussphase etwas hitzig wurde“, erklärte der Unparteiische.

Im zweiten Abschnitt waren die Gäste die leicht bessere Mannschaft und verpassten ein zweites Tor nachzulegen. So blieb es bis zum Schluss spannend, auch wenn es fußballerisch nicht unbedingt Verbandsliga-Niveau hatte. „Wir haben glücklich gewonnen, das muss man einfach zugeben. Und wir haben es einfach verpasst, das zweite Tor zu schießen. So blieb es bis zum Ende spannend. Wenn wir in der Schlussphase noch den Ausgleich kassiert hätten, hätten wir uns auch nicht beschweren dürfen. Aber so ist Fußball, da entscheidet manchmal eine Kleinigkeit. In diesem Falle für uns“, sagte Eintracht-Trainer Enrico Leifheit nach der Partie und atmete tief durch. Sein Gegenüber Tim Hochfeld sah die Sache ähnlich nüchtern: „Wir haben einfach das Tor nicht gemacht. Fußball kann man manchmal sehr ungerecht und hart sein. Und wer das Tor macht, gewinnt. So einfach ist das. Und das waren wir heute leider nicht.“

Trainer Hochfeld tritt zurück

Und dann die Szenen nach dem Spiel. Die Sondershäuser Anhänger mussten, warum auch immer, an allen Frankenhäusern Fans und Sympathisanten vorbeigehen. Und so kam eins zum anderen. Viele waren alkoholisiert und die Feindschaft beider Vereine besteht so oder so. Ein einfacher Satz, aus welchem Lager weiß man nicht, soll der Auslöser gewesen sein. Und so kam es zur Schlägerei.

Dabei wurden auch Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen. Eine 80-jährige Frau wurde zu Boden gestoßen und musste mit einer Platzwunde ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei forderte Verstärkung an. Es waren Szenen, die viele so noch nie erlebt hatten. Die Situation beruhigte sich nur bedingt, denn nur kurze Zeit später ging es wieder los, ein paar Meter weiter. Und das Ganze wiederholte sich noch zweimal. „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte oder wer angefangen hat. Letztendlich ist das auch völlig egal. Mir tut es nur unendlich leid für alle, vor allem für die Verletzten“, sagte Matthias Springer, Sportlicher Leiter aus Sondershausen, zu den Vorkommnissen. Dass es nicht noch weitere Verletzte gab, lag auch daran, dass viele Vernünftige deeskalierend eingriffen.

Ob es für die Mannschaften ein Nachspiel haben wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar, aber sehr wahrscheinlich. Anzeigen wurden auf jeden Fall schon bei der Polizei erstattet. Einen Tag später zog Bad Frankenhausens Interims-Trainer die Notbremse und trat von allen Ämtern zurück. „Aus persönlichen Gründen habe ich mich beim Vorstand abgemeldet. In den letzten Monaten und vor allem nach dem Spiel sind viele Dinge passiert, die es nunmehr erforderlich machen, den Fokus auf die Familie zu legen. Es geht einfach nicht mehr“, sagte Hochfeld am Sonntag.

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