Schüler malen in Sondershausen ihre eigenen Visionen

Sondershausen  Mit einem monumentalen Gemälde setzen Scholl-Gymnasiasten in Sondershausen ihre Vorstellungen von Kunst auf dem Schulgelände um.

Ihren umstrittenen Entwurf für das riesige Gemälde, in dem sich Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen mit gegenwärtigen Brennpunkten in der Welt auseinandersetzen, verewigten sie jetzt an der Garagenrückwand, die den Schulhof begrenzt.

Foto: Henning Most

Ihren Blick auf die Welt zeigen Schüler vom Geschwister-Scholl-Gymnasium mit einem riesigen Wandbild auf dem Schulgelände. In bunten Farben und mit ausdrucksstarken Motiven haben sie eine bis vor Kurzem noch triste Garagenwand, die an den Schulhof grenzt, nicht nur verschönert. In dem Werk nehmen die Jugendlichen auch Stellung zu dem, was um sie herum passiert – Schönes wie Angsteinflößendes.

Der Entwurf für das Kunstwerk, der während der Projektwoche im Februar entstanden war, habe zunächst Bedenken bei der Schulleitung geweckt, erklärt Christina Kunze, die Kunstlehrerin, die das Projekt betreute. Motive wie Panzer in einer zerstörten Stadt oder eine verödete Landschaft rund um ein Atomkraftwerk sollten nicht auf dem Schulhof verewigt werden. Stattdessen ein weiteres Bild mit Kyffhäuser, Possenturm, Loh-Orchester oder Traditionellem aus der Region an eine Wand zu pinseln, verweigerten die Schüler. Sie setzten sich mit ihrer Idee durch. Damit schaffen sie es, einen seit Jahren unansehnlichen Schandfleck am Rand des Schulgeländes zum Hingucker umzugestalten und darüber hinaus noch die Betrachter ihres Werks zum Nachdenken anzuregen.

In dem Gemälde, das sich über etwa 30 Meter Breite und fast drei Meter Höhe erstreckt, breiten elf Acht- bis Zwölftklässler ihre Vision davon aus, wie im friedlichen und toleranten Miteinander aller Menschen auf der Welt letztlich auch Krieg und Umweltverschmutzung überwunden werden können. Farbenfrohe Darstellungen fröhlicher Familien, Ferien mit Freunden, Blumenwiesen in intakter Natur oder auch die Friedenstaube über der Kulisse einer Stadt, in der die Tempel verschiedener Religionen einträchtig im Sonnenschein nebeneinander stehen, dominieren das Werk. Von dort schwappt ein Schwall lebendiger Farben bereits hinüber auf den Bildausschnitt mit den bedrohlichen Eindrücken. „In das monumentale Bild haben die Jugendlichen all die Dinge einfließen lassen, mit denen sie sich in unserer Welt auseinandersetzen müssen“, so Kunstlehrerin Kunze. „Mit solchen Herausforderungen kompetent umzugehen, ist eigentlich das Wichtigste, was Schule den Kindern vermitteln kann. Genau dazu wollen die Schüler mit ihrem Bild beitragen.“ Nachdem sie die kreative Herausforderung bewältigt hatten, ihre Vorstellung zu Papier zu bringen, waren die Jugendlichen nun künstlerisch und handwerklich gleichermaßen gefordert, das monumentale Werk an die Wand zu bringen. Drei Tage lang pinselten die Teilnehmer vom Kunstprojekt vor den Ferien daran. Die Werkzeuge und die beständige Fassadenfarbe samt der bunten Abtönfarben stellte der Förderverein für das Gymnasium zur Verfügung.

Damit das Gemälde auch wirkungsvoll zur Geltung kommen kann, hatte die Wohnungsgenossenschaft „Fortschritt“ aus Sondershausen die Rückwand des Garagenkomplexes, der zu ihrer Wohnanlage neben dem Gymnasium gehört, zuvor neu putzen und weiß streichen lassen. Damit das Wandgemälde möglichst dauerhaft geschützt ist, wurde auch die Dachrinne oberhalb des Kunstwerkes komplett erneuert.

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