Sondershäuser Pfarrer: „Trauer braucht Orte, wo man trauern kann“

Sondershausen.  Karl Weber möchte Angehörige begleiten und ihnen etwas mitgeben, das sie durch diese schwierige Situation bringt.

Pfarrer Karl Weber – hier in der Trinitatiskirche – ist für den Pfarrbereich Sondershausen 2, dazu gehören ein Teil der Stadt Sondershausen, Bebra, Jecha, Berka, Badra sowie die Kirchgemeinde Oberspier mit vier Dörfern, zuständig.

Pfarrer Karl Weber – hier in der Trinitatiskirche – ist für den Pfarrbereich Sondershausen 2, dazu gehören ein Teil der Stadt Sondershausen, Bebra, Jecha, Berka, Badra sowie die Kirchgemeinde Oberspier mit vier Dörfern, zuständig.

Foto: Christoph Vogel

„Die Trauerfeier ist ein ganz wichtiger Termin im Trauerprozess, weil sie den Tod begreifbar macht“, sagt Karl Weber, evangelischer Pfarrer in Sondershausen. Der Kontakt zu Angehörigen, die eine kirchliche Beisetzung eines verstorbenen Familienmitglieds wünschen, erfolge meistens über die Bestatter. Es komme aber auch vor, dass sich kirchlich gebundene und in einer Kirchgemeinde engagierte Leute direkt an ihn wenden.

Zum Trauergespräch besucht Karl Weber die Angehörigen in den meisten Fällen bei ihnen zu Hause. „Da geht es erstmal viel um die Biografie des Verstorbenen“, erzählt der Pfarrer. Was hat ihn ausgemacht? Wie war sein Charakter? Wie hat er gelebt? Bei diesen Gesprächen in Vorbereitung der Trauerrede passiere aber auch oft Seelsorge, wo er mit den Angehörigen über tiefe existenzielle Fragen spricht.

Traugergespräch dauert ein bis zwei Stunden

„Ich will an der Stelle niemanden missionieren, sondern die Angehörigen begleiten und ihnen etwas mitgeben, das sie durch diese schwierige Situation bringt“, erklärt er. Dies geschehe aber immer im Horizont des Glaubens. „Es ist ein Angebot von uns für die Trauernden“, umschreibt es Karl Weber. Der biografische Rückblick sei den Angehörigen dabei ganz wichtig. In der Regel dauert ein Trauergespräch ein bis zwei Stunden. Besprochen werden auch der Ablauf der Trauerfeier sowie Details, ob Musik vom Band gespielt oder gesungen werden soll.

Schwierig sei es für ihn insbesondere, wenn Kinder und junge Menschen plötzlich und viel zu früh aus dem Leben gerissen werden. Auf die Frage: „Warum trifft es gerade uns?“ habe man als Pfarrer auch nicht immer gleich eine Antwort parat. „Da ist Schweigen manchmal die größere Hilfe als Floskeln, die dann auch nicht helfen.“ Auf jeden Fall gingen ihm solche Schicksale immer sehr nahe. Trotzdem sei es wichtig, in solchen Momenten für die Angehörigen da zu sein.

Aussegnung ist nur noch selten gewünscht

Etwas in Vergessenheit geraten sind laut Weber die sogenannten Aussegnungen. Hier besuchen Pfarrer im Sterben liegende Menschen zu Hause, in Seniorenheimen oder Krankenhäusern, um sie beim Übergang vom Leben in den Tod zu begleiten. Dies könne in Form einer kleinen Andacht, eines Gebets, Segens oder auch der Feier des Abendmahls geschehen. Es hänge davon ab, inwieweit die Person noch dazu in der Lage ist. Vergleichbar sei dies mit der Krankensalbung, die früher auch als letzte Ölung bezeichnet wurde, in der katholischen Kirche.

„Die Aussegnung wird aber selten nachgefragt“, erklärt Pfarrer Weber. Die Trauer- beziehungsweise Sterbekultur unterliege einem Wandel. In früheren Zeiten sei die Aussegnung zu Hause und im engsten Kreis der Familie ganz normal gewesen. Die Bedingungen, unter denen Trauerfeiern und Bestattungen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und den daraus folgenden Einschränkungen stattfinden, seien für die Angehörigen „hart und zum Teil heftig“.

Begrenzte Teilnehmerzahlunter Pandemie-Bedingungen

Für die Familien sei es schwierig zu entscheiden, wen sie zur Trauerfeier einladen. So habe er von vielen, die einen geliebten Menschen verloren haben, gehört, dass es sie sehr belastet hat, wenn aufgrund der Einschränkungen nicht alle, die sich dem Verstorbenen verbunden gefühlt haben, auch von ihm Abschied nehmen konnten.

Eine anonyme Bestattung sieht Weber eher skeptisch. Natürlich soll diesbezüglich jeder seine Entscheidung treffen. „Aber ich denke, Trauer braucht einen Ort, den man aufsuchen und wo man trauern kann. Und das auch noch nach vielen Jahren.“ Wie wichtig dies den vielen Angehörigen ist, könne man am Totensonntag auf dem Hauptfriedhof sehen. „Da sind viele Menschen dort, um Gestecke abzulegen oder eine Kerze anzuzünden.“