Sondershausen gedenkt der Opfer der Pogromnacht

Sondershausen  Superintendent Kristof Bálint hielt die Andacht auf dem Jüdischen Friedhof in Sondershausen und mahnte, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

Der Pogromnacht von 1938 wurde gestern auf dem Jüdischen Friedhof in Sondershausen gedacht. 

Der Pogromnacht von 1938 wurde gestern auf dem Jüdischen Friedhof in Sondershausen gedacht. 

Foto: Christoph Vogel

Zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht vom 9. und 10. November 1938 hatte die Stadt Sondershausen gestern auf den Jüdischen Friedhof gebeten. Bürgermeister Steffen Grimm (pl) war erfreut, dass so viele, vor allem junge Leute, der Einladung gefolgt waren.

Das Gedenken wurde einen Tag früher begangen, da der Samstag ein jüdischer Ruhe- und Feiertag, der Sabbat – auch Schabbat – ist, an dem jüdische Friedhöfe nicht geöffnet sind und auch keine Beerdigungen stattfinden.

Eine Andacht hielt Kristóf Bálint, Superintendent des evangelischen-lutherischen Kirchenkreises Bad Frankenhausen-Sondershausen. Er verwies darauf, dass im Ersten und Zweiten Weltkrieg Millionen von Menschen getötet wurden. Beide Kriege wurden maßgeblich von Deutschen betrieben und damit der Beweis erbracht, dass nicht die Juden das Böse seien, sagte er weiter.

Ein erster Schritt sei gestern gewesen, daran zu denken, was damals in Sondershausen geschah. „Manch einer unserer Altvorderen hat sich mitschuldig gemacht, weil er nichts tat, weil er nicht eintrat für Schwächere, weil er später mitmarschierte und grölte. Vielleicht auch mit seinem Leben dafür bezahlte?“, so Kristóf Bálint. Und heute würden wir wieder an einer vergleichbaren Schwelle stehen, machte er in seiner Rede deutlich.

Er erinnerte zudem an das Schicksal der Familie Boer, bei der es sich um eine weit verzweigte und seit dem 18. Jahrhundert in Sondershausen nachweisbare Familie handelt. Nach der Andacht wurde gemeinsam ein Kaddisch, ein rituelles Gebet gesprochen.

Zum Abschluss gedachten dann unter anderem Bürgermeister Steffen Grimm und Kyffhäuser-Landrätin Antje Hochwind-Schneider (SPD) der Opfer der Pogromnacht und legten Kränze und Gebinde nieder.

„Es bedarf immer wieder der Erinnerung an das Juden und anderen zugefügte Leid, damit wir nicht wieder und wieder dieses Leid über andere bringen“, betonte der Superintendent. Seiner Meinung nach kann es nur einen dauerhaften Frieden zwischen allen Menschen geben, wenn alle aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, sich diese immer wieder in Erinnerung rufen und auch reflektieren, was das für die heutige Gesellschaft bedeutet.

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