Sorgen in Sondershausen: Totholz an den Wildniswegen gefährdet Tourismus

Kyffhäuserkreis  Laut Thüringer Umweltministerin zahlt das Land für Sicherungsarbeiten, beim Forstamt in Sondershausen kam aber bislang kein Geld dafür an.

In der Waldwildnis  am Possen blockieren schon nach den ersten stürmischen Herbsttagen umgestürzte Bäume einige Wanderwege.

In der Waldwildnis  am Possen blockieren schon nach den ersten stürmischen Herbsttagen umgestürzte Bäume einige Wanderwege.

Foto: Timo Götz

Drohend ragen abgestorbene Äste in mehr als 20 Metern Höhe über Wanderwege durch die Wildnis am Possen. Baumleichen stehen eng aneinandergereiht entlang der bei Ausflüglern beliebten Routen. Obwohl einige meterlange und armdicke Stücke Holz schon heruntergebrochen und dort aufgeschlagen sind, wo Menschen gern entlang spazieren, bannt kein Waldarbeitertrupp die Gefahr am Wege mit der Motorsäge.

Dabei wäre das Land in der Pflicht, die offiziellen Wanderrouten so zu sichern, dass niemand durch herabfallendes Totholz zu Schaden kommt. „Das gilt auch und gerade für die Wege durch die Wildnis am Possen. Dort sollen die Menschen ja gerade urwüchsige Natur erleben können. Natürlich ohne sich dabei in Gefahr zu bringen, wenn sie auf den Wegen bleiben“, betont Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) auf Nachfrage. Dafür habe das Land auch Geld bereit gestellt. Das Forstamt in Sondershausen müsse dafür die Pflegearbeiten erledigen. „Schließlich hat der Freistaat als Besitzer der Wildnisflächen weiter die Sicherungspflicht an den Wanderrouten“, so die Ministerin

Jahn fühlt sich vom Land verschaukelt

„Für die Wegesicherung haben wir noch keinen Cent vom Land gesehen“, ist Uli Klüßendorf, Leiter vom Sondershäuser Forstamt, verwundert über die Aussage von Siegesmund. Er wartet außerdem auf einen klaren Auftrag vom Land, welche Wege durch das Wildnis überhaupt erhalten werden sollen. „Das Wegenetz soll erhalten bleiben, wie es war“, versteht die Umweltministerin ihrerseits gar nicht, warum das in der Forstverwaltung als offene Frage angesehen wird.

„Alle Waldwege zu pflegen wie bisher, ist doch unter den derzeitigen Umständen gar nicht zu schaffen“, erklärt Klüßendorf daraufhin. Und fragt sich immer noch, warum das Land kein Geld überwiesen hat, wenn doch klar sei, in welchem Umfang seine Mitarbeiter die Wildnispfade sichern sollen.

„Ich muss unsere Besucher inzwischen schon davor warnen, viele der bekannten Wege aus Richtung Sondershausen zum Possen zu benutzen,“ ärgert sich Bernd Jahn, der Betreiber vom Freizeitpark Possen. „Guten Gewissens kann ich nur noch den Hauptweg in gerader Linie zum Rondell und von dort hinunter zur Possenallee empfehlen. Dort hat das Forstamt auf eigene Initiative gefährliches Totholz entfernen lassen.“ Anderenfalls wäre nur die offizielle Zufahrtsstraße zum Freizeitpark als sichere Wanderroute übrig geblieben.

Jahn fühlt sich vom Land verschaukelt: „Für die Wildnis wurde immer damit geworben, dass sie sanften Tourismus in die Region holt. Neue Wanderwege sollten entstehen, nun sind nicht einmal mehr die alten sicher.“ Das Risiko, durch den absterbenden Wald entlang der Routen zu wandern, könne Touristen nicht zugemutet werden. Der Possenwirt ist darüber hinaus sauer, dass jetzt, wo sich Probleme mit der Wildnis und deren Nutzen für die Region zeigen, niemand mehr darüber sprechen wolle. „Wegen dieser Ignoranz vom Land stirbt nun sogar der Musikwanderweg von Sondershausen zum Possen, obwohl dafür sogar schon Fördermittel bereit standen.“

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