Steinerne Zeitzeugen in Bad Frankenhausen

Kerstin Fischer
| Lesedauer: 3 Minuten
In Bad Frankenhausen soll ein Lapidariumspfad entstehen. Bestandteil dessen soll auch der Botanische Garten mit seinen Gedenksteinen sein.

In Bad Frankenhausen soll ein Lapidariumspfad entstehen. Bestandteil dessen soll auch der Botanische Garten mit seinen Gedenksteinen sein.

Foto: Wilhelm Slodczyk

Bad Frankenhausen.  In Bad Frankenhausen laufen die Vorbereitungsarbeiten für die Errichtung eines Lapidariumspfades

Drei Jahre ist es her, dass der Stadtrat der Stadt Bad Frankenhausen dem Vorschlag der Stadtverwaltung zur Errichtung eines Lapidariumspfades folgte. Ein Lapidarium (lateinisch lapis „Stein“) ist eine Sammlung von Steindenkmälern, die dazu dient, die alten Steine zu bewahren. Und auch wenn es für manchen Interessierten den Anschein haben mag, dass seit dem Ratsbeschluss von 2020 nicht viel passiert ist, hat sich dennoch einiges getan.

Darauf verweist Bauamtsleiterin Carola Müller-Niemann in der Stadtverwaltung am Dienstag auf Nachfrage. Dass man nicht von heute auf morgen auf einem ausgeschilderten Lapidariumspfad vom Jüdischen Friedhof über den Botanischen Garten, die Unterkirche und das Regionalmuseum (Schloss) zur Oberkirche und dem Friedhof wandeln und steinerne Monumente besichtigen könne, sei dem Umstand geschuldet, dass es die Vielzahl steinerner Zeitzeugen in der Kurstadt erst mal zu erfassen gilt.

Unter der Leitung von Stadtarchivar Ulrich Hahnemann habe sich inzwischen eine Gruppe zusammengefunden, die derzeit eine Bestandsaufnahme vornehme. „Daran beteiligt sind Menschen in der ganzen Stadt, die die alten Steine ausfindig machen und die Ergebnisse an Ulrich Hahnemann weitergeben“, berichtet die Bauamtsleiterin. Dabei erstrecke sich der Umfang nicht nur auf den Botanischen Garten mit seinen bedeutenden Grabmalen und den Friedhof der Stadt. „Wir haben neben dem Zentralfriedhof noch fünf weitere Friedhöfe, dazu zahlreiche weitere Steinmonumente, wie etwa Gedenktafeln, Grenz- und Meilensteine“, so Müller-Niemann.

Die Bauamtsleiterin tritt damit einer Kritik aus Leipzig entgegen. Ute Sander-Hirschfeld hatte die Errichtung eines Lapidariums in ihrer ehemaligen Heimatstadt angestoßen und zuletzt bemängelt, dass es in dieser Angelegenheit nicht vorangehe.

Erfassung der Steine braucht viel Zeit

„Wir haben mehrere Tafeln an der Oberkirche, die inzwischen geborgen und gesichert wurden. Wir haben den Müntzer-Stein am Schlachtberg. Wir haben die Ehrengräber auf dem alten Friedhof in Esperstedt. Wir haben die wunderschönen Steine auf dem Seehäuser Friedhof. Die Erfassung ist echte Fleißarbeit“, beschreibt Müller-Niemann die Sisyphusarbeit jenseits der öffentlichen Wahrnehmung. „Wir schauen außerdem, welche Steine wir aufarbeiten und wie. Das kostet natürlich Geld, und da reden wir gleich von einem vierstelligen Betrag“, räumt die Bauamtsleiterin mit Blick etwa auf eine Grabplatte mit dem Pfännerschaftszeichen von der Oberkirche oder den Müntzer-Stein ein. Schlussendlich müssten für einen Pfad die steinernen Objekte dem Betrachter auch noch erläutert und Schilder geschrieben werden.

Ulrich Hahnemann berichtet von intensiven Bemühungen um den Lapidariumspfad und umfangreichen Forschungsarbeiten etwa zum Botanischen Garten oder den historischen Steinplatten auf dem Seehäuser Friedhof, die im jüngst erschienenen Band 24 „Beiträge zur Kyffhäuserlandschaft“ veröffentlicht wurden. Es seien Friedhofsrundgänge mit dem Bauamt erfolgt, das Lapidarium in Sondershausen sei besichtigt worden, es finden Aufarbeitungen über weitere Friedhöfe statt mit dem Ziel, „zu Beginn des Gedenkjahres 500 Jahre Bauernschlacht 2025 einen ausgeschilderten Lapidariumspfad mit fundiertem Inhalt“ erstellt zu haben.