Studie besagt: Sondershausen ist nicht richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut

Sondershausen  Das Leibniz-Institut untersucht in Sondershausen die Auswirkungen von bürgerlichem Engagement auf die Stadtentwicklung.

Blick über die Sondershäuser Innenstadt.

Blick über die Sondershäuser Innenstadt.

Foto: Dirk Bernkopf

Zum Studienobjekt wird die Stadt Sondershausen. Das Leibniz-Institut für Länderkunde untersucht bis zum kommenden März im Auftrag des Bundesverbands für Wohnen und Stadtentwicklung vier Mittel- und Kleinstädte in Thüringen und Hessen.

Abwanderung, Überalterung, Leerstand – sind die Probleme, die die vier Städte, neben Sondershausen auch Rudolstadt, Bad Wildungen und Rotenburg an der Fulda (beide in Hessen), verbinden.

Während der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung, der als kommunaler Verband auch Städte in Deutschland vertritt und berät, bislang eher Großstädte in den Blick ­genommen hat, sollen jetzt die Herausforderungen untersucht werden, vor denen kleinere und mittlere Städte stehen, erklärt Franziska Görmar vom Leibniz-Institut in Leipzig. Wissenschaftlich korrekt heißt es: „Lokale Demokratie in Klein- und Mittelstädten unter den Bedingungen von Peripherisierung.“ Anfang des Jahres startete die Studie, inzwischen laufen die Befragungen in den Städten.

Im unteren Mittelfeld der genannten Problemlage verortet Franziska Görmar dabei Sondershausen: „Nicht richtig schlecht, nicht richtig gut.“ Aus einer Datenbank von Städten. über die das Institut verfügt, habe man dann Städte herausgesucht. Eine gewisse Auswahl an potenziellen Probanden habe es dabei durchaus gegeben, so Fraziska Görmar. Für Sondershausen entschieden hat am Ende aber der Zufall, und weil die Stadtverwaltung sich bereit erklärte mitzumachen.

In Gesprächen mit Akteuren aus Politik, Vereinen und Initiativen sollen Beteiligungsprozesse beleuchtet werden: Wer beteiligt sich an den Prozessen der Stadtentwicklung? Welches Ver- ständnis haben die Akteure von Beteiligung? Welche Auswirkungen haben Überalterung und Abwanderung auf die Stadt? Wie können Kommunen die Beteiligung der Bürger an der Entwicklung der Stadt fördern? Welche Strukturen hemmen die Bürger?

„Eine integrierte Stadtentwicklung verlangt ein gutes Zusammenspiel zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Durch die Einbindung vielfältiger lokaler Akteure in Stadtentwicklungsprozesse lassen sich neue Potenziale erschließen“, umschreibt Franziska Görmar das Projekt. Durch Mitsprache und Mitgestaltung kann lokalen Herausforderungen nachhaltig begegnet werden, es gebe sogar die Chance einer stärkeren Identifikation der Menschen mit ihrem Wohnort. Andererseits sollte man nicht die Grenzen bürgerschaftlichen Engagements aus dem Blick verlieren.

Ein Katalog mit Handlungsempfehlungen wird am Ende der Studie nicht überreicht, sagt Franziska Görmar. Zunächst steht die Analyse im Vordergrund. Kleinere Ratschläge lassen sich aber womöglich aus dem ersten Eindruck der Studie ableiten. Und vielleicht werde das Thema weiter bearbeitet und tiefer analysiert, kann sich Görmar vorstellen.

Mit den beteiligten Städten soll es Anfang kommenden Jahres eine Auswertung geben – in der Mitte Deutschlands, vielleicht in Eisenach, stellen sich die Studienleiter ein Treffen vor.

Erste Eindrücke haben Franziska Görmar und ihr Kollege Martin Graffenberger bereits gesammelt. Die Problematik des Leerstands in den Innenstädten ist keine singuläre. Ob Rotenburg an der Fulda oder Sondershausen – leere Schaufenster und Geschäfte gebe es überall. Und eben auch eine unrealistische Erwartungshaltung der Bürger an die Städte, etwas dagegen zu unternehmen. Die Stadt sei kein Marktakteur, ihr obliegt es nur, ein attraktives Umfeld und die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Gewerbetreibende sich ansiedeln können, sagt Martin Graffenberger. Eine weitere Beobachtung ist, dass es ein Kreis an engagierten Bürgern gebe und dass es die immer gleichen sind, die an vielen Stellen mitreden – aber auch mitmachen.

Individuell seien dagegen die politischen Gremien und Entscheidungsträger und ihre Beziehungen untereinander und zu den Bürgern. Dort weise jede Stadt ihre Eigenheiten auf.

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