Vollendete Offenbarung russischer Seele

Sondershausen.  Borodin, Schostakowitsch und Tschaikowsky stehen im Sinfoniekonzert des Sondershäuser Loh-Orchesters im Mittelpunkt

Als Solist am Cello begeisterte Peter Bruns das Publikum.

Als Solist am Cello begeisterte Peter Bruns das Publikum.

Foto: Christoph Vogel

Nach Russland entführte das Programm des Sinfoniekonzerts letzten Sonnabend im Haus der Kunst. Generalmusikdirektor Michael Helmrath hatte mit dem Loh-Orchester Werke erarbeitet, die ein breites Publikum ansprachen. So war der Saal nahezu ausverkauft. Am Beginn stand mit den „Polowezer Tänzen“ aus Alexander Borodins Oper „Fürst Igor“ eines der beliebtesten Werke des Repertoires. Geheimnisvolle Holzbläserklänge bestimmten die Einleitung, bevor eine Solooboe ausdrucksvoll das erste Thema anstimmte. Klarinettenmelodien eröffneten den schwungvollen Allegro-vivo-Teil, gefolgt von einem triumphalen Höhepunkt in begeisternder Klangpracht. Brillant wirbelte das Presto vorüber. Nach Rückgriff auf vorher erklungene Themen setzte eine mitreißende Stretta den wirkungsvollen Schlusspunkt. Peter Bruns, Professor an der Leipziger Musikhochschule, war anschließend Solist in Dmitri Schostakowitschs seltener gespieltem Cellokonzert Nr. 2. Bruns musizierte das anspruchsvolle Werk auswendig mit nahezu selbstverständlicher Sicherheit. Mühelos sauber meisterte er alle Schwierigkeiten bis hin zu gewagten Doppelgriffen und höchsten Flageolettlagen. Tiefe Nachdenklichkeit beherrschte den langsamen ersten Satz. Im Loh-Orchester und seinem Dirigenten fand der Solist verständnisvolle Partner und blieb durchweg deutlich hörbar. Eine lebhaftere Episode, wobei das Xylophon hervortrat, umspielte Bruns mit virtuosem Passagenwerk. Eigenwillige Klangwirkungen erzielte die Solokadenz durch nachdrücklichen Einsatz der Pauke. Derbheit und groteske Heiterkeit bestimmten den scherzoartigen zweiten Satz. Kraftvolle Fanfaren der Hörner und ein Soloteil, den wiederum das Schlagwerk begleitete, markierten den Übergang zum Finale. Bei diesem Satz wechselten nachdenklich kantabel gestaltete mit virtuosen Abschnitten. Einem heftigen Höhepunkt im Orchester ließ das Cello den zu tiefer Stille versinkenden Schlussteil folgen, zuletzt nur noch erneut vom Schlagzeug begleitet. Aus beeindrucktem Schweigen löste sich starker Applaus der Zuhörer. Auf die Pause folgte Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 f-Moll. Eine mächtige Fanfare der Blechbläser stand am Beginn. Aus erwartungsvoller Überleitung entwickelte sich das nachdenkliche Hauptthema, welches Helmrath, hier auswendig dirigierend, bald zu dramatischen Spannungen steigerte. Einen deutlichen Kontrast dazu bildete der fast tänzerische Seitengedanke, durch die Klarinette angestimmt und in sanft leuchtenden Geigenklängen fortgeführt. Angefacht vom erneuten Einsatz des Bläserthemas lebten sich in der Durchführung stärkste Leidenschaften aus. Eine fulminante Stretta, den Hauptgedanken zu höchsten Emotionen steigernd, führte den mitreißenden Abschluss herbei. Die Oboe eröffnete mit melancholischen Weisen das Andantino, vollendete Offenbarung der „Russischen Seele“ aufzeigend, wie es auch das Motto des Abends verhieß. Ein Mittelteil brachte lebhaftere Gedanken, bevor gefühlvolle Melodien im Fagott zur Anfangsstimmung zurückkehren ließen. Das Scherzo bestach zunächst durch reizvolle Instrumentierung. Die pizzicato spielenden Streicher begannen mit fantasievollen Klängen, abgelöst durch etwas skurrile Heiterkeit bei den Holzbläsern. Schließlich traten die Blechbläser in einem Marschthema hervor, durchsetzt mit brillanten Soli von Piccoloflöte und Klarinette. Voller Energie begann der Finalsatz. Die Zuhörer freuten sich über das bekannte russische Lied vom „Birkenbaum“, welches kunstvoll ins Geschehen verwoben war. Voller Spielfreude wurde von den Musikern eine bunte Festtagsstimmung gestaltet. Noch einmal trat nachdrücklich die Bläserfanfare hervor. Der Schlussteil entwickelte sich dann aus Piano zu begeisterndem Feuer und ließ das Publikum in lang anhaltenden Beifall ausbrechen.