Von Fünf-Zentner-Schweinen und Schellen

Rohnstedt.  Heimatstube Rohnstedt zeigt eine neue Ausstellung zur Hausschlachtung im Dorf. Eröffnung am Samstag.

Matthias Thümmler vor der Heimatstube in Rohnstedt.

Matthias Thümmler vor der Heimatstube in Rohnstedt.

Foto: Andrea Hellmann

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„Wenn der Nachbar ein vier Zentner Schwein stehen hatte, so musste das eigene schon viereinhalb haben oder eine fette Sau von mindestens fünf Zentner sein...“, beginnt eine der Erzählungen, die Matthias Thümmler zusammengetragen hat für seine neue Ausstellung in der Heimatstube Rohnstedt. Den Hausschlachtungen widmet sich Thümmler in der ersten Schau des Jahres.

Weitere Themenausstellungen sollen folgen, kündigt der 65-Jährige an. Im vergangenen Jahr hat er drei organisiert. Am Samstag um 13 Uhr eröffnet er die neueste.

Vor der Tür des ehemaligen Bürgermeisteramts, die heute die beiden Räume des kleinen Museums beherbergen, sind an einem Brett fünf Fleischwölfe aufgereiht. Sie befanden sich schon länger im Fundus des Museums und stammen alle aus Rohnstedt. Wer die Treppe nach oben steigt, geht an Brettern, Bänken, Stiefeln und alles, was sich auf den Dachböden und Scheunen der Rohnstedter mit historischer Patina finden lässt, vorbei. An den Wänden hängen seit neuestem Geweihe und Bilder eines Jägers aus dem Dorf. Die Geschichte des Grollfestes wird erzählt und die Trommelstöcke eines Welt-Kriegsteilnehmers samt Erkennungsmarke sind ausgestellt. Auch der Flur im ersten Stock ist mit historischen Fundstücken gut gefüllt. „Zu wenig Platz“, sagt Matthias Thümmler. Man bräuchte mehr, um alles zu zeigen, war er in den vergangenen drei Jahren zusammengetragen hat.

Der Hobby-Historiker wohnt seit drei Jahren in Rohnstedt, arbeitet im Magdalenenhof, nur ein paar Meter entfernt. Als er aus Werdau zuzog, habe er sich überall im 150-Einwohner-Dorf vorgestellt und als der Bürgermeister Kay Knobloch ihn bat, sich ehrenamtlich zu engagieren, zierte er sich nicht lang, sein seit Schulzeiten gepflegtes Interesse für Geschichte in einem Heimatmuseum auszuleben.

„Einen Ort, an dem die Zeugnisse der Geschichte aufbewahrt werden, braucht jedes Dorf“, sagt Matthias Thümmler. Rohnstedt hatte bis dato keines. Also fing er anzusammeln. Von Sammlung wolle er lieber nicht sprechen. „Ich trage zusammen“, sagt der Rohnstedter. Bevor etwas weggeschmissen werde, nehme er den Leute auch noch einen weiteren Fleischwolf ab. Mit denen rechnet er schon, wenn am Samstag die Ausstellung eröffnet wird. Für solche kleinen Dinge, finde sich immer noch ein Plätzchen. Auch wenn es inzwischen wirklich eng sei. Um die neue Schau zu arrangieren, habe er die alte Küche und den Altar ins Lager räumen müssen.

Schließlich sollen die Schlachtbank und die hölzernen Schlachtemollen, die er als Leihgabe bekommen hat, gut zu sehen sein. Auf mehreren Schautafeln hat er die Geschichte von Fleischern und Hausschlachtern aufgeschrieben. Auch viele Bilder habe er bekommen. Darauf sei er besonders stolz. Nicht jeder gebe gern so Privates heraus, erzählt Matthias Thümmler. Im Ausstellungsraum sind auch noch weitere Fleischwölfe zu sehen und Stopfmaschinen. Eine kleine Sammlung von Schellen steht auf dem Tisch, in einer Schüssel liegen Wurstnetze.

Am Samstag von 13 bis 18 Uhr öffnet die Ausstellung zur Hausschlachtung in Rohnstedt. Ansonsten kann man sich jederzeit bei Matthias Thümmler im Magdalenenhof, Hauptstraße 1, in Rohnstedt für eine Führung anmelden.

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