Das „Musterhaus am Horn“: Alumni-Gespräch mit Direktor der Universitätsbibliothek Weimar

Christiane Weber
| Lesedauer: 2 Minuten
Michael Siebenbrodt alias „Mister Bauhaus aus Weimar“ im Alumni-Gespräch mit Frank Simon-Ritz, Direktor der Universitätsbibliothek Weimar.

Michael Siebenbrodt alias „Mister Bauhaus aus Weimar“ im Alumni-Gespräch mit Frank Simon-Ritz, Direktor der Universitätsbibliothek Weimar.

Foto: Christiane Weber

Weimar.  In seinem Alumni-Gespräch begrüßt Frank Simon-Ritz, Direktor der Universitätsbibliothek wieder einen interessanten Gast.

Nicht in Berlin, Paris oder New York fand 1923 die erste Internationale Architekturausstellung der Moderne nach dem ersten Weltkrieg statt – sondern in Weimar. Daran erinnert Michael Siebenbrodt im Alumni-Gespräch mit Frank Simon-Ritz, Direktor der Universitätsbibliothek Weimar.

Zum 100-jährigen Jubiläum wird darum vor allem das Haus Am Horn besondere Aufmerksamkeit erfahren. Auch wenn es in der Architekturgeschichtsschreibung relativ schnell in den Hintergrund geriet, denn 1925 wurden die Meisterhäuser in Dessau eröffnet und die Architektur entwickelte sich rasant: „Das Haus in Weimar ist innovativer und ein tatsächliches Ökohaus“, unterstreicht Siebenbrodt, langjähriger Kustos der Bauhaus-Sammlung der Klassik Stiftung Weimar und zweiter Vorsitzender des Freundeskreises der Bauhaus-Universität Weimar. Er kennt das „Musterhaus Am Horn“ seit seinem Studienbeginn in Weimar 1972.

Es ist das 26. Alumni-Gespräch nach dem Auftakt der Reihe mit Professor Christian Schädlich 2019. Als „Mister Bauhaus aus Weimar“ stellt Frank Simon-Ritz seinen Gesprächspartner vor.

Persönlichkeiten der Bauhaus-Zeit erlebt

Sehr früh war er während seines Architekturstudiums von 1972 bis 1976 in Weimar mit dem Mitarbeiterkreis um Professor Christian Schädlich und den in dieser Zeit einsetzenden Forschungen zur Geschichte des Weimarer Bauhauses in Berührung gekommen. Im Gespräch berichtet Siebenbrodt, wie er zu DDR-Zeiten noch Persönlichkeiten aus der Bauhaus-Zeit erlebte.

So lernte er Georg Muche und Max Bill kennen, trank Tee an Mobiliar aus der Bauhaus-Zeit, das heute im Museum steht, sichtete Kästen mit großen Dias aus Vorkursen von Johannes Itten. Noch als Student war Siebenbrodt 1976 an der Vorbereitung des 1. Internationalen Bauhauskolloquiums beteiligt. Vor wenigen Wochen hatte er die Erinnerungen mit ehemaligen Kommilitonen auffrischen können, beim Studienjahrgangstreffen zum 50-jährigen Jubiläum.

Sein Entschluss, in Weimar Architektur zu studieren, hatte jedoch nichts mit dem Bauhaus zu tun. Er entschied sich vielmehr bewusst für die Stadt der kurzen Wege und gegen Dresden und Berlin. Die Eignungsprüfung sei „extrem streng gewesen“. Die Auswahlquote hätte bei 1:10 gelegen. Er schaffte es und erlebte zur Immatrikulationsfeier den Bauhäusler Peter Keler (1898-1982), der unter anderem die legendäre Bauhauswiege entworfen hat.

Nach seinem Diplom 1976 ging Siebenbrodt nach Dessau. 1985 übernahm er dort die Leitung des Wissenschaftlich-kulturellen Zentrums des Bauhauses Dessau. Die politischen Umstände machten ihn im Sommer 1988 arbeitslos. Er wurde zurück nach Weimar geholt, war 1989/90 Kulturdezernent und bis 1992 leitender Mitarbeiter im Kulturamt. Damals erlebte er die Weichenstellung für Weimar als Europäische Kulturhauptstadt 1999 mit. Ein spannender Lebenslauf, ein hochinteressantes Gespräch.

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