Anglerverbund im Weimarer Land schließt Verein aus

Krautheim  Mitglieder des Anglervereins Vippachtal könnten die Verlierer sein: Erlaubnisscheine zum Angeln bekommen sie nur bei Vereinswechsel

Wer am Stausee Großbrembach angeln will, benötigt dafür eine Erlaubnis. Die bliebe den Vippachtalern verwehrt, wenn die Kündigung wirksam würde.

Wer am Stausee Großbrembach angeln will, benötigt dafür eine Erlaubnis. Die bliebe den Vippachtalern verwehrt, wenn die Kündigung wirksam würde.

Foto: Jens König/Archiv / Jens König

Es knirscht im Organisations-Geflecht der Angler im Nordkreis des Weimarer Landes: Die Interessengemeinschaft (IG) Großbrembach will einen ihrer vier Mitgliedsvereine, den Anglerverein (AV) Vippachtal, per Kündigung loswerden.

Der Vorstand bestätigte den Eingang des Kündigungsschreibens im Dezember, legte aber umgehend Widerspruch ein. Beide Seiten lassen nunmehr Anwälte die Sachlage erkunden und weitere Schritte prüfen.

Verlierer könnten am Ende die rund 180 Mitglieder des AV Vippachtal sein: Für sie geht es um die Erlaubnisscheine, die zum Angeln an den von der IG bewirtschafteten Gewässern, notwendig sind. Die IG bietet ihnen an, ohne zusätzliche Aufnahmegebühren und zu den gleichen Jahresbeiträgen wie bisher zu einem der drei verbleibenden Vereine (AV Nördlicher Ettersberg, Weimarer Angelfreunde und AV Unstrut in Sömmerda) zu wechseln.

„Wer den Antrag ausfüllt und den Jahresbeitrag einzahlt, bekommt sofort den Schein ausgestellt“, sagt IG-Sprecher Heinz Klapperstück aus Berlstedt. Der AV Vippachtal verweist allerdings auf seiner Internetseite auf die Tatsache, dass ein Vereinswechsel nur zum Jahreswechsel erfolgen könne, nachdem das entsprechende Schreiben bis zum 31. Oktober beim Verein eingegangen sei.

Ansonsten stehe „dem Verein der Mitgliedsbeitrag und weitere Leistungen noch zu“. Das heißt: Schlimmstenfalls müssen alle, die jetzt zu einem anderen Verein wechseln, um an ihre Erlaubnisscheine zu kommen, im Nachgang doppelt zahlen.

Die 1992 als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründete IG bewirtschaftet rund 20 Gewässer im Weimarer Land. In den vier Vereinen inklusive Vippachtal sind rund 1500 Angelfreunde organisiert.

Grund für die Vippachtal-Kündigung sei „Nichterfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben“, heißt es im Schreiben. Einige Beispiele führt die IG an: Der Verein soll demnach unter anderem 2017 bis 2019 die Fischereikontrolle am Stausee Großbrembach nicht abgesichert sowie mit Technik der IG (ein Rasenmäher und ein Kontrollboot) nicht sorgsam umgegangen sein – beide seien nicht mehr nutzbar.

Seinen Widerspruch begründet der Vorstand des AV Vippachtal damit, dass „Form, Frist und Inhalt der Einberufung“ der entsprechenden Gesellschafterversammlung nicht korrekt gewesen seien. Tatsächlich gibt es im GbR-Vertrag die Regelung, dass Entscheidungen nicht per Mehrheit getroffen werden, sondern immer alle vier Vereine, vertreten durch ihre Vorsitzenden, zustimmen müssen. „Aber das heißt auch, wenn ein Verein sich querstellt, bewegt sich gar nichts mehr“, so Klapperstück. „Wir haben seit zwei Jahren gemahnt und geredet und gewarnt. Jetzt sehen wir keine andere Möglichkeit mehr.“

Erschwerend, so der Berlstedter, komme der Fakt hinzu, dass der Vorstand des AV Vippachtal zurzeit nach außen nicht einheitlich auftrete: „Ich bekomme Post von drei Leuten: dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter und dem Schatzmeister. Mir wurde mitgeteilt, man hätte den Vorsitzenden von seinen Aufgaben suspendiert, aber so etwas kann nach deutschem Vereinsrecht nur eine Mitgliederversammlung entscheiden.“

Die in einer Vorstands-Mittelung auf der Vippachtal-Internetseite geäußerte Spekulation, die IG wolle sich von der GbR in eine GmbH umwandeln, wies Klapperstück zurück: „Wir haben über diese Möglichkeit geredet, unter anderem, weil in einer GbR die Vereinsvorsitzenden im Zweifelsfall in der persönlichen Haftung stehen. Aber aktuell ist da nichts geplant.“