Aus für 1600 Tiere und 30 Mitarbeiter in Mönchenholzhausen

Mönchenholzhausen.  Der niedrige Milchpreis zwingt die Verantwortlichen der Agrar GmbH zum Ende der Milchproduktion in Mönchenholzhausen. Rund 1600 Tiere hat die GmbH verkauft. 30 Landwirte brauchen nun neue Jobs.

In ihren Ställen hat Peggy Käferle viel Platz für neue Ideen. Sie will die Gebäude zweckmäßig umnutzen, sie als Erinnerung an die landwirtschaftliche Tradition in Obernissa erhalten.

In ihren Ställen hat Peggy Käferle viel Platz für neue Ideen. Sie will die Gebäude zweckmäßig umnutzen, sie als Erinnerung an die landwirtschaftliche Tradition in Obernissa erhalten.

Foto: Hartmut Schwarz

Eine kleine Herde mit Mutterkühen in ökologischer Haltung - das ist alles, was vorerst von der Milchvieh-Anlage der Agrar GmbH Mönchenholzhausen bleiben soll. „Die Entscheidung haben wir schon lange vor uns hergeschoben und sie zum Jahreswechsel umgesetzt“, sagte Ralph Lücke, Geschäftsführer der Vieselbacher Pflanzenbau GmbH, zu welcher der Betrieb in Mönchenholzhausen als hundertprozentiges Tochterunternehmen gehört. Durch den seit Jahren niedrigen Milchpreis sei diese Sparte zum Verlustgeschäft geworden. Rund 1600 Tiere, fast den kompletten Bestand, hat die Agrar GmbH verkauft. Die 30 Landwirte, die die Tiere betreuten, brauchen nun neue Jobs. Auch für Geschäftsführerin Peggy Käferle ging mit dem alten Jahr ein berufliches Kapitel zu Ende.

Mit dieser Stilllegung endet eine stattliche Tradition. Das Jubiläum „100 Jahre Herdbuchzucht“wurde 2013 in Mönchenholzhausen gefeiert. Sechs Landwirte hatten sich 1913 in einem Zuchtverein zusammengeschlossen.

Erbgut der Rinder aus Möchenholzhausen war begehrt

Über viele Rinder-Generationen und in den unterschiedlichsten Gesellschaftsordnungen ging es erfolgreich weiter. Rinder aus Mönchenholzhausen wurden regelmäßig prämiert, ihr Erbgut war begehrt. Über 100 Jahre wurden stets nur die ertragreichsten Tiere in der Herde vermehrt. Mitunter hatte ein Bulle deswegen bis zu 8000 Töchter. Einige davon schafften es auf mehr als 100.000 kg Milch Lebensleistung.

Aktuell stehen noch 39 Kühe und Kälber in Mönchenholzhausen, die der Rinderzucht GmbH gehören, ebenfalls ein Tochterunternehmen der Pflanzenproduktion. „Innerhalb von zwei Jahren soll daraus eine Herde von rund 50 Tieren werden“, so Lücke. Die Betreuung übernehmen die Mitarbeiter der Pflanzenproduktion. Die Herde soll nur auf dem Gelände rund um den Stall grasen. Auf dem Großteil der rund 300 Hektar Grünflächen werde man Heu und Futterpflanzen produzieren und den Teil, der nicht für die kleine Herde gebraucht wird, mittelfristig als Öko-Produkt vermarkten.

Peggy Käferle sucht nunmehr eine neue Verwendung für zwei private Ställe in Obernissa, die sie bisher an die Agrar GmbH verpachtet hatte - der Vertrag ist zum Jahresende natürlich ebenfalls ausgelaufen. 200 weibliche Jungrinder, aus denen einmal Milchkühe werden sollen, wurden darin versorgt. Drei Tiere aus dem letzten Bestand hat Peggy Käferle für sich erworben - dass es absolut mit der Herdbuchzucht vorbei sein soll, kann sie nicht akzeptieren. Zudem geht es bei den Stallungen auch um ein Stück Familiengeschichte. Schon ihr Urgroßvater, Otto Kirchner, gehörte 1913 zu den Gründern des Herdbuchvereins. Ihr Vater, Eberhard Weinschenk, war über viele Jahre stellvertretender LPG-Vorsitzender sowie nach der Wende Geschäftsführer des Nachfolgebetriebes.

Kleines Museum soll an Geschichte der Herdbuchzucht erinnern

Peggy Käferle kann sich vorstellen, die Ställe einem Verein oder sonstigen Nutzer zur Verfügung zu stellen. Vorausgesetzt, die angrenzende Wohnbebauung wird nicht gestört. Einen Teil der Anlage plant sie in ein kleines Museum umzubauen, das u.a. an die Geschichte der Herdbuchzucht erinnern soll.

Und vielleicht, schließt Peggy Käferle nicht aus, werden aus den drei verbliebenen Zuchtrindern künftig wieder mehr. Eile habe sie bei ihren Plänen nicht. Die Ställe wurden inzwischen gereinigt, die Statik ist intakt und die Anlage gesichert. Für Ideen, Vorschläge und Anfragen sei sie jederzeit offen: j.kaeferle@arcor.de