Ordnungsamt bricht kulturelle Veranstaltung in Weimar ab

Weimar.  Das Ordnungsamt hat in der Notenbank in Weimar das Veranstaltungsverbot durchgesetzt und erntet Unverständnis der Betroffenen.

Konzertabbruch: Was martialisch aussieht, wäre mit mehr Kommunikation zu verhindern gewesen.

Konzertabbruch: Was martialisch aussieht, wäre mit mehr Kommunikation zu verhindern gewesen.

Foto: Jeffrey Boy

Ausgerechnet eine kulturelle Veranstaltung warf einen Schatten auf das sonst positive Resümee des Weimarer Zwiebelmarktes unter Corona-Bedingungen. Am Samstagabend hatte das Ordnungsamt eine konzertante Aufführung des Beethoven- Balletts „Die Geschöpfe des Prometheus“ mit Poetry Slam in der Notenbank beendet, noch bevor sie begonnen hatte. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Veranstalter war Alexander Ebert. Er stammt aus Weimar und ist Geschäftsführer des Ensembles Neues musikalisches Forum Dresden, das sich aus Musikstudenten deutscher Musikhochschulen zusammensetzt. Mit der Slammerin Lea Marie Nieter und der Harfenistin Gabriela Croitoru aus Weimar wurde das Stück aus dem antiken Kontext auf unsere Zeit projiziert: Der tatendurstige, initiative, sensible Mensch ist auf der Suche nach gesellschaftlicher Wachheit und Tat in der Klimakrise, unter Corona-Leugnern und einer auseinanderstrebenden Gesellschaft.

Ordnungsamt und Polizei kamen zur Generalprobe

Wegen der besonderen Regeln hatte Ebert vorab das Ordnungsamt angerufen und bekam als Auskunft, die Allgemeinverfügung untersage „öffentliche Vergnügungen, wie Dorf-, Stadt-, Schützen- oder Weinfeste, Festivals, musikalische Darbietungen, Kirmes und Tanzlustbarkeiten“. Davon sah sich der Veranstalter nicht betroffen, zumal Veranstaltungen ausgenommen waren, die vorwiegend „…belehrenden oder erzieherischen Zwecken... dienen“.

Zur Generalprobe kamen Ordnungsamt und Polizei, erkundigten sich nach dem Zweck der Probe und hörten, es gehe um eine genehmigte Veranstaltung. Mit der Aussage, das werde man prüfen, verließen sie die Probe. Alexander Ebert sagt, es habe auch die Bemerkung gegeben, man werde sich melden.

Unverständnis und Verärgerung im Publikum

Die Stadtseite bestreitet eine derart verbindliche Aussage. Ordnungsamt und Polizei kamen erst kurz vor Beginn am Sonnabend wieder. Die Veranstaltung wurde untersagt und nach einigem Hin-und-Her auch beendet. Bei den Mitwirkenden und im Publikum hinterließ das Unverständnis und Verärgerung. Bürgermeister Ralf Kirsten sah auf Nachfrage die städtischen Mitarbeiter im Recht, räumt allerdings ein, dass es nicht so weit kommen musste.

Das Ensemble hat die Inszenierung am Tag darauf in Zwickau aufgeführt. Drei weitere Konzerte in Sachsen stehen noch bevor.