Bernhard Hecker serviert Kopfsalat in 60 Aphorismen

Weimar.  Der langjährige Redakteur dieser Zeitung und Buchautor meldet sich mit einem Kleinod zurück

Bernhard Hecker zu Hause in Bad Berka. Der Journalist, Kolumnist und Buchautor hat ein Aphorismen-Büchlein herausgebracht.

Bernhard Hecker zu Hause in Bad Berka. Der Journalist, Kolumnist und Buchautor hat ein Aphorismen-Büchlein herausgebracht.

Foto: Michael Baar

Es war schon einige Zeit nichts mehr von ihm zu hören beziehungsweise zu lesen: Bernhard Hecker, Journalist, Kolumnist und Buchautor. 2016 präsentierte er das Büchlein „Weimar zwischen den Zähnen“. Seit diesen Ess- und Trinkgeschichten aus seiner Heimatstadt war es ruhig um den Wahl-Bad-Berkaer geworden.

Jetzt aber hat er sich zurückgemeldet: „Kopfsalat – frisch gepflückt“ ist sein Büchlein mit 60 Aphorismen überschrieben. Dass er 81 Jahre alt werden musste, um ein solches zu verfassen, ist eigentlich nur schwer zu begründen. Bernhard Hecker liebt diese Form geistreich-prägnanter Sinnsprüche sein Leben lang. Besonders jene von Georg Christoph Lichtenberg, Karl Kraus, François de La Rochefoucauld oder auch von Goethe, selbst wenn diese noch nicht Aphorismen genannt wurden. Seine eigenen hat Hecker immer wieder zu Papier gebracht und gesammelt.

Gutwilligen Herausgeber und Lektor gefunden

Vielleicht waren es ja die Einschränkungen, die das Alter so mit sich bringt, dass er sich nun zu einer Veröffentlichung durchgerungen hat. Für Serien-Recherchen müsste er mobiler sein. Als Glücksfall erwies sich das Redaktionsbüro Kirsten Seyfarth aus Magdala. Dort fand er einen gutwilligen Herausgeber und Lektor. Denn das ersparte dem Autor jenen Verlagsärger, dessen er als Spätberufener nach fast drei Jahrzehnten überdrüssig geworden ist.

Was dabei heraus kam, ist auf 60 Seiten nachzulesen: jede Seite ein Aphorismus. Manche ganz und gar Hecker, manche – in Anlehnung an seine großen Vorbilder – eingeheckert sozusagen. Wer die 60 Seiten (wie der Autor dieser Zeilen) in einem Stück gelesen hat, der findet darauf Seite für Seite ihren Verfasser wieder. Sie verraten den Erzähler der „Weimarer Anekdoten“ oder von „Die letzten Tage der Soljanka“, ohne die Bücher zu zitieren.

Alltägliche Lebensweisheiten, die keiner Epoche zugehören

Bernhard Hecker nimmt sich dabei immer wieder selbst auf oder in den Arm. Etwa dann, wenn er den steilen Berg vor seinem kleinen Häuschen in Bad Berka einfließen lässt, den er heute gesundheitsbedingt weder bergauf noch bergab bewältigen kann. Oder wenn er seinem Hund ein Andenken widmet, das alle Hundehalter nachvollziehen können. Daneben finden sich auf den 60 Seiten auch alltägliche Lebensweisheiten, die keiner Epoche zugehören.

Mit seinen Aphorismen blickt Bernhard Hecker auch immer wieder auf die Vergangenheit, in welcher er 21 DDR- und 2 vereinigte Jahre lang Lokalchef der TLZ in Weimar und gleichzeitig ein wacher Zeitgenosse war. Und er schaut auf Eigen- oder Unarten der Gegenwart, für die er mal nur Kopfschütteln und mal eben Aphorismen übrig hat.

Wer genau in dieser Jahreszeit kurzweiligen, aber nicht oberflächlichen Lesestoff sucht, der wird bei Bernhard Heckers „Kopfsalat“ fündig. Und hofft, dass mehr davon auf den Tisch kommt.

Bernhard Hecker: Kopfsalat, frisch gepflückt. Über Redaktionsbüro Kirsten Seyfarth (kirsten.seyfarth@t-online.de), im Buchhandel oder Amazon. ISBN 978-3-9822353-1-8