Das Handwerk in Weimar

Weimar  Mit dem Tag des Handwerks und dem Weimarer Töpfermarkt dominierte am Wochenende Handwerkskunst in der Kulturstadt

Töpfermeister Severin Meißner aus Trebus besang schon am Samstag lautstark den schönen Tag.

Töpfermeister Severin Meißner aus Trebus besang schon am Samstag lautstark den schönen Tag.

Foto: Michael Baar

Der Töpfermarkt hat in Weimar seinen festen Standort. So viel Handwerk wie am Wochenende war zum Töpfermarkt aber noch nie. Denn der Thüringer Handwerkstag hatte seinen Tag des Handwerks für Thüringen mit dem Töpfermarkt verbunden. Und so füllte Handwerkskunst nicht allein den Marktplatz, sondern auch den Bereich Markt 13/14 und den Platz der Demokratie.

Schon zur Eröffnung mit dem Handwerkerchor Weimar am Sonnabend gab sich nicht allein die Handwerksprominenz die Ehre. Neben den Kammerpräsidenten, Kreishandwerksmeistern und Innungsmeistern war auch die Politik zahlreich vertreten. Landtags- und Bundesabgeordnete sowie Landtags-Kandidaten fanden sich ebenso ein wie Oberbürgermeister Peter Kleine als Gastgeber und Landrätin Christiane Schmidt-Rose. Und natürlich auch der Ministerpräsident und sein Wirtschaftsminister. Aber nur einer vereinte Handwerk, Ehrenamt und Kandidatur: Tiefurts Tischlermeister Jörg Rietschel.

Die Handwerker aus Weimar und aus dem Weimarer Land besetzten auch einen Großteil der Stände zum Tag des Handwerks. Mit den Tischlereien Loch (Magdala), Gränz (Weimar) und Dathe (Umpferstedt) standen gleich drei namhafte Betriebe stellvertretend für ihr Handwerk. Für die Metallbauer stellten sich die Schmiedemeister Holger Haase und Bernhard Güttel dem Publikum. Sie ließen dabei auch den Handwerks- und den Ministerpräsidenten auf den Amboss schlagen und zeigten den Städtern, was es heißt, ein Pferd zu beschlagen.

Bad Berkas Steinmetzbetrieb Erdmann schickte mit Paul Erdmann nicht nur den jungen Chef ins Rennen um das Gesicht des Handwerks. Er und seine Mitarbeiterinnen gaben den Gästen auch Einblick in die Vielfalt dieses Handwerksberufes.

Über allen aber thronte die Firma Dachschneider. Ihre Hebebühne mit dem 42 Metern langen Ausleger vor der Anna-Amalia-Bibliothek gewährte den Besuchern nicht nur einen grandiosen Blick über die Stadt. Er ließ die stets Schlange stehenden Besucher auch ahnen, dass dieser Handwerksbetrieb auch an Orten jenseits des Weimarer Landes arbeitet. Denn einen solchen Ausleger braucht man hierzulande kaum.

Die Thüringer Töpferinnung mit Sitz in Weimar musste nur bei der Eröffnung ins zweite Glied treten. Die Besucher aber widmeten ihr an beiden Tagen so viel Aufmerksamkeit wie dem Tag des Handwerks nebenan. So zeigte sich Innungsobermeister Christian Wolff am Sonntagnachmittag so zufrieden wie er am Sonnabend optimistisch war. „Das Wetter ist gut, die Musik auf unserer Bühne ebenfalls, und die Kundschaft kommt“, sagte er.

Eigens für dieses Wochenende hatte die Töpferinnung 50 limitierte Becher gefertigt, die unter dem traditionellen Motto „Töpfern für den guten Zweck“ diesmal dem Verein Blickpunkte e.V. zur Verfügung gestellt wurden, der sich der Förderung von blinden und sehbehinderten Jugendlichen in Thüringen verpflichtet hat. Durch die Innungsmitglieder wurden dafür bereits bis zum Sonntagnachmittag 1120 Euro an Spenden zusammengetragen.

Die Thüringer Töpferinnung ist die älteste und mit 56 Betrieben auch die mitgliederstärkste Innung in Ostdeutschland. Sie ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, ihre Gesellenfreisprechung auf dem Töpfermarkt in Weimar durchzuführen. Traditionell mit der „Schlickerhand“ wurde Katrina O‘Fearna (24) von Christian Wolff freigeschlagen. Die Deutsch-Amerikanerin wohnt in Weimar und wurde in der Möbisburger Töpfermühle ausgebildet. Von ihrer Lehrmeisterin Ute Kummer erhielt sie jetzt auch ihr erstes eigenes Töpferwerkzeug.

„Nach dem Abi fühlte ich mich nicht bereit für ein Studium“, gab die junge Frau Einblick in ihre Entscheidung für eine Töpferlehre. Sie sei froh, dass sie nun ein Handwerk erlernt habe, durch das sie mit Naturmaterialien kreativ sein kann. Jetzt will sie zunächst reisen, vielleicht auch auf die Walz gehen und sich eines Tages niederlassen, um eine eigene Töpferwerkstatt zu gründen.

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