„Das Haus ist mir eine Herzensangelegenheit“

Weimar.  Rafael Ecker (25) ist neuer Leiter des jungen Theaters stellwerk weimar. Seine Vorgängerin Kathrin Schremb hat das Haus mitbegründet und 17 Jahre lang geprägt.

Rafael Ecker ist neuer Leiter des jungen Theaters stellwerk weimar, im Bild mit Philipp Münnich (l.), technischer Leiter.

Rafael Ecker ist neuer Leiter des jungen Theaters stellwerk weimar, im Bild mit Philipp Münnich (l.), technischer Leiter.

Foto: Christiane Weber

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Rafael Ecker (25) ist seit 1. Februar künstlerischer Leiter des jungen Theaters stellwerk weimar. Der Nachfolger der langjährigen Stellwerk-Leiterin und Mitbegründerin Kathrin Schremb, die zum Thüringer Theaterverband wechselte, ist dem jungen Theater stellwerk weimar seit der Spielzeit 2012/13 verbunden, als der gebürtig aus Offenburg stammende Rafael Ecker dort ein freiwilliges kulturelles Jahr ableistete. Er studierte an der Universität Hildesheim im Studiengang Szenische Künste und kam nach erfolgreichem Abschluss Bachelor of Arts 2019 wieder ans stellwerk weimar.

Was kann das Publikum, was können die Mitwirkenden vom neuen Leiter des stellwerk weimar erwarten?

Die laufende Spielzeit 2019/20 wurde ja noch von Kathrin Schremb und dem Team geplant. Bis zum Sommer bleibt also alles wie geplant. Es ist schön, dass es diesen Rahmen gibt, denn jeder Tag ist wirklich sehr ausgefüllt. Im März werden wir uns im Leitungsteam zu einer Klausurtagung zurückziehen und das Programm der nächsten Spielzeit besprechen.

Sie kommen frisch von der Uni und stehen gleich vor einer großen Herausforderung. Was ist Ihnen bei der Leitung des Hauses wichtig?

Wir sind ein kleines, sehr junges Team aus zwei Theaterpädagoginnen, einem technischen Leiter, einer Freiwilligen im FSJ Kultur und mir. Ich möchte im Team arbeiten. Möchte, dass alle über alles Bescheid wissen. Jeder kennt sich aus, ist Experte auf seinem Gebiet. Jeder kann sich im Team mit seinen Stärken einbringen. Der Wert des Kollektivs wurde auch beim Studium in Hildesheim immer groß geschrieben. Es geht darum, flach hierarchisch zu arbeiten und demokratische Entscheidungen zu treffen. Ein großes Thema im Studium, war es, integrativ zu arbeiten. Offen zu sein für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, Sprachbarrieren abzubauen. Das Augenmerk sollte darauf liegen, niemanden zu diskriminieren.

Wie kamen Sie als Offenburger eigentlich auf das junge Theater in Weimar?

Für das freiwillige kulturelle Jahr hatte ich mich bundesweit an Theatern umgeschaut. Im stellwerk weimar hatte ich das Gefühl, hier herrscht ein ganz besonderer Umgang im Team, eine besondere Atmosphäre. Das hat mir gefallen. Der Kontakt blieb auch während des Studiums bestehen. 2014 habe ich hier Regie geführt bei „43 Gründe, warum es aus ist“. Im April 2019 kam ich als technische Aushilfe und habe in Weimar meine Bachelor-Arbeit geschrieben.

Wie fühlten Sie sich, als das Team Ihnen empfahl, sich als Nachfolger von Kathrin Schremb zu bewerben?

Zuerst war ich skeptisch, ob ich die Herausforderungen bewältige. Doch heute sehe ich es als eine Chance. Zumal das Haus mir eine Herzensangelegenheit ist.

Welche neuen Akzente in der Spielplangestaltung wollen Sie setzen?

Noch kann ich dazu inhaltlich nichts sagen. Das werden wir im Team im März abstimmen. Was sich verändern sollte: Bislang wurde eine Spielzeit mit einem Spielzeitmotto geplant. Ich würde lieber langfristig planen, nämlich für drei Jahre oder darüber hinaus. Das gibt die Möglichkeit, bei der Auswahl von Projekten und Inszenierungen auf zuvor Erarbeitetes aufzubauen. Wir haben vor 21 Tagen bundesweit vier Neuproduktionen ausgeschrieben. Theatermacher aller Formen können sich mit ihren Konzepten bewerben. Erste Bewerbungen liegen bereits vor. Wir erhielten auch viele telefonische Nachfragen. Die Bewerbungsfrist endet am 1. März. Wir setzen auch auf dieser Ebene auf Nachwuchsförderung. Wollen jungen Menschen eine Chance geben.

Neu im Programm ist das Klassenzimmerstück. Wird es weitere geben?

Auf jeden Fall. Zunächst für Weimar und das Weimarer Land. Aber wir haben auch schon Anfragen aus anderen Städten und Gemeinden. Ich sehe es als Aufgabe des stellwerk weimar, den ländlichen Raum einzubinden und mehr dorthin zu fahren. Vielleicht mit weiteren Formaten wie einer Workshop-Reihe. Wichtig ist auch die jährliche Schulpatenschaft, dieses Jahr zwischen stellwerk weimar und der Regelschule in Berlstedt: Das hat Bestand, das ist nachhaltig.

Wie steht das junge Theater stellwerk weimar räumlich wie finanziell momentan da?

Die Übergabe der Leitung hat meiner Meinung nach genau zum richtigen Zeitpunkt stattgefunden. Die „Ziel- und Leistungsvereinbarung“ mit der Stadt Weimar gibt uns jetzt erstmals Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre. Sonst mussten jedes Jahr Anträge auf Projektförderung gestellt werden. In der Schwungfabrik eröffnen sich uns mit einem neuen Proben- und Spielraum neue Möglichkeiten. Wir werden ab 1. März stundenweise eine Studentin der Liszt-Hochschule für die Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen können. Die Außenkommunikation wurde bislang oft vernachlässigt, weil sie Zeit braucht.

Was verbindet sich für Sie ganz persönlich mit dem stellwerk weimar?

Es ist ein Ort, der jungen Menschen die Möglichkeit gibt, sich auszuprobieren. Für uns bedeutet es, kulturelle wie politische Bildung zu leisten. Das ist eine große Verantwortung und Herausforderung.

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