Der enthüllte Luther in Weimar

Weimar  Bronzebüste des Reformators hat seinen Platz an der Stadtkirche mit Blick zur Schlosskapelle gefunden

Elke Gatz-Hengst hatte die Idee für die Büste und durfte sie gestern enthüllen.

Elke Gatz-Hengst hatte die Idee für die Büste und durfte sie gestern enthüllen.

Foto: Susanne Seide

Das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ umrahmte am Freitag die feierliche Enthüllung der Büste Martin Luthers an dessen 534. Geburtstag auf dem Herderplatz. Die Bronze-Arbeit fand an der Mauer der Stadtkirche ihren Platz. Sie liegt hinter dem Chorraum, wo Luther auf dem Cranach-Altar verewigt ist. Der Blick Luthers geht in Richtung Stadtschloss mit der Schlosskirche. Hier predigte der Reformator während seiner Weimar-Aufenthalte häufig, erinnerte Superintendent Henrich Herbst. Er sprach die Hoffnung aus, dass die Büste Passanten Trost und Ermutigung gebe – so wie Luther, als er 1540 in Weimar seinen als todkrank geltenden Freund Philipp Melanchthon besuchte. Luther wusste, wie wichtig dieser für die Reformation sein würde, hielt seine Hand und betete für Melanchthon. Dieser überwand seine schwere Krankheit und starb erst 1560 in Wittenberg.

Die Bezüge zwischen Luther und dem Künstler Wieland Förster erläuterte Jörg Geibert, Vorsitzender des Vereins „Luther für Weimar“: Beide hätten keine gradlinigen Biografien, ihnen sei die Auflehnung gegen die Obrigkeit eigen. Wobei Förster Luther auch angesichts seiner negativen Aussagen über Thomas Müntzer oder das Judentum als Mann mit Ecken und Kanten dargestellt habe. Förster selbst, einer der herausragendsten Bildhauer der Zeit nach 1945, lehnte sich erst gegen die Nazis, dann gegen die Kommunisten auf, was ihm Haft einbrachte. Seine Werke, so Geibert, seien vielfach aus diesem Unrechtsempfinden heraus entstanden.

Förster hatte den fünften und vielleicht letzten Abguss seiner 1982 zum 500. Luther-Geburtstag geschaffenen Arbeit abgenommen und akribisch darauf geachtet, dass die Bronzebüste nach seinen Vorgaben nachpatiniert wurde. Zur Einweihung konnte der 87-Jährige nicht kommen, ließ aber die Galeristin Elke Gatz-Hengst Grüße übermitteln. Er sei froh über das Ereignis und den Standort, sagte die Initiatorin der Idee, in Weimar eine Luther-Büste aufzustellen.

Der Verein schenkte der Kirchgemeinde mit dem gestrigen Tag das Kunstwerk. Allerdings konnte er bisher erst weniger als 20 000 Euro für die 38 000 Euro teure Büste zusammentragen. Für Spenden über 250 Euro kann er sich mit 100 handsignierten Drucken von Förster bedanken, die er dem Verein eigens zu diesem Zweck überließ.

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