Die fantastische Reise einer Flasche ans Ende der Welt

Weimar.  Das neue Klassenzimmerstück des DNT, „Petty Einweg – Die fantastische Reise einer Flasche“, wird seit Ende November mit großem Erfolg in Schulen aufgeführt.

Das neue Klassenzimmerstück des DNT, „Petty Einweg – Die fantastische Reise einer Flasche ans Ende der Welt“ mit Tahera Hashemi in der Titelrolle wie auch als Flaschensammlerin erlebte am Donnerstag eine weitere erfolgreiche Aufführung in der Gemeinschaftsschule in Weimar. 

Das neue Klassenzimmerstück des DNT, „Petty Einweg – Die fantastische Reise einer Flasche ans Ende der Welt“ mit Tahera Hashemi in der Titelrolle wie auch als Flaschensammlerin erlebte am Donnerstag eine weitere erfolgreiche Aufführung in der Gemeinschaftsschule in Weimar. 

Foto: Candy Welz

Es startet furios. Keine Chance für die jungen Zuschauer, sich entspannt zurückzulehnen. Die rund 35 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 und 6 an der Staatlichen Gemeinschaftsschule Weimar werden bei dem Klassenzimmerstück des DNT, „Petty Einweg – Die fantastische Reise einer Flasche“, sofort voll einbezogen. „Wer war das? Wer von euch war das?“, schallt ihnen am Donnerstag entgegen, als sich die Tür des Klassenzimmers öffnet und die Flaschensammlerin (Tahera Hashemi) mit einem Einkaufswagen voller Plaste-Flaschen hereinstürmt. Sie verkörpert ihre Rolle mit einer solchen Wucht und Brillanz, mit Temperament wie Einfühlungsvermögen, das Langeweile über 60 Minuten ein Fremdwort bleibt.

Jens Raschke, der 2015 mit „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ ein preisgekröntes Stück für das DNT geschrieben hat, erarbeitete diesen Monolog, mit dem das DNT die Klassenzimmer in und um Weimar besucht. Jens Kerbel zeigt mit der rasanten Inszenierung seine erste Arbeit am DNT. Es geht um Plastik, speziell um Plastikflaschen, um gigantische Produktionsraten und um „Petty Einweg“ als personifizierte Plastikflasche und deren lange Reise. In der Gemeinschaftsschule an der Gropiusstraße hatten bereits die Proben stattgefunden.

Die Schülerinnen und Schüler erweisen sich im abschließenden Gespräch unter Leitung von Dramaturg Carsten Weber als erstaunlich gut informiert. „Relativ viel“ haben sie sich nach Auskunft ihres Mathematiklehrers Marius Roth mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. Eines aber haben sie dabei gewiss nicht: „Habt ihr mal versucht, euch in so eine Flasche hineinzuversetzen? Ihr einen Namen gegeben?“, fragt die Flaschensammlerin. Und sie nennt Zahlen: 15.855 Einwegflaschen würden weltweit pro Sekunde produziert, erklärt sie den Kindern. Sie schaue sich die Flaschen an, jede einzeln, erfahre, was sie erlebt hat, bis zu dem Moment, wo sie gefunden wurde. Kräftiger Applaus ist Tahera Hashemi am Ende sicher. „Toll gemacht“, klingt ihr in der lebhaft genutzten Fragestunde viel Lob entgegen. „Ich fand es sehr gut“, sagt eine Schülerin, „aber ich hätte mir mehr Hintergründe gewünscht.“ Die Kinder sind außerordentlich wissbegierig. Eines dürfte sicher sein: Wer dieses Stück gesehen hat, geht künftig sensibler mit dem Thema Plastik um.

Tahera Hashemi, 1991 in Herat (Afghanistan) geboren, studierte Schauspiel und Regie in Kabul. Seit 2012 lebt sie in Berlin, wo sie in Projekten der Schaubühne und des Künstlerkollektivs „suite42“ mitwirkte. Seit Beginn der Spielzeit 2019/2020 ist sie am DNT Weimar fest engagiert. Sie genießt es sichtlich, ohne Bühne vor und zwischen den Kindern aufzutreten und ihre Botschaft damit umso eindringlicher formulieren zu können. Die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule arbeiten „von Anfang an prima mit“, sind aufmerksam und voll bei der Sache. Das sei nicht immer so, meint Tahera Hashemi. Sieben Mal wurde das neue Klassenzimmerstück seit seiner Uraufführung am 26. November in Stadt und Landkreis aufgeführt. Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz hat das Projekt mit 20.000 Euro aus den Mitteln „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ kofinanziert.

Termin- und Buchungsanfragen können interessierte Lehrer an Michaela Untermann im DNT-Besucherservice richten: michaela.untermann@nationaltheater-weimar.de. Die nächsten möglichen zu buchenden Termine sind am 21. Januar, 4., 20. und 27. Februar.