Drei Wandflächen in Weimar für legale Graffiti freigegeben

Ganz legal können sich Sprayer ab sofort an drei Orten in Weimar verewigen. Stadtverwaltung und Polizei gaben einen Teil der Sporthalle an der Meyerstraße, eine Wand am Durchgang vom Rathenauplatz zum Atrium sowie eine Hallenfassade auf dem städtischen Betriebshof für Graffiti frei.

Kunst: An drei Wänden in Weimar dürfen sich Graffiti-Künstler nun verewigen. Damit will die Weimarer Polizei die illegalen Schmierereien eindämmen. Foto: Thomas Müller

Kunst: An drei Wänden in Weimar dürfen sich Graffiti-Künstler nun verewigen. Damit will die Weimarer Polizei die illegalen Schmierereien eindämmen. Foto: Thomas Müller

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Weimar. Ein weißer Schutzanzug samt Handschuhen und Atemmaske entspricht weder für Weimars Polizeichef Ralf Kirsten noch für Bürgermeister Christoph Schwind der üblichen Dienstkleidung. Gestern Mittag wählten beide dennoch diese Kluft. Schließlich griffen sie selbst zu Sprühfarbe und Schablonen, um an der Turnhalle der ehemaligen Harry-Graf-Kessler-Schule die Herren Gropius und Goethe zu verewigen. Dass ihnen Weimars Graffiti-Künstler auf drei ausgewählten Wänden in der Stadt mit eigenen Motiven nacheifern, ist ausdrücklich gewollt.

Jene Fassade der Sporthalle, die zum Spielplatz an der Ecke von Thälmann- und Meyerstraße zeigt, ist ebenso fürs legale Sprühen ausgewählt wie die Mauer entlang des Durchgangs vom Rathenauplatz zum Atrium. Dort waren Graffiti schon einmal geduldet. Bei der dritten Wand, die die Stadt freigibt, handelt es sich um die Rückseite der Lagerhalle des Bauhofes an der Schwanseestraße. Dort ist das Sprühen allerdings nur während der Betriebszeiten erlaubt, an den beiden anderen Orten täglich von 6 bis 21 Uhr.

Das schreibt die Benutzerordnung vor, die an den betreffenden Wänden aushängt. Zudem untersagt sie den Sprayern, die Sprühflächen vermummt zu benutzen. Ebenso regelt das Papier, dass die Stadt die Wände zum Ende jedes Quartals weiß überstreicht und damit neuen Graffiti Platz schafft.

Für Weimars Polizei sind die legalen Wände ein wichtiger Punkt bei der Eindämmung von Farbschmierereien im Stadtgebiet – allerdings nicht der erste und einzige. Im vergangenen Frühjahr bildete die Inspektion eine Arbeitsgruppe Graffiti, mit Erfolg. Mit 513 angezeigten Fällen sank die Zahl der illegalen Schmierereien im Vorjahr gegenüber 2008 zwar nur leicht. Die Aufklärungsquote stieg dafür erheblich. 2007 wurde nur jeder siebte Fall gelöst, 2008 nahezu jeder vierte und im Vorjahr mehr als jeder dritte.

Den 190 im vergangenen Jahr aufgeklärten Verfahren konnte die Polizei 47 Tatverdächtige zuordnen. Ein 20-jähriger Weimarer wurde gleich mit 59 Schmierereien in Verbindung gebracht. Zwölf Täter wurden seit Einrichtung der Arbeitsgruppe auf frischer Tat ertappt.

Aller Sorgen ledig sind die Ermittler damit freilich nicht. Während in den letzten drei Monaten 2009 lediglich 62 illegale Graffiti angezeigt wurden, waren es im ersten Quartal dieses Jahres immerhin drei Mal so viele. Als Grund für den Anstieg vermutet die Polizei u. a. Reaktionen auf Ermittlungs-Maßnahmen wie Durchsuchungen und Vernehmungen. Dennoch seien Aktionen großer organisierter Sprayer-Gruppen aktuell nicht erkennbar.