Ehrennadeln für vier engagierte Weimarer

Weimar.  Stadt würdigt bei Festakt am Herderplatz den Einsatz von Horst Hasselmann, Gisela und Johannes Bock sowie Klaus Herhold

Oberbürgermeister Peter Kleine (links) und Hans-Joachim Heuzeroth als Vorsitzender des Stadtrates rahmen hier die Preisträger (von links) Horst Hasselmann, Gisela und Johannes Bock sowie Klaus Herhold. 

Oberbürgermeister Peter Kleine (links) und Hans-Joachim Heuzeroth als Vorsitzender des Stadtrates rahmen hier die Preisträger (von links) Horst Hasselmann, Gisela und Johannes Bock sowie Klaus Herhold. 

Foto: Susanne Seide

Mit einem Festakt im ehemaligen Wilhelm-Ernst-Gymnasium am Herderplatz hat die Stadt Weimar am Donnerstag das Lebenswerk von Horst Hasselmann sowie von Gisela und Johannes Bock mit der Goldenen Ehrennadel gewürdigt sowie das Engagement von Klaus Herhold mit der Silbernen Ehrennadel. Es war die erste öffentliche Veranstaltung der Stadt seit dem Lockdown, zugleich die erste mit Live-Musik und einem kleinen Buffet. Nach dem musikalischen Auftakt durch Oliver Räumelt (Akkordeon) sagte Oberbürgermeister Peter Kleine: „Das tut so gut, endlich mal wieder Live-Musik zu hören.“ Passend zum großen Tag für die vier Weimarer konnte er zudem verkünden, dass auch der letzte bekannte Corona-Patient seit Donnerstag als genesen gilt, Weimar also erneut coronafrei ist.

Eine Premiere als Laudator hatte Pfarrer Hardy Rylke vor der Vergabe der Goldenen Ehrennadel an Gisela (Jahrgang 1943) und Johannes Bock (Jahrgang 1940). Die Entscheidung sei eine gute Wahl, betonte Rylke. Im beruflichen Leben Mediziner, engagiert sich das Paar seit der Wende politisch. Schwerpunkt ist das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) Weimar, wo die Bocks als Ideengeber, Motor und Initiatoren verschiedenster Veranstaltungen gelten, mit denen sich das Bündnis für Demokratie, Toleranz, Weltoffenheit, die Aufarbeitung der Geschichte sowie entschieden gegen Neonazis einsetzen.

Gisela und Johannes Bock waren es auch, die als Erste in diesem Jahr zur Befreiung des ehemaligen KZ Buchenwald dort Blumen aufgestellt und danach jeden Tag gegossen haben. Der einstige Stadtrat initiierte zudem die alljährliche Erinnerung an die Bücherverbrennung in Niedergrunstedt sowie an die Opfer des Bombardements auf die damaligen Gustloff-Werke im Norden der Stadt. „Sie stellen sich mit Zivilcourage gegen Rechte und sind mit Ihrem Engagement ein Vorbild“, sagte Pfarrer Rylke zur Vergabe der Goldenen Ehrennadel an Gisela und Johannes Bock, die Peter Kleine für die Würdigung vorgeschlagen hatte.

Horst Hasselmann (Jahrgang 1939) engagierte sich viele Jahrzehnte in politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Bereich gleichermaßen. Im Alter von 30 Jahren wurde er in Weimar Stadtbaudirektor und Stadtrat für Wohnungswirtschaft beim Rat der Stadt. Ab 1990 war er im Stadtrat aktiv, 1992 wurde er Dezernent für Umwelt, Bau, Jugend und Bildung „im berühmt-berüchtigten Büttner-Kabinett“, wie der Laudator Thorsten Büker anmerkte.

Der Journalist und frühere Redaktionsleiter der TLZ Weimar lernte Hasselmann 1996 in dessen Funktion als Stadtrat kennen. Beruflich wechselte Hasselmann 1994 in die Bauwirtschaft und konnte so weiter dazu beitragen, die Bausubstanz Weimars zu erhalten. Er fungierte zeitweise als wortgewandt-witziger Sitzungspräsident des Stadtrates und war ab 2004 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Stadtrat Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses. Daneben ist er nach wie vor passionierter Schachsportler beim SSV Vimaria und hat vielen Kinder das Spiel beigebracht. „Horst Hasselmann hat sich in dieser kleinen Weltstadt immer seine Integrität bewahrt“, sagte Thorsten Büker. Das sei ebenso wie seine Geradlinigkeit eine seiner wichtigsten Wesensmerkmale.

Klaus Herhold (Jahrgang 1944) ist Gründungsmitglied der Hainturm-Gesellschaft und von 1999 bis 2019 deren stellvertretender Vorsitzender. Er setzte sich in hohem Maße für die Restaurierung des Hainturmes ein. Jährlich leistete er als Bau-Koordinator und Turmwart Hunderte freiwilliger Stunden, sei es bei der Organisation von Aufräum- und Bauarbeiten, bei der Vorbereitung der jährlichen Hainturmfeste und anderer Veranstaltungen. Er begleitet zudem Wandergruppen und Schulklassen zum Turm. „Klaus Herhold war und ist Motor des Vereins“, betonte in seiner Laudatio der Vorsitzende Bernd Willeke. In absehbarer Zeit könne so das Ziel erreicht werden, den 1832 erbauten und zwischenzeitlich völlig verfallenen Hainturm komplett saniert wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, blickte Bernd Willeke voraus.

Der Stadtrat war am vergangenen Mittwoch mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Vergabegremiums gefolgt, Gisela und Johannes Bock, Horst Hasselmann und Klaus Herhold auszuzeichnen. Sichtlich schwer fiel es Peter Kleine und dem Stadtratsvorsitzenden Hans-Joachim Heuzeroth, dass sie coronabedingt die Übergabe von Urkunden und Ehrennadeln nicht mit einem herzlichen Handschlag verbinden durften.