Eigentümer der Notenbank in Weimar erwägen Verkauf des Objektes

Weimar  Vorstand der Heyge-Stiftung denkt darüber nach, ob Verbleib des Gebäudes im Stiftungsvermögen noch sinnvoll ist

Das Weimarer Mentoring-Programm für Kindergärten in der Notenbank.

Das Weimarer Mentoring-Programm für Kindergärten in der Notenbank.

Foto: Jens Lehnert

Ein Filetstück unter Weimars Immobilien könnte demnächst wieder verfügbar sein. Offenbar ist es für die Eigentürmerin der Weimarer Notenbank inzwischen eine Option, sich von ihrer Immobilie in der Steubenstraße zu trennen.

Das amerikanisch-deutsche Ehepaar Lorna und Hermann Heyge hatte das 125 Jahre alte Gebäude, das über ein Jahrhundert lang verschiedene Banken beherbergte, 2013 erworben. Noch im gleichen Jahr gründeten beide ihre Heyge-Stiftung, in deren Eigentum sie die Notenbank 2016 überführten. Seit 2014 wurde namhaft in Sanierungs- und Umbauarbeiten am und im denkmalgeschützten Haus investiert. Die Vermietung der Büro- und Gewerbeflächen sollte dazu beitragen, dass die Stiftung liquide ist und ihre Ziele nachhaltig erreichen kann.

Der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit ruht derzeit auf dem sogenannten Weimarer Mentoring-Programm. Die heute 78-jährige Lorna Heyge, in deren Berufsleben musikalische Früherziehung und Entwicklungspsychologie in Forschung und Praxis eine wichtige Rolle spielten, entwickelte das Programm. Es richtet sich an pädagogische Fachkräfte in Kindergärten. Innerhalb von zwei Jahren bildet die Stiftung die Erzieherinnen zu Musikmentoren aus. Diese sind angehalten, in ihren Einrichtungen das Singen und Musizieren in den gemeinsamen Alltag mit den Kindern zu integrieren. Denn Musik, so Lorna Heyge, sei ein ideales Lernmedium, bilde Gemeinschaft, treffe das natürliche Bedürfnis der Kinder nach Bewegung und bringe ihnen insgesamt freudvolle Erfahrungen.

Inzwischen ist dieses Programm in seinem vierten Turnus angelangt. Das Auftaktseminar in der Notenbank absolvierten in der Vorwoche Erzieherinnen aus zwölf Kindergärten – aus Apolda, Erfurt, Gotha, Jena Sachsenbrunn, Stadtilm, Dreieich, Hagen, Offenbach und Passau. Die Heyge-Stiftung stellt für die Finanzierung rund 300.000 Euro zur Verfügung.

In den kommenden Jahren sollen noch mehr Kindergärten an diesem Programm teilnehmen können. Um das zu gewährleisten, prüft der Stiftungsvorstand derzeit, ob die Fortführung der Notenbank Weimar im Stiftungsvermögen noch sinnvoll ist. Das bestätigte auf Anfrage Carsten Klever, der seit dem Frühjahr im Stiftungsvorstand mitwirkt.

Die Mieter in der Notenbank bekamen diese Prüfung inzwischen ganz konkret zu spüren. Die Stiftung habe ein Unternehmen damit beauftragt, mit den Nutzern über deren Perspektiven im Haus zu sprechen. Da sei von Mieterhöhung die Rede gewesen, alternativ dazu auch von fristgemäßer Kündigung des Vertrages. In der vergangenen Woche habe nun ein Gespräch in größerer Runde zwischen Mietern und Stiftungsvorstand stattgefunden. Dort sei der Verkauf der Immobilie als mögliche Variante zur Sprache gekommen.

Zurück blieb augenscheinlich die Befürchtung, dass die Stiftung die Notenbank meistbietend veräußern könne und das Denkmal schlimmstenfalls zum Spekulationsobjekt werde, dessen Wertzuwachs und Abschreibemöglichkeiten schwerer wiegen als dessen Nutzung. Einige der Mieter lassen derzeit ihre Gedanken um die Gründung einer Genossenschaft kreisen, unter deren Dach sie die Immobilie erwerben könnten. Allerdings scheint es vage, ob eine Genossenschaft dazu finanziell in der Lage wäre.

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