Eine neue Mobilität für Weimars Innenstadt

Weimar.  Stadt und Uni kooperieren bei einem vom Bund geförderten Projekt. Enge Beteiligung von Bewohnern und Gewerbetreibenden angekündigt

Mit enger Beteiligung von Bewohnern und Gewerbetreibenden soll der Verkehr in der Innenstadt optimiert werden. Hier ein Blick in Richtung Marktstraße.

Mit enger Beteiligung von Bewohnern und Gewerbetreibenden soll der Verkehr in der Innenstadt optimiert werden. Hier ein Blick in Richtung Marktstraße.

Foto: Susanne Seide

Der Titel „WeNaMo – Weimar Nachhaltige Mobilität“ ist sperrig. Dahinter allerdings versteckt sich ein vom Bund gefördertes Programm, mit dem vor allem für Weimars Innenstadt in Sachen Mobilität ein großer Wurf gelingen kann. Davon zeigten sich bei der Erstpräsentation Oberbürgermeister Peter Kleine, die zuständige Beigeordnete Claudia Kolb und Uwe Plank-Wiedenbeck von der Bauhaus-Universität überzeugt. Er hat beim Kooperationspartner der Stadt die Professur für Verkehrsplanung inne.

Oberstes Prinzip ist der Untertitel des Projektes, wonach die Mobilität gemeinsam gestaltet werden soll. Dazu dienen beispielsweise bereits veranlasste Anschreiben an Gewerbetreibende in der Innenstadt sowie solche in ganz Weimar mit mehr als 20 Mitarbeitern. In der Innenstadt geht es um die Wünsche und Vorschläge für die Erreichbarkeit und Belieferung der Unternehmen. In den anderen Stadtteilen geht es darum, mit den Unternehmen nachhaltigere und aktivere Mobilität für die Belegschaft oder die Optimierung von Lieferwegen anzuregen. Gesammelt werden darüber hinaus über gezielte Anschreiben der Innenstadt-Bewohner, die sie ab dem 23. September in ihren Briefkästen finden, deren Wünsche. Wobei sich Stadt und Uwe Plank-Wiedenbeck natürlich darüber im Klaren sind, das dabei komplett kontroverse Vorschläge von Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern eingehen werden. „Wir suchen die Kontroverse“, bekannte Uwe Plank-Wiedenbeck.

Aus Arbeit in Workshops sollenEmpfehlungen hervorgehen

Sowohl die Anregungen der Gewerbetreibenden als auch der Bewohner der Innenstadt werden dann gesammelt und sollen in verschiedenen Workshops mit Interessierten sowie Experten bis hin zum Denkmalschutz besprochen werden. Daraus sollen Empfehlungen entstehen. Spannend wird die Phase danach, für die der Uni-Professor der Stadt Respekt zollte: Sie ist bereit, zeitlich Experimente einzugehen. Ohne sich auf bestimmte Ziele festlegen zu wollen, nannte er als Beispiel, dass etwa für einen Monat in einem Bereich der Innenstadt der Verkehr unterbunden wird. Danach sollen die positiven wie negativen Folgen betrachtet sowie Schlüsse daraus gezogen werden. „Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse“, sagte der Verkehrsplaner, der darauf verwies, dass das gesamte Verfahren wissenschaftlich begleitet wird.

Peter Kleine bezeichnete das Projekt als Startpunkt einer Entwicklung, die dem veränderten Mobilitätsverhalten und dem Wunsch nach mehr Lebensqualität Rechnung tragen solle. Veränderungen am grünen Tisch festzulegen, erteilte er eine Absage. „Das nimmt die Menschen nicht mit“, sagte der Oberbürgermeister. Weimar wolle bei der nachhaltigen Mobilität eine Vorreiterrolle spielen und könne dies Dank der Uni erreichen, die er als Ideen-Schmiede und Experimentierfeld bezeichnete.

Zwar verbietet sich bei diesem offenen Prinzip eine vorherige Festlegung. Peter Kleine ist aber überzeugt: „In der Altstadt ist zu viel Verkehr.“ Und der Markt beispielsweise müsse mit Pollern davor bewahrt werden.