CDU fordert: „Soko Altfälle“ in Weimar soll bleiben

Weimar  Die CDU-Politiker Mike Mohring und Wolfgang Fiedler fordern, dass die „Soko Altfälle“ in Weimar erhalten bleibt. Bei einem Besuch haben sie sich von der Arbeit der Ermittler überzeugt.

Innenpolitiker der CDU-Landtagsfraktion haben sich am Mittwoch in Weimar bei der Kriminalpolizei über die Arbeit der Soko Altfälle informiert. Das seit drei Jahren bestehende Ermittlerteam wurde aufgebaut, nachdem sich DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der Leiche von Peggy Knobloch fanden. Das Mädchen war 2001 im fränkischen Lichtenberg verschwunden. – Der DNA-Fund entpuppte sich aber als Panne bei der Spurensicherung.

Die Soko sollte deshalb drei seit über zehn Jahren ungelöste Kindermordfälle im Raum Jena/Weimar neu aufrollen. Den Mord an Stephanie aus Weimar von 1991, jenen am neunjährigen Bernd von 1993 in Jena und das Verbrechen an Ramona 1997 in Eisenach. – Der Mörder von Stephanie ist gefunden, der mutmaßliche Mörder von Ramona ebenfalls. Soko-Chef An­dreas Gerstberger ist sicher: „Den dritten finden wir auch.“

Die Ermittlergruppe ist zwar erst im Frühjahr aus Jena zur Kripo in Weimar umgezogen, wo sich bessere räumliche Bedingungen und Synergien zur Kripo-Station finden. Sie hat allerdings weiterhin den Status einer zeitweiligen Sonderkommission. Die Beamten sind in die Soko abgeordnet. Ihr Chef An­dreas Gerstberger leitet die Kripo Weimar und die Soko gleichzeitig, zu der auch vier Weimarer Kriminalisten gehören.

Nach dem Gespräch mit allen Ermittlern und dem Chef der Kriminalpolizei-Inspektion Jena, Mirco Remmert, zeigten sich die Landtagsabgeordneten, zu denen auch der frühere Innenminister Jörg Geibert gehörte, von der Arbeitsweise und den Erfolgen der Kriminalisten beeindruckt. „Das war gut eingesetzte Zeit“, sagte der CDU-Innenexperte Wolfgang Fiedler. „Mit dieser Soko haben wir in Thüringen einen nachweisbaren Erfahrungsvorsprung, um den uns andere beneiden.“

Er erinnerte daran, dass er selbst vor drei Jahren noch gegen die Bildung der Soko war. Doch diese habe ihn mit ihren Ermittlungserfolgen „und auch heute mit den Erläuterungen“ überzeugt. „Es macht keinen Sinn, die Arbeit einer so erfahrene und eingearbeiteten Gruppe abzubrechen und an anderer Stelle und in anderer Zusammensetzung neu aufzubauen“, sagte Fiedler.

Der Abgeordnete spielte damit auch darauf an, dass der Soko nach der Aufklärung von zwei ihrer drei ursprünglichen Altfälle keine weiteren zugewiesen wurden. Dabei gebe es „noch viele Hinterbliebene, die seit Jahren verzweifeln“, weil sich zu den Verbrechen an ihren Angehörigen nichts tut.

Wie Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) selbst zur Zukunft der Soko steht, war derweil nicht zu erfahren. Er sei im Urlaub und erst im Juli wieder zu erreichen, hieß es auf Anfrage der Redaktion im Ministerium.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring will den Besuch in Weimar auch als Zeichen der Unterstützung verstanden wissen. „Es gibt in Thüringen 140 ungeklärte Tötungs-delikte. Der Bürger soll wissen, dass da in Weimar ein Ermittlerteam arbeitet, welches solche Fälle nicht in Aktenbergen verstauben lässt. Es heißt zwar, Mord verjährt nie. Dieser Grundsatz wird jedoch nur dann Realität, wenn an seiner Aufklärung gearbeitet wird.“

Aus Mohrings Sicht darf das Ermittlerteam nicht mehr in Frage gestellt werden, wie es „zuweilen aus dem ministeriellen Bereich geschieht“. Die Soko brauche einen dauerhaften Status und personelle Kontinuität, was auch Zuwachs für die Stellen bedeute, von denen die Beamten abgeordnet wurden.

„Für Weimar und Thüringen ist der Erfolg dieser Soko wichtiger als der Weimarer Tatort“, sagte Mohring augenzwinkernd. Dabei wusste er allerdings nicht, dass für den nächsten Tatort-Film zur gleichen Stunde am alten Polizeisitz gedreht wurde.

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