Falks Erbe über die DDR-Zeit bewahrt

Weimar  Im Alter von 90 Jahren verstarb der über Jahrzehnte einer der wichtigsten Falk-Forscher Paul Saupe aus Weimar

Paul Saupe (geboren am 9. Juli 1928) starb am 22. Juni dieses Jahres in Weimar. Seine Urne wurde am 6. Juli auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Hier in Thüringen galt er als der am meisten engagierte Forscher, der das Erbe und Vermächtnis von Johann Daniel Falk schon in der DDR zu bewahren und zu beleben versuchte.

Das, was den aus Danzig stammenden Falk im Volksmund und weit über unsere Grenzen hinweg in Erinnerung gehalten, ja unsterblich gemacht hat, ist das fast allen bekannte Lied „O du fröhliche…“. Dabei war es gar nicht nur für die Weihnachtszeit geschrieben.

Durch den Friedhof, in dessen historischem Teil auch Johann Daniel Falk (1768-1826) begraben ist, machte Paul Saupe vor Jahren gelegentlich längere Spaziergänge mit den Neuankömmlingen aus dem Westen. Er führte schon damit ganz gut in die lokale Geschichte ein. Bereits 1992 wurde Paul Saupe an die Fachhochschule Erfurt eingeladen, die Studenten mit der regionalen Sozialgeschichte bekannt zu machen. Dabei standen ganz gezielt diejenigen im Zentrum, die sich eher der Sozialkultur und dem Zwischenmenschlichen zuordnen ließen, also z.B. die Heilige Elisabeth, Johann Daniel Falk, Friedrich Fröbel u. a. einschließlich der kontroversen Kirchen- und auch Ideologieentwicklungen.

Paul Saupe hatte in der DDR, als vor allem Makarenko fast widerspruchslos den pädagogischen „Weg ins Leben“ wies, versucht, das Erbe von Johann Daniel Falk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ganz und gar nicht in Konkurrenz, sondern in puncto Vergleichbarkeit der Herausforderungen und der notwendigen sozialpädagogischen Tätigkeiten: Falk während und nach der Völkerschlacht und Makarenko im Chaos nach der Revolution etwa einhundert Jahre nach Falk.

Aber Veröffentlichungen mit dem Titel: „Einhundert Jahre vor Makarenko“ waren hier offiziell weder erwünscht noch opportun. Paul Saupe biss sich immer wieder auf die Lippen. Aber er hat es doch geschafft, neben einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen eine der wichtigsten und umfassendsten Quellen sogar noch in der DDR zu publizieren: die satirischen Werke von Falk mit dem Titel „Die Prinzessin mit dem Schweinerüssel – Lustspiele, Gedichte, Publizistik“. Deswegen war Paul Saupe bis zur letzten Jahrhundertwende der wohl wichtigste Falkforscher überhaupt, weil er schon vor Jahren unbekannte Quellen erschloss.

Der Beginn der Rettungshausbewegung nach der Völkerschlacht wurde einst meistens Johann Hinrich Wichern zugeschrieben, dem Gründer der Inneren Mission und des Rauen Hauses in Hamburg. Es war Paul Saupe, der uns mit Wicherns persönlichen Texten wissen ließ , dass das erste Rettungshaus der Lutherhof in Weimar war. Er nennt Falk deshalb den Gründer der Bewegung. Es zeigte zudem, wie die 40-jährige Trennung der Deutschländer bis 1989 zu geschichtlichen Verzerrungen beigetragen hat.

Als das große Haus im Lutherhof denkmalspflegerisch gründlich untersucht und begutachtet wurde, schrieben Paul Saupe und ich ein „sozial-kulturelles Gutachten zur Bedeutung des Lutherhofs und des Falkheimes. Wir hätten beide Häuser gern als eine Fortführung speziell sozialer Dienste gesehen, aber alternativ auch zentrale Räume im Lutherhof empfohlen. Sie wurden dem jetzigen Falkverein der Freunde in der Not dann tatsächlich zur Verfügung gestellt.

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