Feuerwehr wächst aus ihrem Fahrzeug

Ettersburg.  Ettersburgs Gemeinderat hat den Haushalt für 2020 verabschiedet – mit wesentlich höheren Investitionen als noch 2019.

Auch bei etlichen Dorffesten war Ettersburgs Kleinlöschfahrzeug als Kulisse im Einsatz.

Auch bei etlichen Dorffesten war Ettersburgs Kleinlöschfahrzeug als Kulisse im Einsatz.

Foto: Jens Lehnert

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Es gibt unerfreulichere Gründe für eine Gemeinde, Geld auszugeben. Es ist erst zwei Jahre her, da zählte Ettersburgs Feuerwehr nur noch drei Einsatzkräfte. Inzwischen sind in den Reihen der Wehr zumindest wieder acht Aktive zu finden.

Der Zuwachs bringt jedoch Handlungsbedarf mit sich. Im Einsatzfahrzeug der Ettersburger, einem „Kleinlöschfahrzeug Thüringen“ aus den 90er-Jahren, haben nur fünf Passagiere inklusive des Fahrers Platz. Außerdem, so weiß Bürgermeister Jens Enderlein, entspricht das KLF auch von den Zulademöglichkeiten her nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Deshalb will die Gemeinde für ihre Wehr ein Ersatzfahrzeug anschaffen. Das Geld, um sich zumindest auf dem Gebrauchtwagenmarkt umschauen zu können, segnete der Gemeinderat am Dienstagabend mit dem Beschluss des diesjährigen Haushaltsplanes ab. „Wenn wir ein Fahrzeug finden, das unseren Vorstellungen entspricht, können wir zuschlagen. Allerdings ist der Kauf in diesem Jahr noch kein Muss“, so Enderlein.

Investieren will Ettersburg auch in die Errichtung einer Leichtbauhalle auf der Freifläche gegenüber dem Pflegeheim. Dort will die Gemeinde künftig Inventar lagern, das in einer unbeheizten Halle stehen kann, Baustoffe und Technik zum Beispiel. Geld ist ebenso nötig, um dem Wunsch mehrerer Bürger im Dorf nachzukommen, auf dem Friedhof eine teilanonyme Grabstätte einzurichten, also eine „grüne Wiese“ mit Namenstafeln.

Auch Planungskosten sind im Ettersburger Haushalt eingestellt. Um die Grundlagen zu erfüllen, auch in Zukunft Fördermöglichkeiten nutzen zu können, will sich die Gemeinde einen Flächennutzungsplan geben. Und schließlich beinhaltet der Etat auch Ausgaben für den Erhalt von Straßen und Gehwegen. Diese Dienstleistungen möchte die Gemeinde mit Hilfe eines über zwei Jahre laufenden Rahmenvertrages künftig von einer einzigen Firma ausführen lassen. „Das könnte es uns ersparen, jede Reparatur extra auszuschreiben“, so der Bürgermeister.

Insgesamt hat Ettersburgs Haushalt fürs laufende Jahr einen Umfang von rund 860.000 Euro. Immerhin 128.000 Euro davon finden sich im Vermögenshaushalt. Das sind etwa 60.000 Euro mehr zum Investieren als im Vorjahr. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren gut gewirtschaftet. Da ist es auch einmal Zeit, sich etwas zu leisten“, sagte Enderlein. Ettersburg sei finanziell gut durch 2019 gekommen, wenngleich die Schlussrechnung der Landgemeinde am Ettersberg für die ihr übertragenen Verwaltungsdienste noch nicht amtlich sei. Und auch in den nächsten zwei bis drei Jahren sei das Wirtschaften für die Gemeinde noch absehbar gut möglich.

Dennoch deuten sich schon jetzt Schieflagen an, die ihre Ursache nicht bei der Gemeinde haben. „In diesem Jahr müssen wir 30.000 Euro mehr Kreisumlage zahlen. Dafür weist uns das Land jedoch 10.000 Euro weniger zu“, weiß Enderlein. In Summe müsse die Gemeinde 210.000 Euro an den Kreis abführen. Dem gegenüber stünden aber nur 195.000 Einnahmen vom Freistaat.

Dieses Ungleichgewicht setze sich für Ettersburg auch bei den Kinderbetreuungskosten fort. Das Land gewähre hierfür 64.000 Euro. Tatsächlich müsse die Gemeinde, die selbst nicht über einen Kindergarten verfügt, rund 270.000 Euro für die Kita-Betreuung ihrer Kinder zahlen.

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