„Genius Loci“ verwandelt Weimar in ein Meer aus Licht und Sound

Weimar  Neben den drei Hauptspielorten sorgten auch die vielen Nebenschauplätze des Fassadenfestivals für Begeisterung

Jonas Denzel ließ riesige Hände auf der Fassade des Bauhaus-Museums spielen, die sich gegen Ende in einem roten Farbenmeer aufzulösen schien.

Jonas Denzel ließ riesige Hände auf der Fassade des Bauhaus-Museums spielen, die sich gegen Ende in einem roten Farbenmeer aufzulösen schien.

Foto: Maik Schuck

Das achte Festival „Genius Loci – make walls talk“ hat die Weimarer Innenstadt an den vergangenen drei Abenden atemberaubend in Licht und Sound getaucht. Es bot zugleich neben den drei Hauptspielorten DNT, Mon Ami und Bauhaus-Museum mit zehn Nebenschauplätzen so viele wie nie zuvor. Möglich wurde dies durch das Sponsoring der Firmen Logando und Rebeam. Sie hatten kostenlos Projektoren gestellt, die das Festival sonst bis zu 30.000 Euro gekostet hätten, sagte Festivalleiter Hendrik Wendler im Gespräch mit unserer Zeitung.

Besonders faszinierte die Abertausenden Besucher, wie die ungarische Gruppe Fénykasaula die Karl-Liebknecht-Straße von der Musikschule Johann Nepomuk Hummel bis zur Milchbar-Kreuzung verwandelt hatte. Sie projizierte unzählige stehende bunte Bilder auf die Fassaden der Häuser und schuf so eine verspielt-schöne Atmosphäre auf der Straße, die sie bei Tageslicht und auch sonst nachts niemals ausstrahlt. Dementsprechend wurde die Meile zum begehrten Objekt für Erinnerungsfotos und Selfies.

Einen kleinen Steinwurf entfernt, auf dem ansonsten an allen drei Abenden stock finsteren Unesco-Platz zwischen Weimarhalle und Schwanseestraße, schuf „Infinity Gate“ mit einer Lichtinstallation eine Open-Air-Partyzone , die die Menge an begeistert tanzenden Menschen kaum fassen konnte. Ruhiger ging es im Weimarhallenpark zu, wo die Seebühne mit audio-visuellen Performances und Projektionen bespielt wurde.

Das achte Festival hatte Freitag im Dauerregen begonnen – bei dem dennoch alle Projektoren durchhielten. Als Ideal für sie erwies sich das Bauhaus-Museum, wo Jonas Denzel bei „The Shape of Sound“ unter anderem überdimensionale Hände auf der Fassade Klavier oder Percussion spielen ließ. Es dauerte nicht lange, bis das Publikum ihrer Aufforderung folgte und im vorgegebenen Takt mitklatschte. Auf eine bildgewaltige Projektion mit fantastischen Welten setzten Laura Seitz und Daniel Pitts mit der Projektion „Reverse Imagination“ am Mon Ami .

Am Nationaltheater faszinierten die Gruppen „ruestungsschmiede.de“, die zu den angesehensten Künstlern ihrer Art weltweit gehören, und „Soundselektor“ mit „Remake³“. Sie warnten das Publikum wegen der Lichtblitze aus dem Stroboskop vor Epilepsiegefahr, hatten aber vor allem eine klare politische Botschaft an dem geschichtsträchtigen Haus: gegen Nazis und Rechtspopulisten. Gegen den Absturz des Systems helfe nur eine andere Haltung.

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