Helmut Besser: Ich bin ein Pantomime und ein Macher

Tiefthal. Helmut Besser (Freie Wähler) kennt keine Langeweile. Er kandidiert im Wahlkreis Erfurt-Weimar-Grammetal.

Er malt und schnitzt, ist gern kreativ. Helmut Besser hat Haus und Hof zum Künstlerhaus umgebaut und auch das Tiefthaler Kunstfest initiiert. Foto: Lydia Werner

Er malt und schnitzt, ist gern kreativ. Helmut Besser hat Haus und Hof zum Künstlerhaus umgebaut und auch das Tiefthaler Kunstfest initiiert. Foto: Lydia Werner

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Langeweile kennt er nicht. Er malt, schnitzt und nutzt andere Möglichkeiten, kreativ zu werden. Und es gibt immer irgendetwas zu werkeln und zu reparieren. So kommt es, dass das Kunsthaus in Tiefthal, ein Hof mit Atelier und Veranstaltungen, nicht nur mit Werken seiner Frau Monika, sondern auch mit den seinen gemütlich eingerichtet ist.

Helmut Besser ist 62 Jahre alt, Erfurter Stadtrat der Freien Wähler und deren Direktkandidat im Wahlkreis 193. Außerdem ist er Ortsteilbürgermeister von Tiefthal. Vor allem ist der gebürtige Bochumer und studierte Politikwissenschaftler einer, der seine Leidenschaft vor beinahe 40 Jahren zum Beruf machte.

"Clown Helmi" konnte seine Reiselust mit der Begeisterung für Pantomime und Clownerie sowie das Kennenlernen von Menschen verbinden. Er ist in Thüringen sesshaft geworden, weil er bei einer Veranstaltung im Haus Dacheröden in Erfurt vor mehr als 20 Jahren seine heutige Frau kennenlernte.

Was ihm schon als frisch studierter Politikwissenschaftler klar war: Nur am Schreibtisch im Büro zu sitzen, ist nicht sein Ding. Besser Traum war einmal, Diplomat zu werden. Da muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er sich als diplomatisch einschätzt. "Ich finde es schon wichtig, auf einen Konsens, eine Einigung hinzuzielen", sagt er. Ob das diplomatisch sei, müssten andere beurteilen.

Tiefthal ist seit 20 Jahren sein Zuhause. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er so lange am Stück an einem Ort ausgehalten. "Was natürlich unbedingt für Tiefthal und Erfurt spricht", findet er. Es war aber seine Frau, die es dringend wieder in die Heimat zog, als das Künstlerpaar seinen Lebensmittelpunkt kurzzeitig anderswo angelegt hatte. Sie suchten per Inserat ein an- und umbaufähiges Haus - und fanden es in Tiefthal.

Weil er schnell durch kulturelle Aktivitäten und das Bündeln künstlerischer Kraft auffiel, wurde dort auch der Grundstein seines kommunalpolitischen Engagements gelegt. Er gelangte in den Ortschaftsrat, war bald Vize-Ortsteilbürgermeister, und dann Ortsteilbürgermeister.

Im Jahr darauf gründete sich aus der Bewegung "Bürger für Erfurt" der Verein der Freien Wähler. Besser war daran beteiligt, schaffte bei den Kommunalwahlen 2009 mühelos den Einzug in den Erfurter Stadtrat,.

Helmut Besser sagt über sich: "Ich bin ein Pantomime und ein Macher", sagt er über sich. "Während ich noch rede und rede, steht er auf, nimmt das Werkzeug und macht", bestätigt seine Frau Monika. Dazu passt sein Slogan "Besser machen".

Mitgestalten ist ihm ein tiefes Bedürfnis. "Wenn man es schafft, dass sich Dinge verändern, sie in Bewegung zu bringen, wenn andere sagen ‚Das geht nicht!‘, das ist befriedigend." Bloß am Stammtisch zu schimpfen, bringe nichts voran.

Mit einem Einzug in den Bundestag ließe sich ein Stadtratsmandat nicht mehr vereinbaren. Auch ein Ortsteilbürgermeister hätte es mit einem Standbein in Berlin schwer. "Man muss einiges aufgeben, um etwas Neues zu beginnen", sagt er. Zudem sei man mit dem ICE in anderthalb Stunden in Berlin. Die Realitäten dürfe man auch nicht außen vor lassen. Derzeit spielten die Freien Wähler in bundesweiten Umfragen keine Rolle, obwohl sie regional eine große politische Kraft darstellen.

Wer kommunale Arbeit leistet, weiß, wo die Städte und Gemeinden der Schuh drückt: "Bei vielen Problemen überträgt der Bund die Aufgaben an die Kommunen und lässt sie dann finanziell im Regen stehen. Da muss sich was ändern", beschreibt Besser, wie er sich für die Unterstützung der Kommunen einsetzen würde. "Das Gejammere, es sei kein Geld da, kann ich nicht akzeptieren. Wir sind ein reiches Land. Aber wir müssen die Prioritäten anders setzen, uns nicht als Weltpolizei aufspielen." Prekäre Arbeitsverhältnisse, Gesundheitsvorsorge, Bildung, Kulturpolitik und demografische Entwicklung sind Themen, bei denen er dringend Handlungsbedarf sieht.

Für den Wahlkampf hat er keinen Hubschrauber zur Verfügung. Finanzen sind begrenzt, jedenfalls nicht mit denen politischer Gegner zu vergleichen. Dennoch beschränkt Helmut Besser sich nicht auf Infostände oder Aktionen auf Festen. Er lädt die Menschen zu sich nach Hause ein: Dort kann man ihn am 15. September, nachmittags beim Kaffeetrinken, "besser" kennenlernen und zu seinen politischen Zielen befragen.

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