Hinhalte-Taktik von Bofill zieht nach zwölf Jahren nicht mehr

Weimar.  Oberbürgermeister sieht beim Haus der Frau von Stein keine Verhandlungsbasis mehr. Auch letzte Frist für den Start des Museums ist verstrichen.

Zur Museumsnacht im Vorjahr führte Investor Juan Javier Bofill (3. von rechts) Interessierte durch das Haus der Frau von Stein. Nach zwölf Jahren will die Stadt den Kaufvertrag jetzt endgültig abwickeln.

Zur Museumsnacht im Vorjahr führte Investor Juan Javier Bofill (3. von rechts) Interessierte durch das Haus der Frau von Stein. Nach zwölf Jahren will die Stadt den Kaufvertrag jetzt endgültig abwickeln.

Foto: Susanne Seide

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„Es wird keine weitere Frist geben. Das schließe ich aus.“ Vielmehr ist Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine jetzt fest entschlossen, den Kaufvertrag für das Haus der Frau von Stein mit dem Investor Juan Javier Bofill rückabzuwickeln. Kleine will damit glaubwürdig bleiben und das umsetzen, was er im Vorjahr bereits im Stadtrat gesagt hatte: Der letzte gewährte Nachtrag zum Vertrag werde der letzte sein. „Als Stadt ist uns wichtig, dass das Haus wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird“, sagte der Oberbürgermeister.

Seines Wissens ist es die erste Rückabwicklung eines Kaufvertrages mit der Stadt in diesen Dimension. Ihm sei nur der Fall eines Gewerbegrundstücks bekannt, bei dem das Verfahren aber im Einvernehmen abgeschlossen wurde, weil dem Investor das Geld für die vereinbarten Investitionen ausgegangen sei.

Letzter Stein des Anstoßes beim Haus der Frau von Stein war, dass der Museumsbetrieb nicht wie vereinbart zum 2. Januar aufgenommen wurde, ergänzte der Oberbürgermeister am Mittwoch seine kurze Ankündigung zur Rückabwicklung beim Neujahrsempfang (unsere Zeitung berichtete).

Zuvor hatte die Stadt im August noch einmal entschieden, sich ruhig zu verhalten, obwohl da bereits eine Frist verstrichen war: Bis zum 1. Juli waren nicht – wie vereinbart – der Einbau und Betrieb von Haustechnik, Sanitäranlagen, Heizungsanlage, Fahrstuhl sowie Wasser- und Abwasseranschluss erfolgt. Weil Bofill wegen der negativen Presse zunehmend Probleme gehabt haben soll, Firmen zu binden, wurde die neuerliche Verspätung von der Stadt nicht in die Öffentlichkeit getragen – in der Hoffnung, dass am Ende wenigstens die Museumseröffnung im Januar zustande kommen würde.

Doch seit dem Sommer wurden bis auf den Fahrstuhlbauer kaum Firmenfahrzeuge am Haus gesichtet. Auch Kontakt zum Investor gab es nach Kleines Angaben nicht mehr.

Als ersten Schritt zurück in den städtischen Besitz will sich der Oberbürgermeister voraussichtlich bereits am 29. Januar vom Stadtrat den Weg der Rückabwicklung legitimieren lassen. Wie lange der Prozess an sich dauert, bei dem die Stadt auf jeden Fall einen Anwalt einschalte, lasse sich noch nicht absehen und hänge von der Kompromissbereitschaft des Noch-Besitzers ab. Im schlimmsten Fall könne sich die Rückabwicklung aber über Jahre hinziehen.

Unstrittig ist die Kaufsumme von 325.000 Euro. Festgelegt zudem eine Vertragsstrafe von 300.000 Euro dafür, dass das Museum nicht am 2. Januar eröffnet wurde. Das Geld liegt allerdings nicht aus einem Extra-Konto, sondern muss von Bofill eingefordert werden. Wichtig ist zudem die Summe der Investitionen, die Kleine auf 1,5 bis 2 Millionen Euro schätzt. Daran bemisst sich die Höhe der Entschädigung, die dem Investor zusteht. Kleine befürchtet daher, dass es darüber mit der Gegenseite zum ersten Streit kommen werde.

Letztlich wird die Stadt die Immobilie nicht behalten, sondern einen neuen Investor suchen. Anfragen habe es bereits gegeben. Gewiss sei aber, dass die Immobilie nicht „zum Schnäppchenpreis zu haben sein wird“.

Der neue Besitzer muss die vertraglich fixierte Nutzung für das Haus der Frau von Stein übernehmen: Museum, Café und Pensionsbetrieb. Eines soll ihn allerdings eklatant von Bofill unterscheiden: „Nächstes Mal ist das jemand, den wir kennen.“

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