Ihre Bekenntnis- Bilder galten bei den Nazis als „entartet“

Weimar  Vor 40 Jahren ist Tina Bauer-Pezellen in Weimar gestorben. Sie gehörte seinerzeit zu den bedeutendsten Künstlerinnen in Thüringen

Nach ihrem Tod am 11. August 1969 wurde Tina Bauer-Pezellen auf dem Friedhof in Oberweimar beigesetzt

Nach ihrem Tod am 11. August 1969 wurde Tina Bauer-Pezellen auf dem Friedhof in Oberweimar beigesetzt

Foto: Susanne Seide

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Tina Bauer-Pezellen wurde am 9. Januar 1897 in Cattaro in Dalmatien geboren und gehörte bei ihrem Tod vor 40 Jahren in Weimar zu den bedeutendsten Künstlerinnen Thüringens. Sie entwickelte sich nach anfänglicher Orientierung am Wiener Expressionismus über Versuche in der Neuen Sachlichkeit bis zu einem sozialkritischen Verismus mit Anlehnung an Käthe Kollwitz. Die von den Nazis als „entartet“ diffamierte Künstlerin entschied sich nach 1945 für die DDR und die Herausbildung eines neuen Realismus.

Eine zentrale Rolle in ihrem Schaffen spielten lebenslang die Kinder. Viele ihrer Bilder tragen künstlerisch und politisch bekenntnishafte Züge. Die Zeichnerin, Grafikerin und Malerin hinterließ außer ihren 11 gezeichneten Kinderbüchern rund 200 Arbeiten, die heute vor allem in den Museen der neuen Bundesländer zu sehen sind. Die Palette reicht vom Schlossmuseum in Arnstadt, dem Thüringer Museum in Eisenach sowie dem Angermuseum in Erfurt über die Kunstsammlungen in Weimar sowie die Staatliche Galerie Moritzburg in Halle bis zur Galerie für Junge Kunst in Frankfurt/Oder.

Ihre Heimatstadt gehörte bei der Geburt von Tina zur k.u.k. Monarchie der Habsburger in Österreich-Ungarn. Sie studierte ab 1917 in Wien und dann in München. Das Erlebnis der Kriegsfolgen und besonders der städtischen Armut weckte frühzeitig eine gesellschaftskritische Haltung. Sie weilte relativ oft in den Armen- vierteln sowie in Waisenhäusern, zeichnete das angetroffene Elend und orientierte sich in ihrer Bildsprache an ihre frühen Vorbilder Oskar Kokoschka sowie Egon Schiele. Ihre bevorzugten Modelle waren Arbeiter, Tagelöhner, Bettler, verhärmte Frauen und ganz besonders die Kinder, die in Not und Elend aufwuchsen. Aus der kritischen Anteilnahme erwuchs der Protest gegen eine Gesellschaft, die solche Not zulässt.

1931 ließ sich Tina Pezellen schließlich als freiberufliche Künstlerin in München nieder. Sie schuf überaus ausdrucksstarke Bilder und besuchte Vorlesungen bei Max Doerner. Viele Kunstkritiker halten ihre Münchner Werke für ihren schaffensmäßigen Höhepunkt. Dazu gehören Arbeiten wie „Kinderspielplatz“, das in den Weimarer Kunstsammlungen zu sehen ist. Aber dann kamen 1933 die Nazis an die Macht, die die Kunst von Tina Pezellen als „entartet“ einstuften und ihr Schaffen drastisch einschränkten, was einem Berufsverbot entsprach. 1935 heiratete sie den Kunstfotografen Siegbert Bauer, mit dem sie 1937 nach Weimar zog. Die Malerin trat in engen Kontakt zum Malerkollegen Alfred Ahner, der mit den Nazis ebenfalls nichts im Sinn hatte.

Tina Bauer-Pezellen verlor 1944 ihren Mann, der an der Front fiel, überstand den Krieg und bekannte sich nach 1945 zu einem neuen Realismus, der den politischen Neuanfang begleiten sollte. Wieder standen Kinder im Mittelpunkt, die sie vor den Klassikerstätten Weimars ins Bild setzte. Das reichte von der Einbeziehung von Goethes Gartenhaus über Schloss Belvedere bis zur Schneeballschlacht vor dem Römischen Haus. Die Kinder wurden nun lebensfroh, lockerer und mit größerer Farbigkeit dargestellt.

Die Künstlerin hatte in der DDR zahlreiche Ausstellungen, erhielt 1973 den Kunstpreis der Stadt Weimar, arbeitete bis zuletzt und verstarb am 11. August 1979 in ihrer Wahlheimat. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Friedhof in Oberweimar.

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