Weimarer Menschenrechts-Preisträger ist Kandidat für Friedensnobelpreis

Weimar  Bekanntgabe erfolgt am Freitag. Der Weimarer Menschenrechtspreisträger ist auch für den Sacharow-Preis nominiert und wurde vom Europarat ausgezeichnet.

Ilham Tohti, hier 2010 in Peking, wurde 2014 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ilham Tohti, hier 2010 in Peking, wurde 2014 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Foto: Frederic J. Brown/DPA

Die Spannung steigt. Gerade erst hat das Europäische Parlament den Weimarer Menschenrechts-Preisträger von 2017, Ilham Tohti, für den diesjährigen Sacharow-Preis nominiert. Am morgigen Freitag verkündet das Nobel-Komitee, wer den Friedensnobelpreis erhält. Auch dafür gilt der seit 2014 in China zu lebenslanger Haft verurteilte Uigure als aussichtsreicher Kandidat. Für den Nobelpreis vorgeschlagen hatte ihn eine parteiübergreifende Gruppe in den USA, zu der der hierzulande sehr bekannte Senator Bernie Sanders gehört. Er unterlag 2016 im Rennen der Demokraten um die Präsidentschafts-Kandidatur Hillary Clinton.

Der Sacharow-Preis wird seit 1988 jährlich vom Europäischen Parlament an Menschen verliehen, die sich „in besonderer Weise für die Menschenrechte eingesetzt haben“. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 18. Dezember in Straßburg verliehen.

Bereits Ende September war Ilham Tohti mit dem ebenso renommierten und mit 60.000 Euro dotierten Vaclav-Havel-Preis des Europarats ausgezeichnet worden. Diesen teilte er sich mit der Jugendinitiative für Menschenrechte im Balkan.

Der angesehene Wirtschaftsprofessor Ilham Tohti setzt sich seit 2006 beharrlich für die wirtschaftliche, politische und kulturelle Gleichbehandlung der uigurischen Minderheit ein. Nur sporadisch erhält die Stadt Weimar von der Ilham-Tothi-Initiative und der Gesellschaft für bedrohte Völker Informationen darüber, wie es ihm in der Haft ergeht, berichtete auf Anfrage unserer Zeitung die Ausländerbeauftragte Ulrike Schwabe. Dass sein Name derzeit in vielerlei Munde ist, hänge nach Recherchen der Stadt mit den Berichten über die Demonstrationen in Hongkong zusammen und damit, dass in China immer wieder Intellektuelle aus politischen Gründen verhaftet und verurteilt werden würden.

Ähnlich wie in Weimar zeigte sich die chinesische Regierung bei den anderen Preisen, die Ilham Tohti erhalten hat oder für die er nominiert worden ist, brüskiert darüber, dass so „Terrorismus“ unterstützt werde. Ob sie daher wirklich die entsprechende Weimarer Internet-Seite attackieren ließ, ist unklar. „Der angebliche Hackerangriff wurde nie bestätigt. Laut Aussage des ehemaligen Betreibers der Seite hatte er ein massives Serverproblem, das dazu führte, dass die Website nahezu zerstört wurde“, so Ulrike Schwabe. Die Seite sei inzwischen auf die Stadt Weimar übertragen worden und müsse komplett neu gestaltet und aufgebaut werden.

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