Jul steigt in Seniorenarbeit ein

Schöndorf.  Gemeinnütziger Träger will an seinem Sitz in Schöndorf ab kommendem Jahr betreutes Wohnen anbieten

Endspurt beim Anbau der Jul. Sie will den Komplex, zu dem ein Zwischentrakt und der weiße Altbau gehören, künftig selbst für betreutes Wohnen nutzen.

Endspurt beim Anbau der Jul. Sie will den Komplex, zu dem ein Zwischentrakt und der weiße Altbau gehören, künftig selbst für betreutes Wohnen nutzen.

Foto: Michael Baar

Der überraschende Auszug des bisherigen Mieters aus dem Gebäude am Teich der Jul im Sommer eröffnet dem freien Träger ein vollkommen neues Geschäftsfeld. Er will auf dem Gelände des Alten Gutes in Schöndorf ab dem kommenden Jahr selber betreutes Wohnen für Senioren anbieten. Das sagte Geschäftsführer Matthias Labitzke auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Jul-Tochter und selbstständige Immobiliengesellschaft Novis Service & Facility hatte im Dezember 2018 den Spatenstich für den Anbau an das Bestandsgebäude vollzogen. Seinerzeit war das Ziel, für rund 1,1 Millionen Euro mehr Platz für das betreute Wohnen des damaligen Mieters Vital 99 zu schaffen.

Die Erweiterung entlang der Wohlsborner Straße ist durch einen Zwischenbau mit dem Altbau verbunden. Der Mitteltrakt ermöglicht zugleich den barrierefreien Zugang zu den beiden Häusern.

Nicht zuletzt durch Corona verliefen die Bauarbeiten deutlich schleppender als geplant. Der rund 400 Quadratmeter große Neubau sollte ursprünglich bereits Anfang dieses Jahres fertiggestellt sein. Dann zog er sich bis in die Zeit des Pandemie-Ausbruchs hin, was für erhebliche Verzögerungen gesorgt hatte. Einerseits konnte der Architekt aus Berlin nicht mehr anreisen. Andererseits blieben alle Arbeiten, die in beiden Gebäudeteilen ausgeführt werden mussten, beispielsweise der Heizungsbau, liegen. Hintergrund: Wie andere Senioreneinrichtungen auch blieb das Haus für Besucher und auch für Handwerker verschlossen. Die Fertigstellung steht nun aber für spätestens Ende November ins Haus.

Im Juli kam die Nachricht, dass der bisherige Mieter ausgezogen ist. Er hatte das einstige Hotel seit dem Jahr 2012 für betreutes Wohnen genutzt. Im Nachgang hatten sich bereits mehrere Interessenten bei der Jul gemeldet, die die Immobilie für diese Zwecke oder für die Kinder- und Jugendhilfe weiter nutzen wollten. Von Anbeginn aber stand auch die Idee im Raum, sie selber zu verwenden.

Diese Vorstellung setzte sich durch. Matthias Labitzke hat ein kleines Team zusammengestellt, mit dem er mit Hochdruck am Aufbau des neuen Geschäftsfeldes arbeitet, sagte der Geschäftsführer. Zeitdruck aber gebe es nicht. Ziel sei, die Einrichtung im kommenden Jahr zu eröffnen. Sie solle klassisches betreutes Wohnen bieten, also das Einmieten samt beispielsweise hauswirtschaftlicher Unterstützung. Für den ersten Schritt sei es denkbar, dass die Jul sich einen Partner für den Pflegedienst mit ins Boot hole. Auf jeden Fall laufe das Haus separat und professionell ohne Mithilfe der Jul-Jugendlichen. Berührungspunkte würden aber beispielsweise in den Werkstätten entstehen: Diese sollen sich auch für rüstige Senioren öffnen, die dort ihren Hobbys nachgehen oder Neues lernen können. Ebenso kann sich Labitzke Kochkurse für die jungen Leute unter Anleitung der betagten Bewohner vorstellen.

Wurzel der 1991 gegründeten gemeinnützigen Jul GmbH ist die Förderung von benachteiligten jungen Leuten, um ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dazu dient die Berufsvorbereitung in den Bereichen Holz- und Farbtechnik, Bautechnik und unter anderem Hauswirtschaft. Vor allem aber ist die Jul von Weimar aus zum Träger von 65 Kindergärten und Horten in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und München geworden.