Masken-Attest in Apotheken: Fall aus Weimar zeigt schwierigen Umgang

Weimar.  Kammer-Experten schwanken bei einem Fall aus Weimar zwischen Pflicht zur Versorgung und verständlicher Angst vor Infektionen von Personal und Kunden.

Der Weimarer Apotheker Stefan Fink, hier eine Aufnahme aus dem Februar dieses Jahres, ist Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes.

Der Weimarer Apotheker Stefan Fink, hier eine Aufnahme aus dem Februar dieses Jahres, ist Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes.

Foto: Michael Baar

Darf eine Apotheke mit Verweis auf ihr Hausrecht einer Kundin den Zutritt verwehren, die wegen mehrerer chronischer Erkrankungen nach eigenen Angaben weder eine Mund-Nase-Bedeckung noch ein Plastevisier tragen und das per Attest belegen kann? Genau das passierte einer 72-jährigen Leserin unserer Zeitung in einer Weimarer Apotheke. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Apotheke macht von Hausrecht Gebrauch

Das Attest, schilderte die Frau, habe in der zu dieser Zeit sonst kundenfreien Apotheke niemanden interessiert. Eine Mitarbeiterin habe sie gar nicht bedienen wollen, die andere „nahm widerwillig mein Rezept und sagte mir, ich solle draußen darauf warten“. Sie erhielt dann, auf einem Schaufenstersims sitzend, ihre Medikamente und nach eigenen Angaben den Hinweis: Die Apotheke werde von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, die alte Dame dürfe sie ohne Mund-Nase-Bedeckung nicht mehr betreten. „So eine heftige Diskriminierung hatte ich bisher ein keiner Weimarer Apotheke erfahren. Selbst in der kleinen Nord-Apotheke wurde anstandslos mein Attest anerkannt“, so die Schilderung.

In einer ersten Reaktion sah Stefan Fink, Besitzer der Schöndorfer Classic-Apotheke und Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes, trotz der in Weimar geltenden Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in allen medizinischen Einrichtungen keine Handhabe für die Apotheke – sofern es sich um ein echtes Attest handele und dies auch vorgezeigt werden könne. Er jedenfalls handele in den seltenen Fällen, in denen Kunden ohne Schutz, aber mit Bescheinigung in seine Apotheke kommen, entsprechend und lasse sich das Attest zeigen. Für deutlich gefährlicher halte er es, entsprechende Kunden am Notfallschalter zu bedienen. Dort komme man sich viel zu nahe. Im Falle einer bestehenden Corona-Infektion im Umfeld der Kunden mahnte Stefan Fink dringend, die Apotheke per Telefon über einen bevorstehenden Besuch zu informieren, damit diese die Beratung mit Schutz ins Freie verlegen können.

Landesapothekerkammer sieht es zwiegespalten

Die Landesapothekerkammer, die Stefan Fink für eine Beurteilung mit ins Boot holen wollte, sieht es zwiegespalten. Es falle schwer, sich eine Krankheit vorzustellen, die das Tragen eines Visiers unmöglich macht, so die Einschätzung. Allerdings sei die Apotheke grundsätzlich verpflichtet, die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung zu sichern. Andererseits könnten Gewerbetreibende und damit auch Apotheker zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie die Maskenpflicht in ihren Geschäftsräumen nicht durchsetzen. Zudem bestehe die berechtigte Sorge, dass Menschen, die keine Masken tragen, ihre Mitmenschen gefährden. Gerade in Apotheken könne eine unentdeckte Infektion eine Gefahr für jeden weiteren, im Zweifelsfall kranken Kunden bedeuten.

Für eine Lösung des Problems hat die Kammer zwei Vorschläge. Die Dame könne sich einen Schal vor Mund und Nase ziehen, „wie sie das im Winter bei eisigem Wind vermutlich auch tut“. Die Apotheke wiederum könne Menschen ohne Maske freundlich auf einen Stuhl vor der Tür hinweisen und bitten, sich über die Notdienstklingel bemerkbar zu machen. „Inwieweit der Verweis aus der Apotheke vom Hausrecht gedeckt war, können wir nicht abschließend beurteilen,“ so die Landesapothekerkammer.

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