„Klimabäume“ für Weimar statt heimischer Leitbaumarten

Weimar  Baumleitplanung wird den Arten-Schwerpunkt auf Baumarten aus Kontinental-Klimazonen verschieben

Im Umfeld des neuen Bauhaus-Museums stammen bereits die meisten neuen Bäume aus Nordamerika und Asien.

Im Umfeld des neuen Bauhaus-Museums stammen bereits die meisten neuen Bäume aus Nordamerika und Asien.

Foto: Susanne Seide

Die Baumsorten im öffentlichen Raum in Weimar werden sich in den kommenden Jahren sichtbar verändern. Notwendig sind nach Ansicht der Stadtverwaltung Baumarten und -sorten mit hoher Toleranz gegen Stressfaktoren, wie beispielsweise Trockenheit, Temperaturextreme oder auch Streusalz. Solche Eigenschaften sollen beim Gestalten städtischer Freiräume künftig entscheidende Bedeutung haben.

Diese Grundsätze werden in Weimars neue Baumleitplanung eingehen, mit der im dritten Quartal dieses Jahres begonnen werden sollte. Die Beigeordnete Claudia Kolb hatte die Überarbeitung im April dieses Jahres auf eine Anfrage der Bündnis-Grünen im Stadtrat angekündigt. Wie die Grünen das Thema „Klimanotstand“ bereits in der nächsten Woche erneut auf die Tagesordnung heben wollen, so ist auch ein Nachhaken zur Baumleitplanung zu erwarten.

Das „Konzept heimischer Leitbaumarten“ müsse grundsätzlich überarbeitet werden, war die Stadtverwaltung bereits im Frühjahr sicher. Der Schwerpunkt des Artenspektrums werde sich voraussichtlich in Richtung von Arten verschieben, die in kontinentalen Klimazonen beheimatet sind. Beachtet werde zudem die Anfälligkeit oder Widerstandskraft gegenüber den immer zahlreicher auftretenden neuartigen Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. Schon jetzt setzt das Grünflächen- und Friedhofsamt verstärkt auf sogenannte „Klimabaumarten“.

Die Baumleitplanung soll Empfehlungen für zukunftsfähige Baumarten im Stadtgebiet erarbeiten und dabei nach verschiedenen Standorttypen differenzieren. Diese Informationen will die Verwaltung nicht nur für die eigene Pflanzstrategie verwenden, sondern sie auch den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt zugänglich machen, „damit sich diese informieren können, um den richtigen Baum für ihre Hausgärten zu finden“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage im Stadtrat.

Die nur formal noch gültige Baumleitplanung der Stadt Weimar stammt aus dem Jahr 2002. „Damals hatte ein Landschaftsarchitekturbüro straßenzuggenau dargestellt, welche Bäume vorhanden sind und wie die Standort- und Bodenbeschaffenheiten aussehen. Außerdem wurden relativ globale Zielvorstellungen für die weitere Durchgrünung Weimars vorgelegt“, hatten die Grünen mit ihrer Anfrage erinnert. Die 2002 empfohlenen Baumarten entsprächen vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels aber den aktuellen Erkenntnissen nicht mehr.

Die neue Baumleitplanung wird im ersten Schritt ihren Fokus auf die Straßenbäume richten. Erst danach soll die Bearbeitung auf städtische und sonstige Freiflächen ausgeweitet werden. So will die Verwaltung Prioritäten für Baumpflanzungen in Straßenzügen und Quartieren festlegen, bei denen stadtplanerische und ökologische Belange berücksichtigt werden. Festzulegen seien zudem Flächen für Ausgleichpflanzungen. Für einzelne Straßenzüge oder Quartiere sollen in den folgenden Jahren zudem auf sie zugeschnittene Machbarkeitsstudien erstellt werden.

Jüngstes Kind der Stadtbegrünung ist trotz der jüngsten Kritik das Umfeld des Bauhaus-Museums. Unter den 66 dort angepflanzten Bäumen stammt mit jeweils zehn Rotahornen und Weißeschen sowie neun Scharlacheichen und 16 Japanischen Schnurbäumen der größte Teil aus Asien und Nordamerika.

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