Knapp 300 Pfähle in Weimar-Nord im Boden versenkt

Weimar  Die lautstarken Gründungsarbeiten für den Panoramablick in Weimar-Nord gehen vorfristig zu Ende

Marko Schramm steht seit drei Wochen täglich neben dem 65-Tonnen-Hammer auf der Konsum-Baustelle in Weimar-Nord.

Marko Schramm steht seit drei Wochen täglich neben dem 65-Tonnen-Hammer auf der Konsum-Baustelle in Weimar-Nord.

Foto: Michael Baar

Nur noch in dieser Woche muss die Nordstadt den Sechs-Tonnen-Hammer auf der Konsum-Großbaustelle „Panoramablick“ ertragen. „Die Gründungsarbeiten gehen vorfristig zu Ende“, stellte Konsum-Chefin Sigrid Heberstreit am Dienstag nach der Bauberatung an der Marcel-Paul-Straße erleichtert fest. „Das ist eine gute Nachricht nach den Problemen im Frühjahr. Ich kann den Firmen Züblin, Strabag und Aarsleff nur gute Arbeit bescheinigen.“

Die Zahl der Rammpfähle hat nach Angaben von Björn Adam (Aarsleff Grundbau GmbH) inzwischen die 265 überschritten. Ursprünglich war die Leipziger Spezialfirma mit dänischer Mutter von bis zu 220 der Betonpfähle ausgegangen. Doch der vom Büro Dr. Nottrodt untersuchte Baugrund bestätigte während der Arbeiten dessen dringende Empfehlung zur Rammpfahlgründung. So zeigt die derzeit noch unterschiedliche Länge der aus dem Boden ragenden Betonpfähle, wie unterschiedlich der Baugrund in der verfüllten einstigen Tongrube in Weimar-Nord ausfällt.

Neben dem Tempo der Gründungsarbeiten spricht aus Sicht von Björn Adam auch Wirtschaftlichkeit für die Pfahlgründung. Der Aushub nebenan für die Tiefgarage ist kontaminiert, weil dort die Tongrube jahrelang mit dem Weimarer Straßenkehricht verfüllt wurde.

Die 65-Tonnen-Maschine mit ihrem sechs Tonnen schweren Hammer hat die Betonpfähle zwischen sechs und 15 Metern in den Boden getrieben. Die verwendeten Standardpfähle sind dabei jeweils acht Meter lang und werden bei größerem Tiefenbedarf mit einem zweiten Pfahl gekoppelt, bis sie die errechnete Tragfähigkeit erreicht haben. „Sie stehen dann in der Regel auf Fels“, so Björn Adam.

Bis dahin werden sie vom Hydraulik-Hammer durch die unterschiedlichsten Schichten getrieben. Mal verschwindet der Pfahl nur zentimeterweise im Boden. „Er ist aber auch schon mit einem Rammstoß vier Meter tief abgesackt“, weiß Marko Schramm, der mit Helm und Gehörschutz Tag für Tag direkt neben dem Hammer steht.

In der kommenden Woche werden die Pfähle auf gleichem Niveau gekappt. Einige wenige Pfähle müssen dafür aufbetoniert werden. Die Bauarbeiter legen die Stahlbewehrungen frei, damit eine etwa einen Meter hohe Betonsohle als Grundplatte aufgebaut werden kann.

Am 13. September übernimmt die Köster GmbH die Baustelle für den Hochbau bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Die soll nach den angepassten Planungen in zwei Etappen erfolgen. Im November kommenden Jahres sollen die gewerblichen Einheiten im Erdgeschoss einziehen können. Bis April 2021 sollen die Obergeschosse mit Pflegestützpunkt, pflegerischen Dienstleistungen und Wohnungen fertiggestellt sein.

Interessierte Besucher auf der Baustelle waren am Dienstag Mitglieder des Verbandes Deutscher Betoningenieure. Auf Anregung von Dr.-Ing. Karsten Siewert (Bauhaus-Uni) sahen viele Mitglieder der Regionalgruppe die Rammpfahl-Technologie erstmals auf einer Baustelle in Anwendung.

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