Kraass-Wunsch zum Abschied ist die virtuelle Aufwertung

Weimar  Tag des Geotops in Weimar: Vor allem die Führung durch den Ehringsdorfer Steinbruch findet gute Resonanz.

Lutz Katzschmann führte eine von zwei Besuchergruppen über das archäologisch bedeutsame Gelände des Ehringsdorfer Steinbruchs. 

Lutz Katzschmann führte eine von zwei Besuchergruppen über das archäologisch bedeutsame Gelände des Ehringsdorfer Steinbruchs. 

Foto: Michael Grübner

Die archäologischen Sehenswürdigkeiten der Kulturstadt mit virtueller Begleitung aufwerten – diesen Wunsch hat gestern der Ortsteilbürgermeister von Oberweimar und Ehringsdorf, Karl-Heinz Kraass, am wahrscheinlich letzten „Tag des Geotops“ unter seiner Verantwortung laut werden lassen. „Ich würde mir an allen markanten Punkten der wichtigen Ausgrabungsstätten in Ehringsdorf, Taubach und Süßenborn Tafeln mit QR-Codes wünschen, durch die man per Handy an die notwendigen Informationen geleitet wird, zum Beispiel Vorträge der Fachleute“, so Kraass, als er am Vormittag unter anderem die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnis 90/ Die Grünen) sowie OB Peter Kleine zu einer Führung durch den Travertin-Steinbruch in Ehringsdorf begrüßte.

Die Resonanz war bemerkenswert: Rund 80 Interessierte wollten sich die Anlage ansehen, auf der erstmals 1908 Besiedelungsspuren gefunden wurden, die bis rund 200.000 Jahre zurück reichen. Als fachkundiger Führer war in der ursprünglichen Planung der Jenaer Wissenschaftler Roland Zech eingeplant. „Schade, er kommt aus der aufstrebenden Fachrichtung der geografischen Geologie und hätte da sicher ein paar interessante Aspekte eingebracht“, bedauerte Kraass die drei Wochen zuvor eingegangene Absage wegen einer Dienstreise. Mit dem Geowissenschaftler Peter Frenzel aus Jena sowie Lutz Katzsch­mann von der Landesanstalt für Umwelt und Geologie fand sich allerdings bewährter und kompetenter Ersatz – und die Möglichkeit, die Führung auf zwei Gruppen zu teilen.

Es wurde deutlich, dass der Steinbruch mit seinen steil aufragenden, inzwischen teilweise überwachsenen Wänden immer noch Geheimnisse birgt. Zwar werde kaum noch geforscht, weil auch der Travertin-Abbau nur noch sporadisch erfolge, so Katzschmann. „Trotzdem ist Ehringsdorf noch spannend. Wir wissen immer noch nicht, wie alt die Travertin-Schicht genau ist. Im Herbst wird es dazu noch mal Bohrungen geben.“

Nicht alle Veranstaltungen aus dem umfangreichen Programm fanden eine so große Resonanz. „Den Spaziergang nach der Eröffnung vom Museum für Ur- und Frühgeschichte zum Steinbruch hatte ich mir als richtig großen gemeinsamen Marsch gewünscht, der ein Zeichen für den Verbleib des Museums in Weimar setzt“, so Kraass. Es war allerdings nur eine überschaubare Gruppe, die mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Hartung diesen Weg nahm. Die vom RFV „Die Löwen“ geleitete Radtour mit Zwischenstopp in Süßenborn inklusive eines Vortrages „Spuren der Eiszeit“ von Ortsteilbürgermeister Dirk Christiani erlebte ebenfalls keinen Ansturm. Die Wanderung um 13.30 Uhr vom Bienenmuseum, wo mit Backofenfest und Herbstmarkt der gemütliche Teil des Tages stattfand, zur Parkhöhle wurde mangels Interesse abgesagt. Der Eintritt in die Höhle war gestern frei, Peter Frenzel hielt dort einen Vortrag.

Kraass bedauerte zudem, dass trotz Mails an alle Schulen der Region keine einzige Interesse gezeigt habe, in organisierter Form am Tag des Geotops teilzunehmen. Der 71-Jährige muss sich verstärkt um familiäre Belange kümmern. Einen Interessenten für die Nachfolge als Organisator, den er hätte einarbeiten können, gab es bisher nicht. „Ich hoffe trotzdem, dass Weimar in Zukunft noch stärker mit dem Pfund seiner archäologischen Attraktionen wuchert“, sagte er zum Abschluss.

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