Künstler kommen inzwischen exklusiv für Schloss Ettersburg

Weimar  Schloss-Direktor Peter Krause zieht ein erstes Resümee des bereits neunten Pfingst-Festivals

Marialy Pacheco und Max Mutzke gaben beim Pfingst-Festival im voll besetzten Gewehrsaal die Deutschlandpremiere ihres Duett-Programms . Foto: Maik Schuck

Marialy Pacheco und Max Mutzke gaben beim Pfingst-Festival im voll besetzten Gewehrsaal die Deutschlandpremiere ihres Duett-Programms . Foto: Maik Schuck

Foto: Maik Schuck

Schon vor dem Festival-Epilog mit Rüdiger Safranski sowie mit Christian Brückner, Theresa Kronthaler und Daniel Heide am 23. Juni hat das Pfingst-Festival Schloss Ettersburg eine erste Bilanz gezogen. Zu den beinahe 40 Veranstaltungen – Lesungen, Debatten, Clubkonzerte, Klassik, Alte Musik – waren mehr als 80 Musiker, Autoren, Schauspieler, Publizisten, Wissenschaftler zu Gast. Sie kamen aus den USA, Schweden, Israel, Norwegen, Großbritannien, Kuba, Frankreich, Polen, Rumänien, Dänemark, Österreich, Griechenland und Deutschland.

„Entzerrung des Festivals“ nennt der Festival-Planer Peter Krause die Verlagerung der „Ettersburger Gespräche“ in den Mai. Dieser Schritt hat sich für den Schloss-Direktor in jeder Hinsicht bewährt.

Die Clubkonzerte des Festivals waren fast durchweg exklusiv (und überfüllt). Nur NOA war bei seinem Gastspiel auf einer Tour durch Deutschland. Alle anderen Künstler, auch Al Di Meola, sind mit ihren Bands eigens für das Ettersburger Konzert (vor 200 Gästen) eingeflogen: Anna Ternheim aus New York, Viktoria Tolstoy aus Stockholm, Anna Maria Jopek aus Warschau, Charles Pasi aus Paris, Sophie Zelmani aus Stockholm … Kürzer war der Weg für Woods of Birnam (aus Dresden) und für Friend ‘n Fellow aus Weimar und Leipzig.

Einzigartig waren auch die Lesungen: Buchpremieren (Simon Strauß), Lesungen aus Manuskripten (Uwe Tellkamp) oder von „Fahnen“ (Rüdiger Safranski am 23. Juni). Christopher Clark kam vor allem für die Ettersburger Veranstaltung aus Cambridge nach Deutschland, Wolfgang Sobotka (Nationalratspräsident der Republik Österreich) eigens aus Wien.

Das „Jahr 1919“ nennt Krause einen Kristallisationspunkt für die teilweise kontroversen „Ettersburger Gespräche“ und für die „Konzertanten Lesungen“. Der Festivalleiter betont ihr „herrschaftsfreies Diskurs-Klima“. Andere inhaltliche Zusammenhänge wirkten latent.

Zudem waren die „Konzertanten Lesungen“ mit Claudia Michelsen, Petra Schmidt-Schaller und Thomas Thieme Ettersburger Eigenproduktionen und schnell ausverkauft. Die letzte Eigenproduktion des Jahrgangs folgt am 23. Juni.

Die Zusammenarbeit mit dem Stipendiaten-Programm von András Schiff (es muszierten Andrei Gologan aus Rumänien und Itai Navon aus Israel), mit den Thüringer Bachwochen und mit der Landeszentrale für politische Bildung habe sich ebenso bewährt wie die Einbindung eigener Jahres-Programmreihen in das Pfingst-Festival, wie der „Lyrische Salon“ oder die „Galerie Schloss Ettersburg“.

Das Konzert von Ragna Schirmer wurde für DLF-Kultur aufgezeichnet. In der Galerie hängen bis Ende August u. a. drei Lithographien von Pablo Picasso.

So ist es keine Hexerei, dass 4500 Tickets verkauft und dank Vernissage, Führungen durch Schloss und Park oder Wanderungen gut 5000 Festival-Gäste begrüßt werden konnten. Diese Zahl nennt Krause allerdings „nicht übermäßig aussagefähig“, da die meisten Veranstaltungen schnell ausverkauft waren und ein Vielfaches an Nachfrage hatten. So wird auch der Ruf nach Open-Air-Konzerten im Schlosspark immer kräftiger.

Das Ettersburger Publikum kommt dabei aus ganz Mitteldeutschland, die meisten Gäste aus dem Raum Erfurt und Jena. Für einige Clubkonzerte waren Gäste auch aus Holland, Frankreich und Luxemburg, für Anna Maria Jopek sogar aus den USA angereist.

Aufgabe des kleinen Schloss-Ettersburg-Teams ist es, das Welterbe-Ensemble zu erhalten und ganzjährig – sieben Tage pro Woche wirtschaftlich betrieben – umfassend zu revitalisieren. Kunst und Kultur sind neben der Bildung und der Denkmalpflege dabei ein fester inhaltlicher Bestandteil jenes Auftrags, den das Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e.V. als gemeinnütziger Pächter und Retter der damaligen Schlossruine 2005 übernommen hat.

Das Pfingst-Festival Schloss Ettersburg fand nunmehr zum neunten Mal statt. Es wurde mit 15.000 Euro von der Thüringer Staatskanzlei gefördert.

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