Limonadenpavillon am Hohenfeldener Eichenberg ist umgezogen

Nur ein "alles okay" musste Franziska Zschäck vom Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden am Dienstag via Internet ihrem zur Reha-Kur weilenden Chef mitteilen. Er wusste auch so, was gemeint war: Der geglückte Umzug des Limonadenpavillons, der bislang am Eichenberg als Kassenhäuschen diente.

Hohenfelden. "Jetzt noch ein Schluck aus der Flasche, damit alles gelingt", sprach Jörg Franke von der Weimarer Firma Dreikant, wischte sich den Schweiß von der Stirn und griff - natürlich - zur Limonadenflasche. Da hing das Objekt, das gstern Morgen am Hohenfeldener Eichenberg die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zimmerermeisters und geprüften Restaurators sowie der gesamten Mannschaft des Thüringer Freilichtmuseums hatte, bereits wie ein Fisch am Haken: der Limonadenpavillon aus Friedrichroda, der Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, damit dort fortan Ausflügler ihren Durst löschen konnten.

Der Pavillon musste umziehen, weil der Eichenberg ein neues Eingangsgebäude erhält – ein über 300 Jahre altes Fachwerkhaus mit Scheune aus Geu- nitz bei Reinstädt, das künftig auch einen kleinen, feinen Museumsladen aufnehmen soll.

Gemessen an den akribischen Vorarbeiten, die nötig waren, damit der Kran den Pavillon in vier Meter Höhe über die alte Kegelbahn aus Tröbsdorf hinweg an seinen neuen Standort heben konnte, dauerte die Luftfahrt nur Minuten. Um 9.58 Uhr sahen die Beobachter den Pavillon wackeln und vier Minuten später schwebte er bereits an seinem neuen Platz ein – ohne dass nur ein Holz krachte oder eine Schieferschindel abfiel.

Erleichterung nicht nur bei Franziska Zschäck, die derzeit den zur Kur weilenden Museumsleiter Michael Happe vertritt. Erleichterung vor allem bei Bauleiter Armin Rätsch. "Natürlich hat geholfen, dass wir ein saniertes Gebäude versetzt haben. Aber wir haben es im Inneren auch stark ausgesteift, sicher mehr als es notwendig war." Letztmals hatten Gudrun Heyder und Ines Kränzler am 13. Juni die Besucher im Limonadenpavillon willkommen geheißen und diesen am Tag danach komplett ausgeräumt. Dann wurden Fenster und Treppen ab- und eine Art Fachwerk als Stützgerüst eingebaut. Um das ganze transportabel zu machen, wurden unter das Gebäude Stahlschienen geschoben.

Eine ganz wichtige Funktion für einen unbeschadeten Umzug hatte das sogenannte Hängesprengwerk, eine massive Holzkonstruktion, die auch im Brückenbau Anwendung findet. "Sie nimmt die Last von der Mitte des Gebäudes und überträgt diese auf die außen liegenden Anschlagpunkte, wo die Kranseile eingehängt werden", erklärte Armin Rätsch.

Vorsorglich war ein Kran für Lasten bis zu 29 Tonnen geordert worden. Die Ingenieure hatten alles in allem für Pavillon, Stahlschienen und Stützgerüst knapp 20 Tonnen errechnet und damit gut gelegen. Am Kranhaken hingen exakt 18 Tonnen. Bis im Limonadenpavillon Museumsbesucher wieder ihren Durst löschen können, dauert es jedoch noch. Der Unterbau muss neu gemauert werden sowie das Innenleben wieder eingebaut und für den neuen Zweck komplettiert werden.

Neid kam bei den Museumshandwerkern übrigens nicht auf, weil der Umzug des Limonadenpavillons so scheinbar mühelos klappte. "Wir würden ja brotlos, wenn alles so ginge. Außerdem macht unsere Arbeit auch sehr viel Spaß", so Sven Heinrich, der mit seinen Kollegen derzeit das Umgebindehaus aus Langenbuch Bohle um Bohle wieder aufbaut.

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