Mit dem Familienbetrieb entwickelt sich Berlstedt

Berlstedt  Das Unternehmen Pfaffe investiert in den Freizeitwert Berlstedts ebenso wie in die Wohnsituation von Senioren

Dienst ist Dienst: Zunächst mit einem Schluck Wasser stießen Tobias und Wolfgang Pfaffe auf ihre Geburtstage an. Der Vater wurde am Montag 58, der Sohn am gestrigen Dienstag 38 Jahre alt.

Dienst ist Dienst: Zunächst mit einem Schluck Wasser stießen Tobias und Wolfgang Pfaffe auf ihre Geburtstage an. Der Vater wurde am Montag 58, der Sohn am gestrigen Dienstag 38 Jahre alt.

Foto: Jens Lehnert

Ohne Wolfgang Pfaffe wäre Berlstedt heute ärmer. Denn abseits seines Container- und Entsorgungsdienstes, den er seit 1990 betreibt, bewahrte und gestaltete der Unternehmer auch die Infrastruktur im Dorf.

Das Futterhaus der alten LPG erwarb er bereits 1994, um hier seinen Firmensitz auszubauen. Auch das ehemalige Lehrlingswohnheim kaufte er und richtete darin 18 Mietwohnungen ein. 1997 nutzte Pfaffe schließlich die nächste LPG-Immobilie um: Auf dem einstigen Kuhstall-Gelände ist seither das Kfz-Center als Tochterfirma des Containerdienstes ansässig.

Im Jahr 2000 entdeckten Pfaffes auch die Gastronomie-Branche für sich. Seinerzeit gab es in Berlstedt kein Restaurant mehr. So kauften sie den leer stehenden Konsum und richteten hier das Gasthaus „Zur Linde“ ein. In der Nachbarschaft der Gaststätte bauten Pfaffes eine Sporthalle an: ein Freizeitcenter, das insbesondere Vereine und Privatleute nutzen. Mit dem Kulturhaus übernahmen sie im Jahr 2004 einen weiteren baulichen Pflegefall und brachten es auf Vordermann. Für den Betrieb der „Linde“ und des Kulturhauses zeichnet Wolfgang Pfaffes Sohn Tobias verantwortlich.

Und das Unternehmen Pfaffe entwickelt sich weiter – und mit ihm das Dorf. Im Kulturhaus hat sich Tobias Pfaffe ein neues Standbein aufgebaut. Seit diesem Monat betreibt er hier eine Kaffeerösterei für den Industrie- und Gastronomiebedarf. Ein neues Café, um den Kaffee gleich vor Ort probieren zu können, ist zwar nicht mit entstanden. Wer Pfaffes Röst-Mischungen kosten möchte, hat dazu aber in der „Linde“ Gelegenheit.

Tobias’ Bruder Toni brachte sich einige Meter weiter entfernt an der Berlstedter Hauptstraße ein. Er erwarb den früheren Getränkemarkt gegenüber der alten Molkerei und ließ ihn so umbauen, dass die Diakoniestiftung Weimar – Bad Lobenstein dort seit einem Monat eine Tagespflege für Senioren und andere hilfebedürftige Menschen betreiben kann. „Die Sache ist sehr gut angelaufen und wird von den Leuten angenommen“, weiß auch Vater Wolfgang. Im Gebäude entstanden außerdem fünf barrierefreie Wohnungen. Die dritte davon wurde gestern bezogen.

Schon die kommende Woche bringt den nächsten neuen Schritt im Familien-Konzern. „Ab Montag geht unsere halbe Mannschaft nach Weimar“, sagte Wolfgang Pfaffe. Am oberen Weimar-Werk hat er ein Grundstück erworben und hier eine Zweig- niederlassung seines Containerdienstes aufgebaut. Diese ist zwar schon seit einer Weile in Betrieb. Das Geschäft wurde aber vorerst noch von Berlstedt aus koordiniert. Nun ziehen ein Teil der Mitarbeiter und der Technik in die Stadt um.

Firmenentwicklung heißt für Wolfgang Pfaffe allerdings nicht nur Expansion. Von Berlstedts Tankstelle etwa, die zurzeit ohne Personal mit Automatenzahlung funktioniert, würde er sich gern trennen. Aktuell sucht er einen Käufer, der die Tankstelle als solche weiter betreiben will.