Mit Fahrrädern im Einsatz für die Älteren in Niederzimmern

Niederzimmern.  Zwei Teenager aus Niederzimmern bieten in der Corona-Krise ihre Hilfe beim Einkaufen an. Bisher blieb die Resonanz allerdings gering.

Josephin Jüngling und Jeremy Wipprecht aus Niederzimmern mit ihrem Flyer, den sie im Dorf verteilten.

Josephin Jüngling und Jeremy Wipprecht aus Niederzimmern mit ihrem Flyer, den sie im Dorf verteilten.

Foto: Michael Grübner

„Haben Sie Angst vor Corona?“ Einen Flyer mit dieser Überschrift fanden rund 100 Niederzimmerner in dieser Woche in ihren Briefkästen. „Brauchen Sie nicht, denn wir helfen Ihnen!“ Die Absender sind zwei Teenager aus dem Dorf: Josephin Jüngling (14), die das Humboldtgymnasium in Weimar besucht, und Jeremy Wipprecht (15) von der Wartenberg-Regelschule. Ihr Angebot: Sie würden für ältere oder gesundheitlich angeschlagene Mitbürger einkaufen gehen. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Die beiden Jugendlichen kennen sich seit Kindergartenzeiten und gingen vorige Woche zeitgleich in „Zwangsferien“. Nicht ohne Hausaufgaben natürlich: Über die Internetseiten ihrer Schulen luden sie umfangreiche Dokumente herunter. „Die Motivation ist nicht jeden Tag gleich“, sagt Josephin. „Aber man hat ja eh nicht viel anderes zu tun gerade.“ Denn natürlich pausiert auch das Fußballtraining bei den C-Juniorinnen von Einheit Bad Berka, das sie so liebt. Damit rücken andere Dinge in den Fokus. Zum Beispiel die Familie: Josephin hat eine Oma, die schon an der Lunge operiert wurde und damit zur besonders sensiblen Risikogruppe gehört. Das Mädchen sprach mit ihren Eltern, telefonierte mit Jeremy – und spontan entstand die Idee ihres Hilfsangebotes. „Es gibt eine Menge ältere Menschen hier im Ort“, wissen beide.

Ein bisschen Abenteuer ist durchaus dabei: Josephin und Jeremy wollen die Einkäufe im Globus-Markt in Erfurt-Linderbach erledigen. Mit ihren Fahrrädern. Knapp zwanzig Kilometer für Hin- und Rückweg, immerhin ist das Radwege-Netz in diese Richtung gut ausgebaut. Dennoch kann man auf dem Fahrrad nicht unbegrenzt Lasten transportieren, deshalb begrenzten die Teenies den Umfang auf „maximal 20 Produkte“ pro Tour. Eine Einkaufsliste und Geld würden sie vorher bei den Interessierten abholen und das Restgeld natürlich wieder abgeben. Bei misstrauischen Mitbürgern sind sie bereit, ein Pfand zu hinterlassen. Vorerst zwei Tage, montags und mittwochs, bieten sie ihren Dienst an. „Falls die Nachfrage groß ist, würden wir das aber auch erweitern“, sagt Jeremy.

Die Jugendlichen überlegten zunächst, von Haus zu Haus zu ziehen und den älteren Niederzimmernern im direkten Gespräch Hilfe anzubieten, entschieden sich dann aber für die Flyer-Variante, damit die Information sich so schnell wie möglich verbreitet. Rund drei Stunden waren sie auf ihrer Briefkasten-Tour unterwegs.

Resonanzen? Bisher hat sich nur Ortschaftsbürgermeister Christoph Schmidt-Rose gemeldet. Der ist begeistert von der Idee der beiden und hat sie für Dienstag ins Gemeindehaus eingeladen, um zu besprechen, wie man gemeinsam weiter vorgehen könnte.