Mit Hypnose gegen die Angst vorm Zahnarzt

Apolda  Apolda. Die Apoldaer Zahnmedizinerin Andrea Stiede vertraut auf eine entsprechende Methode für eine entspanntere Behandlung ihrer Patienten.

Zahnärztin Andrea Stiede (links) und ihre zahnärztliche Fachangestellte Jana Feldrappe demonstrieren der TA gestern anlässlich des „Tages der sanften Zahnheilkunde“ die Hypnose an Patient Konstantin von Poellnitz. Foto: Dirk Lorenz-Bauer

Zahnärztin Andrea Stiede (links) und ihre zahnärztliche Fachangestellte Jana Feldrappe demonstrieren der TA gestern anlässlich des „Tages der sanften Zahnheilkunde“ die Hypnose an Patient Konstantin von Poellnitz. Foto: Dirk Lorenz-Bauer

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Mehr als fünf Minuten sind es nicht, da scheint es, als würde Christian Mämecke noch ein wenig tiefer ins Kunstleder des Zahnarztstuhls sinken. Sein Kopf ruht auf einem sogenannten Musik-Kissen. Um seine Ohren säuselt Instrumentalmusik, als Zahnärztin Andrea Stiede beginnt, mit einem Lichtstift vertikale Bewegungen über der Nase des Patienten zu vollführen. Sie fordert ihn auf, dem Lichtpunkt mit den Augen zu folgen. Er gehorcht. Leise redet sie auf ihn ein, bittet ihn, seine Augen zu schließen, nachdem sie von 1 bis 10 gezählt hat.

Farben, Formen, Fantasie – durch die Lider dringt noch sanft die Helligkeit. Das wärmende Licht tut wohl, so dass Christian Mämecke liegend nach und nach in einen dämmrigen Zustand hinübergleitet.

Entspannung ist angesagt. Möglichst an schöne Dinge soll Mämecke denken, an einen sicheren Ort, an dem er sich gern aufhält . . ., fordert ihn Stiede auf. Dies tut sie keineswegs in einem autoritären Tonfall. Vielmehr wirkt sie empathisch.

Der Mann wird ruhig, gleichmäßig hebt und senkt sich sein Brustkorb im Rhythmus der Atmung. Und schon kann Stiede mit der Behandlung des 32-Jährigen beginnen, während Mitarbeiterin Jana Feldrappe ihre Hand auf ihm ruhen lässt. Keine Spur mehr von Unruhe . . . Dabei hatte der Nauendorfer früher regelmäßig ein ungutes Gefühl, wenn es zum Zahnarzt ging. Schon der Geruch störe ihn; und dann noch die Geräusche, wenn der Bohrer sirrt . . . meinte er gegenüber unserer Zeitung.

Als sich bei ihm eines Tages eine Notfallbehandlung notwendig machte, sein Hauszahnarzt aber im Frei war, traf er zufällig auf die diensthabende Zahnärztin Andrea Stiede. Und lernte die Hypnose schätzen.

Die Apoldaer Zahnärztin gehört zu den Medizinern, die seit Jahren auf eine spezielle, sanfte Zahnheilkunde setzen. Die beinhaltet etwa die zahnärztliche Hypnose. Gestern fand dies­bezüglich bundesweit eine Art Informationstag statt.

Die Hypnose soll eine entspannte, angstfreie Behandlung bewirken. Andrea Stiede unterzog sich dafür eigens einer Fortbildung, erwarb ein Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose.

Christian Mämecke jedenfalls schildert, als er nach rund 15 Minuten aufgeweckt wird und der Stuhl in eine aufrechte Position fährt, dass er zwar noch alles ringsum gehört, ihn die Behandlung aber nicht berührt habe. „Das ist etwa so, als ob du daneben stehst und dir zuschaust.“

Völlig entspannt wachte gestern auch Konstantin von Poellnitz auf. Er hatte sich von Andrea Stiede den Zahnstein entfernen lassen und war während­dessen dank des hypnotischen Zustandes mit den Gedanken irgendwo im Spanienurlaub.

Stiede bietet ihren Patienten die schonende Behandlung stets an. Leider könne die nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden. Lobende Worte über die Wirkung jedenfalls bekommt sie regelmäßig. Auch bei Kindern kommt die Turbo-Induktion, so heißt die Methode, zur Anwendung.

Bei rund 90 Prozent der Patienten funktioniert das. Handelt es sich indes um Personen, die extrem selbsbestimmt sind, kann es durchaus mal vorkommen, dass es nicht klappt. Aber das ist dann auch kein Problem, schließlich verzichtet Andrea Stiede ohnehin nicht auf die Anästhesie. Die allerdings kann im Fall der Hypnose durchaus geringer dosiert ausfallen.

Die Medizinerin sieht neben der schonenderen Behandlung der Patienten den Vorteil, dass die Behandlung auch für den Zahnarzt erleichtert wird. Der Umgang mit einem weniger verkrampften Patienten erleichtere die Situation insbesondere auch bei langwierigen Behandlungen, etwa bei Kronen,. sagt sie.

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