Nach Attacke auf Zugführer geht der Angeklagte in Berufung

Weimar  Weimarer wurde im Dezember 2018 so schwer am Auge verletzt, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann

Die Ilmtalbahn in Bad Berka. Am Halt München geschah der Übergriff.

Die Ilmtalbahn in Bad Berka. Am Halt München geschah der Übergriff.

Foto: Bernd Rödger

Ein zweites Mal vor Gericht verhandelt werden muss der schwere Übergriff eines damals 22-Jährigen. Der Kranichfelder hatte am 27. Dezember des vergangenen Jahres in einer Erfurter Bahn auf dem Weg von Bad Berka nach Kranichfeld den Zugführer schwer am Auge verletzt (unsere Zeitung berichtete). Der Fall hatte seinerzeit in der Öffentlichkeit große Bestürzung ausgelöst.

Das Schöffengericht um die Vorsitzende Richterin Inez Gloski verurteilte den heute 23-Jährigen am Montag am Amtsgericht Weimar zu einer Haftstrafe, die ihn für zwei Jahre und elf Monate hinter Gitter bringen sollte. Damit folgte sie dem Antrag der Staatsanwaltschaft, während der Anwalt des Angeklagten für eine Bewährungsstrafe plädiert hatte. Gegen das Urteil legte der Angeklagte bereits Berufung ein. Dementsprechend wird der Fall, sobald die Akten komplett schriftlich vorliegen, am Landgericht in Erfurt komplett neu verhandelt.

Weil der Angeklagte mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft ist, hatte sich die Richterin für die Haftstrafe ausgesprochen, die der Angeklagte mit der Berufung umgehen will. Der 23-Jährige, der laut Sachverständigem Alkohol gewöhnt sei und auch zum Tatzeitpunkt an jenem Donnerstag gegen 20.45 Uhr getrunken hatte, zeigte sich bei der Verhandlung geständig. Er räumte die Tat ein und entschuldigte sich mehrfach bei dem Opfer, das die Verhandlung gefasst verfolgte. Der 53-jährige Zugführer aus Weimar war bei der Fahrt einer Zugbegleiterin zu Hilfe gekommen. Dieser war es nicht gelungen, den Angeklagten dazu zu bewegen, den Zug zu verlassen, weil er keine Fahrkarte und nach eigenem Bekunden auch kein Geld hatte, um eine zu lösen. Am Haltepunkt München bei Bad Berka kam es zu der tätlichen Auseinandersetzung, die das Leben des einstigen Zugführers elementar verändert hat.

Als er den jungen Mann erneut zum Aussteigen aufforderte schlug dieser so heftig auf den Zugführer ein, dass er am Auge schwer verletzte wurde. Das Opfer kam umgehend in ein Erfurter Klinikum und musste sich einer Operation unterziehen. Die Verletzungen sind so erheblich, dass der Mann bis heute ohne Hilfsmittel auf dem linken Auge kaum noch etwas sehen kann, hieß es bei der Verhandlung. Dem Weimarer müsse, nachdem die Wunde verheilt sei, eine künstliche Linse eingesetzt werden, damit er später mit einer Brille wieder etwas mehr erkennen könne. Bedingt dadurch, kann er nicht mehr als Zugführer arbeiten und soll eine Stelle im Innendienst erhalten. Der Täter floh seinerzeit, konnte aber von der Polizei am Tag nach der Tat gefasst werden.

Täter und Opfer schlossen außergerichtlich einen Vergleich, den das Amtsgericht Weimar in dem Verfahren lediglich protokollierte. Demnach will der Kranichfelder in den kommenden drei Jahren monatlich 700 Euro an den Weimarer bezahlen. Der Angeklagte verpflichtete sich freiwillig, den Ansprüchen des Opfers so nachzukommen – wenngleich dabei Zweifel aufkommen dürften. Denn einen Job habe er bisher nur in Aussicht, bekannte der Kranichfelder. Die Zeit bis zur Berufungsverhandlung wolle er nutzen, um zu beweisen, dass ein Strafmaß auf Bewährung angemessen sei. Der Angeklagte bleibt bis dahin – wie bereits im Vorfeld und während der nur wenige Stunden währenden Verhandlung – auf freiem Fuß.

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