Notenbank Weimar: Mietergruppe setzt auf Genossenschaftsmodell

Weimar  Einstieg in das Bieterverfahren ist erst der Anfang. Mehrere Großinvestoren am Denkmal interessiert

Die Mietergemeinschaft hat für ihr Kaufgebot eine Finanzierungszusage der GLS-Bank erhalten.

Die Mietergemeinschaft hat für ihr Kaufgebot eine Finanzierungszusage der GLS-Bank erhalten.

Foto: Archiv

Die Mietergemeinschaft des ehemaligen Staatsbankgebäudes in der Steubenstraße ist fest entschlossen, beim Verkauf der „Notenbank“ durch die Heyge-Stiftung mit einem ernstzunehmenden Gebot und einem tragfähigen Konzept mitzumischen. „Die Immobilie darf nicht zum reinen Rendite-Objekt werden“, sagt Jens Weber als Pressesprecher der Initiative „Notenbank in Not“.

Die Bemühungen der Mietergemeinschaft um die Überführung des Bieterverfahrens in ein Konzeptverfahren ist allerdings durch den Vorstand der Heyge-Stiftung abgelehnt worden. Deshalb musste die für das Bieterverfahren gegründete GbR ein Kaufgebot abgeben. Mit der GLS-Bank (Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken) habe man ein Bankhaus gefunden, das soziale Ansprüche verfolgt und zugleich leistungsfähig ist.

„Mit der Finanzierungszusage durch die Bank sind wir unserem Ziel einen großen Schritt nähergekommen, den Charakter des Ortes langfristig zu sichern“, freut sich Lars Christoph vom GbR-Vorstand der Mietergemeinschaft. In der ersten Runde musste die GbR nachweisen, den Verkehrswert aufbringen zu können. Das sei bereits deshalb kompliziert gewesen, weil trotz anderslautender Aussagen der Heyge-Stiftung und der mit dem Verkauf beauftragten Firma lange zentrale Informationen gefehlt hätten, um überhaupt eine Finanzierungszusicherung der Bank zu erhalten. Dass dies dennoch erfolgte, wertet die Mietergemeinschaft als Vertrauensbeweis der Bank.

Inzwischen haben sich offenbar mehrere Interessenten für das denkmalgeschützte Gebäude bei der R.O.I. Berlin gemeldet, in deren Händen das Bieterverfahren liegt. „Wir konkurrieren mit Großinvestoren, und das Verfahren läuft aktuell so, dass wohl das wirtschaftlichste Angebot den Zuschlag erhalten wird. Wie lange wir da mithalten können, bleibt abzuwarten“, sagt der GbR-Vorstand.

Als Großimmobilie mit einem sehr speziellen Zuschnitt gilt das historische Bankgebäude als schwieriges Objekt für die Vermietung. Nur durch eine Änderung der Raumstruktur in den Veranstaltungssälen des Denkmals wäre wahrscheinlich mehr Mietfläche zu gewinnen. Zudem gibt es aber auch eine Fülle an Nebenflächen.

Während andere Stiftungen in Zeiten von Negativzinsen Immobilien erwerben, ist die Verkaufsabsicht der Heyge-Stiftung zumindest überraschend. Das Haus war komplett vermietet, was nach mindestens vier Kündigungen nun nicht mehr gilt.

„Wir sagen nichts gegen einen Verkauf oder gegen Mieterhöhungen. Wir können der Stiftung aber garantieren, ihr alle Investitionen beim Verkauf zu ersetzen, ihr zusätzlich eine Rendite bieten und zugleich das erhalten, was die Heyge-Stiftung über Jahre verdienstvoll geschaffen hat“, erläutert Jens Weber den Ansatz. „Als Genossenschaft wollen wir die sinnvolle Kombination der Mieterschaft und ein solidarisches Mietmodell für den kaum profitabel zu betreibenden Veranstaltungsbereich sichern.“