Pflege- und Adoptiveltern treffen sich in Berlstedt

Berlstedt. Pflegeeltern aus dem Weimarer Land und deren Schützlinge trafen sich am Samstag zu einem geselligen Tag. Während die Erwachsenen Erfahrungen und Tipps austauschen konnten, hatten die Kleinen viel Zeit zum Spielen.

06.07.2013 / Weimarer Land / Berlstedt / Treffen vom Pflegeelternverband / Adrian und Uwe Pauscher / Foto: Jens Lehnert

06.07.2013 / Weimarer Land / Berlstedt / Treffen vom Pflegeelternverband / Adrian und Uwe Pauscher / Foto: Jens Lehnert

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Auf den kleinen Adrian kann Uwe Pauscher stolz sein. 15 Monate ist der blonde Wonneproppen jung, aufgeweckt, fröhlich. Und er genießt es, sich an Papa zu kuscheln. Dass Uwe Pauscher nicht sein leiblicher Vater ist, spielt in diesem Moment keine Rolle. Der Kleine, der seit einem Jahr bei den Pauschers in Neckeroda lebt, kennt es nicht anders. Und der gestandene Mann liebt Adrian, als wäre er sein eigenes Kind. Und ist sich dennoch bewusst, dass diese Beziehung endlich ist.

Uwe Pauscher ist Pflegevater und als solcher auch Vorsitzender des Pflege- und Adoptiveltern-Vereins Weimarer Land. Der Verein und das Jugendamt des Kreises luden am vergangenen Samstag zum vierten Mal zu einem Treffen der Pflegeeltern und -kinder ins Berlstedter Kulturhaus ein. Ein Tag, um entspannt zu reden und zu spielen. Für die Erwachsenen auch, um Erfahrungen auszutauschen. Für die Kinder, um zu erkennen, dass sie mit ihrem Erlebten nicht allein auf der Welt sind.

Pauschers sind seit fünf Jahren Pflegeeltern. Sie haben selbst fünf leibliche Kinder. Drei davon sind inzwischen aus dem Haus und haben eigene Familien gegründet. "Ein Arbeitskollege brachte mich damals auf die Idee, dass meine Frau und ich uns als Pflegefamilie bewerben", sagte der Neckerodaer. Inzwischen hatte er 36 Kinder in seiner Obhut. Einige nur für zwei Wochen, andere - wie den kleinen Adrian - für ein ganzes Jahr. Zurzeit haben Pauschers drei Schützlinge in Pflege.

Derzeit 76 Kinder von Pflegeeltern betreut

55 Pflegeelternpaare gibt es im Weimarer Land. Aktuell werden 76 Kinder auf diese Weise betreut. Vor allem bei Kindern bis zum Schulalter gibt das Jugendamt dieser Unterbringung gegenüber der im Heim den Vorzug. Und der Bedarf an Pflegeplätzen nimmt zu. So sei in den vergangenen zwei Jahren etwa die Zahl der Fälle spürbar gestiegen, in denen Eltern psychisch erkrankten und ihren Nachwuchs deshalb vorübergehend in Pflege geben mussten, erläuterte Cornelia Bachmann vom Jugendamt des Landkreises.

Die Gründe für eine Pflegschaft können vielschichtig sein. In jedem Falle soll sie dem Wohl des Kindes dienen. Häufig sind es Eltern, die mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind und deshalb behördliche Hilfe beantragen. Allerdings bedarf es nicht selten auch der Entscheidung von außen, durch das Amt oder neutrale Verfahrenspfleger - etwa dann, wenn Kinder erkennbar vernachlässigt oder gar misshandelt werden. Aber auch plötzliche Notsituationen, wie zum Beispiel ein Krankenhausaufenthalt eines alleinerziehenden Elternteils, machen mitunter die Dienste einer Pflegefamilie erforderlich.

"Als Pflegefamilie muss man bereit sein, sein Leben und sein Zuhause zu öffnen", weiß Uwe Pauscher. Vertrauen ist für das Jugendamt Grundvoraussetzung, Kontrolle aber unabdingbar. Wer eine Pflegschaft übernehmen will, muss als erziehungsfähig gelten. Ideal, aber nicht zwingend ist es, bereits eigene Kinder zu haben. Hinzu kommen Formulare, Gespräche, Hausbesuche, zehn Seminarstunden sowie der Nachweis eines makellosen polizeilichen Führungs- und eines Gesundheitszeugnisses sowie der wirtschaftlichen Unabhängigkeit.

Alles in allem kann dieser Bewerbungsprozess ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. "Die künftigen Pflegeeltern sollten sich auch darauf einstellen, eng mit dem Jugendamt und den Herkunftsfamilien der Kinder zusammenzuarbeiten", schildert Cornelia Bachmann.

Dass die leiblichen Eltern zum Schutz des Nachwuchses nicht erfahren, wo ihre Kinder untergebracht sind, sei recht selten. Bei vier oder fünf Kindern, die sich derzeit in Pflege befinden, sei das der Fall, weiß Uwe Pauscher. Weitaus häufiger ist es, dass der Kontakt zur Herkunftsfamilie ausdrücklich Bestand hat. Schließlich sei es erste gesetzliche Maßgabe, die Kinder wieder in die Obhut ihrer Eltern zurückgeben zu können.

Bild 1: Uwe Pauscher kam mit dem kleinen Adrian zum Treffen des Pflegeelternverbands.Foto: Jens Lehnert

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