Philharmonischer Chor probt virtuell gegen den Lagerkoller

Weimar.  Sängerinnen und Sänger studieren auf die Ferne neues Beethoven-Programm ein

Der Philharmonische Chor Weimar (PCW) probt virtuell gemeinsam, um einen Lagerkoller zu verhindern.

Der Philharmonische Chor Weimar (PCW) probt virtuell gemeinsam, um einen Lagerkoller zu verhindern.

Foto: pcw

Der Philharmonische Chor Weimar (PCW) trotzt der Coronakrise. Durch das behördliche Kontaktverbot und die Schließung des DNT ist auch der als Verein aktive Konzertchor aktuell zur Probenpause gezwungen. Damit die Chormitglieder dennoch die Freude am Singen nicht verlieren und die Zwangspause produktiv genutzt werden kann, haben Chorvorstand und Gastdirigent Ralf Jorik Schöne die Probenarbeit kurzerhand in den virtuellen Raum verlegt.
„Natürlich ist es nicht die bislang gewohnte Probenarbeit, die wir dort leisten. Wir treffen uns jedoch voller Enthusiasmus mit einzelnen Registern und erarbeiten die Stimmen neuer Stücke, die wir für künftige Projekte brauchen. Unser Angebot gibt den Sängerinnen und Sängern Mut, bringt ein Stück Freude in den Alltag und legt einen guten Grundstein für die nächsten Konzertvorhaben“, erklärt Ralf Jorik Schöne, der als Gastdirigent derzeit die musikalischen Geschicke des Chores in den Händen hält.

Über die Plattform Blackboard begann das gemeinsame Proben zunächst mit virtuellen Einsingeübungen. Mittlerweile arbeitet der Chor auf dem ungewohnten Weg über die Videokonferenz im zweiwöchentlichen Rhythmus am aktuellen Programm „Beethoven in Wien“, das neben Werken des Jubilars auch solche seiner Zeitgenossen umfasst. Einen Großteil versucht der Chor für das nächste Jubiläum übernehmen zu können, schließlich wird im kommenden Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen an den 265. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart erinnert.

Ganz problemlos verläuft das virtuelle Proben allerdings nicht: „An manchen Standorten ist die Netzqualität sehr schlecht“, weiß die stellvertretende Vereinsvorsitzende Evelyn Kästner. Maximal 70 Prozent der Sängerinnen und Sänger könnten sich erfolgreich einwählen. Über die Videofunktion sei es aber möglich nachzuproben. Geübt werde auch in Registern, also zum Beispiel 30 Minuten Bass oder Tenor. Evelyn Kästner kann beispielsweise über die Plattform ebenso die Sopran-Probe aus dem Netz mit ihrer Alt-Stimme kombinieren.

Alle Konzerte, die bis in den September stattfinden sollten, hat der Chor vorsorglich auf das nächste Jahr verschoben. „Beethoven in Wien“ wollte er eigentlich am 17. Mai im Festsaal der Zentralklinik mit dem Blockflötenquartett „conventus tibicinus“ als Gäste präsentieren, ebenso am 8. September im Gewehrsaal auf Schloss Ettersburg gemeinsam mit Oliver Luhn (Bass).

Jetzt hoffen die Sängerinnen und Sänger, dass sie wenigstens am 13. Dezember im Achteckhaus von Schloss Sondershausen an der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mitwirken können. Neben dem Philharmonischen Chor Weimar wollen dort das Mitteldeutsche Kammerorchester, die Sondershäuser Madrigalisten, der Albert-Fischer-Chor Sondershausen sowie Solisten auftreten. Die Weimarer setzen darauf, spätestens im September Gewissheit darüber zu haben, ob dieses Konzert stattfinden kann.

Wann die reguläre wöchentliche Probenarbeit im Chorsaal des DNT wieder aufgenommen werden kann, steht noch in den Sternen. „Bis dahin trifft man sich virtuell – CHORona zum Trotz“, scherzt Evelyn Kästner. Und ist wie die anderen Sängerinnen und Sängern froh, wenigstens in der virtuellen Welt miteinander singen zu können.