Reichhaltiges Oeuvre von großer malerischer Erfindungskraft

Weimar  Anlässlich seines 100. Geburtstages ehrt die Stadt Weimar den Maler Hans Winkler mit einer Doppelausstellung

Zur Eröffnung der von Elke Gatz-Hengst (r.) kuratierten Doppelausstellung zu Ehren von Hans Winkler (1919-2000) kam auch seine Witwe Christel Winkler (l.).

Zur Eröffnung der von Elke Gatz-Hengst (r.) kuratierten Doppelausstellung zu Ehren von Hans Winkler (1919-2000) kam auch seine Witwe Christel Winkler (l.).

Foto: Maik Schuck

Umfassenden Einblick in den frappierenden Reichtum seines Oeuvres vermittelt derzeit in Weimar die Doppelausstellung „... suche ich meine Tonarten“ in der Stadtbücherei und in der Galerie Profil anlässlich des 100. Geburtstages von Hans Winkler (1919-2000). Kuratiert von Galeristin Elke Gatz-Hengst, zeigt die auf allen Etagen der Bibliothek sowie in den Galerieräumen an der Geleitstraße 11 zu besichtigende Exposition eindrucksvoll, welche Themen und Impulse der Weimarpreisträger von 1992 aufgriff, um sie künstlerisch zu verarbeiten. Die Sujets seiner Bilder entnahm Hans Winkler vorwiegend der politischen Zeitdiagnostik, unterstrich der Erziehungswissenschaftler Michael Löffelholtz, Hamburg, in seiner Laudatio zur Eröffnung der zweiteiligen Schau am Samstag im Gewölbekeller der Stadtbücherei.

Gezeigt werden Beispiele aus allen Malperioden des in sechs Jahrzehnten entstandenen umfangreichen Werks eines Künstlers, der mit seiner abstrakten Malerei bis 1989 jenseits des offiziellen Kunstbetriebes der DDR stand. „Mein Schweigen als Künstler ist ertragbar durch die Hoffnung, dass im Sozialismus eines Tages eine Freiheit möglich wird, von der zu träumen, eines meiner künstlerischen Anliegen ist“, schrieb Winkler 1977 an den Kurator Egon Lustner. Er deutete die Ausgrenzung als Chance um, die bitteren Erfahrungen in Bilder umzusetzen, die der Realität ebenso nah waren wie sie diese veränderten.

Im Widerspruch zwischen Hoffnungslosigkeit und Hoffnung entfaltete sich seine malerische Erfindungskraft. Und so lautete sein Motto: „Ich suche keine Auswege, ich suche Wege“ (Tagebuchnotiz vom 12. Oktober 1978). Von 1951 bis 1984 verdiente der Künstler seinen Lebensunterhalt als Musikpädagoge, ohne die intensive Weiterentwicklung seiner gegenstandslosen Malerei zu vernachlässigen. Sein musikalisches Talent gab er an die Kinder und Enkel weiter, wie der anspruchsvolle musikalische Rahmen der Vernissage zeigte. Erst nach 1989 bekam sein Werk zunehmende öffentliche Beachtung.

Im Zentrum von Winklers Oeuvre steht die Aquarelltechnik auf Papier. Er selbst nannte sich im März 1980 „informeller Wassermaler“, erinnerte Laudator Löffelholtz, dessen umfangreiche Monographie über Hans Winkler und sein künstlerisches Schaffen Ende 2019 im Böhlau-Verlag erscheint. Hans Winkler ließ die Farben fließen und ins Papier diffundieren, wusch die Farbe zum Teil wieder ab, nur um sich von den verbliebenen Spuren zu neuen bildnerischen Reaktionen anregen zu lassen, und das oftmals in vielen Arbeitsgängen. Schnelligkeit bietet Hans Winkler die Gewähr, dass bildnerisches Tun der Spontaneität der Empfindungen nah bleibt. So konnte er dem Zeitfluss folgen, betonte Michael Löffelholtz in seiner Laudatio, und das Malen betreiben wie Tagebuch schreiben. Vom Betrachter verlangt Winkler im Dezember 1983 „denkendes Eindringen in (seine) Kunst“. Dazu gibt die Doppelausstellung jetzt reichlich Gelegenheit.

Stadtbücherei, Steubenstr. 1, bis 23. Dezember, Mo, Mi, Fr 10-16 Uhr, Di, Do 13-19 Uhr, Sa 10-13 Uhr.

Galerie Profil, Geleitstraße 11, bis 19. September, Mi-Fr 12-18 Uhr, Sa 10-16 Uhr

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